Auto

Fahrbericht Renault Twingo GT

Schlechte Nachrichten im Tankdeckel

109 PS, Heckantrieb und geringes Gewicht: Der Twingo GT ist ein Minigeschoss mit überraschend viel Platz. Nur an der Tankstelle hört der Spaß auf - und das liegt nicht mal am Verbrauch.

Von Jürgen Pander

Mittwoch, 04.10.2017   05:11 Uhr

Selbst wenn man Kleinwagen ablehnt, Dreizylinder-Motoren belächelt und französische Automarken nicht ernst nimmt, verdient der Renault Twingo GT Hochachtung. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass er sich gegen den allgegenwärtigen Leistungs- und Größenwahn der Branche stemmt und den Beweis dafür liefert, dass Verzicht eben doch cool sein kann. Dazu gleich mal ein Blick aufs Datenblatt: 3,60 Meter lang, 1001 Kilogramm schwer, 900-Kubik-Turbomotor und 109 PS. In etwa so stark war der erste VW Golf GTI von 1976.

Der Vergleich mit dem Ur-GTI ist ziemlich passend: Vor allem im Anspruch, praktische Vorzüge mit einer Extraportion Fahrspaß zu verkuppeln ähneln sich der Twingo GT von heute und der Golf von damals.

Auch beim Twingo GT fängt dieser Spaß wie einst beim GTI schon bei der Innenausstattung des Autos an. War beim GTI der Schaltknauf in Golfballoptik ein Hingucker, löst beim GT das dicke Lederlenkrad beim ersten Zugreifen Freude aus. Zudem sind die Sitze so sportlich-straff gepolstert, wie es sich bei so einem Auto gehört.

Von außen mag der Twingo mickrig wirken, aber innen ist das Platzangebot fast großzügig. Eine Fahrt zu viert fühlt sich überhaupt nicht beengt an. Dank der vier Türen funktioniert auch das Ein- und Aussteigen in den kleinen Wagen problemlos. Möglich wird die effiziente Raumaufteilung vor allem durch den Heckantrieb: Wie beim Zwillingsmodell Smart Forfour (oder auch beim Porsche 911) sitzt im Twingo der Motor über der Hinterachse. Das schafft Platz im vorderen Teil der Karosserie.

Nachteil dieses Konzepts ist allerdings das bescheidene Kofferraumvolumen. Direkt unter dem Boden des (Hand-) Gepäckabteils befindet sich die mit sechs Flügelschrauben befestigte Motorhaube, darunter dann der 900-Kubik-Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung und einer Leistung von 109 PS.

Das Gebrumm kommt aus dem Heck

Wird die Maschine gestartet, dringt das Brummeln also von hinten unten an die Ohren der Insassen. Und wenn man auf glitschiger Straße in einer Kurve aufs Gas tritt, kann das Heck schon mal ein ganz kleines bisschen ins Driften geraten. Richtig, das hier ist das Sportkanönchen unter den Twingo-Typen, bis zu 182 km/h schnell und durchaus munter zu fahren, wenn man es drauf anlegt.

Das kann man machen, doch dann wird man dem Durchschnittsverbrauch von 5,2 Liter je 100 Kilometer kaum nahe kommen. Wir fuhren das Auto allerdings über knapp 300 Kilometer während der Testfahrt mit einem Schnitt von 5,7 Liter je 100 Kilometer - allerdings mit gedrückter "Eco"-Taste. Die sitzt rechts oberhalb des Schaltknüppels und drosselt bei Aktivierung die Leistung auf 65 PS und das maximale Drehmoment von 170 auf 135 Nm.

Wenn man ganz normal unterwegs ist und auf GT-Gehabe verzichtet, spürt man beim Fahren kaum einen Unterschied zum normalen Modell. Erst an der Tankstelle gibt es eine böse Überraschung: Dort wird es, ganz gleich wie hoch der Spritverbrauch war, auf jeden Fall teurer. Denn der Twingo GT muss - so steht es auf der Innenseite des Tankdeckels - mit 98-Oktan-Kraftstoff betankt werden, und der kostet pro Liter mehrere Cent mehr als Normalbenzin. Antwort von Renault auf die Frage nach dem Grund für den teuren Kraftstoff: Das hänge mit der Leistungsfähigkeit des kleinen Turbomotors zusammen und sei eine "dringende Empfehlung".

Renault empfiehlt "dringend" Sprit mit höherer Oktanzahl

Und so tankten wir Sprit mit blumigen Namen wie "Superplus" (98 Oktan) oder, mangels Alternativen, sogar "Ultimate Kraftstoff (102 Oktan). Die Preise pro Liter schwankten von 1,38 Euro bis 1,72 Euro. Man kann es auch so sagen: Twingo-GT-Fahren rächt sich an der Tankstelle. Es wird auf jeden Fall teurer als mit einem anderen Kleinwagen, und das wiegt das zwar flotte, aber ansonsten komplett durchschnittliche Fahrverhalten keineswegs auf.

So ist der Renault Twingo GT zwar ein gut gemachter, sportlicher und zugleich praktischer Kleinwagen, doch er ist eben auch im Unterhalt ziemlich teuer. Das gilt übrigens auch für die Anschaffung: 15.490 Euro kostet die GT-Variante mindestens, bei unserem Testwagen kamen noch ein Soundpaket mit 35 Watt Leistung, ein Digitalradio, schwarze Dachstreifen und ein praktisches Ablagefach unter der Rücksitzbank hinzu. Machte am Ende einen Fahrzeugpreis von 16.105 Euro.

Wie alles im Leben und besonders in der Autowelt ist allerdings auch dieser Preis relativ. Der technisch identische Smart Fourfour Brabus wird ab 21.225 Euro angeboten. Dagegen ist der Twingo GT sogar ein Sonderangebot.

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