Autogramm Renault Zoe: In der Entspannungskapsel von A nach B 

Von Jürgen Pander

Renault liebt den Elektroantrieb, mit dem Kleinwagen Zoe lancieren die Franzosen schon die vierte E-Modellreihe. Der kleine Fünfsitzer mit dem entspannenden Fahrverhalten ist der bislang überzeugendste Stromer - offenbart in einem Detail aber auch die Konzeptlosigkeit der Elektromobilität.

Der erste Eindruck: Renault macht blau. Bläulich schimmernde Scheinwerfer und Rückleuchten, Chromleisten mit Blaustich und sogar hellblau getönte Scheiben - Blau ist die Symbolfarbe aller Renault ZE-Aktivitäten, womit "Zero Emission" gemeint ist. Logisch, dass sämtliche Elektroautos der Marke bläulich erscheinen, ganz besonders der neue Elektro-Kleinwagen Zoe.

Das sagt der Hersteller: "Wir sind ein Teil des CO2-Problems, aber jetzt werden wir auch zu seiner Lösung beitragen", sagt Clare Jones, die Produktmanagerin des Renault Zoe. Mit einer Verve wie kein anderer großer Hersteller hat sich Renault auf die Elektromobilität gestürzt. Drei Modellreihen - Kangoo, Fluence, Twizy - sind bereits auf dem Markt, jetzt folgt die vierte: der Kleinwagen Zoe.

60 Patente stecken in dem Auto, darunter ein Akku-Ladesystem, das mit vier unterschiedlichen Stromarten klarkommt sowie die weltweit erste Autoklimatisierung mit integrierter Wärmepumpe. Angesichts solcher Innovationen wirkt das viele Hartplastik im Innenraum ebenso antiquiert wie die Rücksitzlehne, die sich nur ganz oder gar nicht umklappen lässt. Frau Jones sagt: "Wir haben alles Geld in die Antriebstechnik gesteckt."

Das ist uns aufgefallen: Kein anderes Elektroauto fährt sich so angenehm und stressfrei wie der Zoe. Das liegt zum einen an der Reichweite von 210 Kilometer (laut offizielle NEDC-Zyklus), was in der Realität

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Renault Zoe: Kleiner Stromer, großer Auftritt
eine Fahrstrecke von 100 bis 150 Kilometer bedeutet. Das reicht für die allermeisten Alltagsfahrten aus, und genau dafür - also das Pendeln zum Arbeitsplatz, zum Einkaufszentrum oder zum Kindergarten - ist der Wagen gedacht.

Weil die Cockpitgrafik des Zoe, sobald man den Fuß vom Fahrpedal nimmt oder bremst, anzeigt, wie Energie zurück gewonnen wird, fährt man automatisch bewusster. Man fühlt sich als Gewinner, wenn man zehn Kilometer gefahren ist, die Reichweitenanzeige währenddessen aber lediglich um sieben Kilometer abgenommen hat.

Renault hat sich weitere Details einfallen lassen, um das entspannte Fahrgefühl zu fördern. Ein ruhig-modernes Interieurdesign etwa und das sogenannte Take-Care-Paket in der Ausstattungsstufe Zen (Aufpreis 1800 Euro), das die Innenraumluft nicht nur aufwendig reinigt, sondern auch befeuchtet und auf Wunsch parfümiert.

Das muss man wissen: Der Elektromotor stammt vom Zulieferer Continental, verfügt über eine Nenndauerleistung von 58 PS und entwickelt kurzfristig bis zu 88 PS. Die Zellen der Lithium-Ionen-Batterie kommen vom koreanischen Konzern LG Chem, die Renault zu einem 290 Kilogramm schweren, luftgekühlten Akkupaket kombiniert und unter der Fahrgastzelle platziert. Bei voller Ladung stehen damit 22 kWh nutzbare elektrische Energie für den Antrieb und die Nebenaggregate zur Verfügung.

Wer einen Zoe kauft, erhält mit dem Auto auch eine sogenannte Wallbox inklusive deren Installation in der heimischen Garage. Das ist ein wichtiges Detail, denn anders als andere E-Autos kann man den Zoe nicht an einer herkömmlichen Steckdose anschließen. Das Laden funktioniert nur mittels der Wallbox oder an öffentlichen Ladestationen, und zwar ausschließlich über Mennecke-Steckverbindungen, die auch als Typ 2 bekannt sind.

Die Begründung von Renault: Im Zoe ist eine neue Ladeeinheit namens Chameleon-Charger verbaut, die mit Stromleistungen von 3,7 bis zu 43 kW lädt. Diese Leistungsabnahme aber würde normale Haushaltssteckdosen überfordern, sie laden im Schnitt meist nur mit 2,5 kW und neigen bei höherer Abgabe zum Überhitzen. Die Wallbox ermöglicht sicheres Laden auch mit 3,7 kW. Wer sein Auto auch am Arbeitsplatz laden will, braucht also eine zweite Wallbox - für die werden dann nochmal 1100 Euro fällig.

Dabei ist die Wallbox wieder mal ein Beispiel für die Irrfahrt der Hersteller in Sachen Elektromobilität. Denn die Einschränkung, dass sich der Zoe nicht an normalen Steckdosen laden lässt, kann man bald schon wieder vergessen. Bei Renault heißt es, man arbeite daran, den Chameleon-Charger für Stromleistungen ab 2 kW und damit für normale Anschlüsse brauchbar zu machen. Die gegenwärtige Wallbox-Lösung wäre damit überflüssig.

Der ab Werk schon sehr ordentlich ausgestattete Zoe wird zu Preisen von 21.700 Euro aufwärts verkauft. Der Lithium-Ionen-Akku kann ausschließlich geleast werden, wobei die Mietgebühr von der Jahreslaufleistung und der Laufzeit der Batteriemiete (12, 24, 36 oder 48 Monate) abhängig ist; sie reicht von monatlich 79 bis 122 Euro. Vorteil dieser Lösung: Die Garantie auf das Akkupaket ist praktisch unbegrenzt, sobald dessen Ladekapazität unter 75 Prozent fällt, tauscht Renault den Stromspeicher kostenlos aus.

Das werden wir nicht vergessen: Drei Dinge bleiben nach der ersten Testfahrt im Gedächtnis. Erstens: Die spacigen Sounds, die das Auto bis Tempo 30 von sich gibt, um Passanten auf sich aufmerksam zu machen. Zweitens: Das Muster auf dem Griff für die Fondtüren - es handelt sich um den Daumenabdruck des Zoe-Designers Jean Sémériva. Und drittens die merkwürdig-lustigen Begriffe im Bordcomputer, auf dem etwa die "Energieflut" angezeigt wird und der "Duftvertreiber" eingeschaltet werden kann.

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insgesamt 309 Beiträge
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1.
watschendoni 23.03.2013
Zitat von sysopRenault Renault liebt den Elektroantrieb, mit dem Kleinwagen Zoe lancieren die Franzosen schon die vierte E-Modellreihe. Der kleine Fünfsitzer mit dem entspannenden Fahrverhalten ist der bislang überzeugendste Stromer - offenbart in einem Detail aber auch die Konzeptlosigkeit der Elektromobilität. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/renault-zoe-kleinwagen-mit-elektroantrieb-und-vielen-innovationen-a-889989.html
Also meine Haushaltssteckdose hat schon mehrere tausend kwh gepackt:-) ... ich denke der Autor meint kw (ohne h). Mir reicht für mein Fahrprofil der Twizy volkommen, aber trotzdem ein tolles Auto! Für die meissten Kleinwagenbesitzer eine saubere Alternative. Und wartungsarm.
2. optional
ordnungsamt 23.03.2013
während BMW, Benz, Audi munter immer grössere Luftverpester auf den Markt schmeissen. Trotzdem ist "0gr CO2" eine irreführende Angabe. Bei der e-mobil Herstellung fällt sogar mehr CO2 an und irgendwoher muss der Strom ja kommen.
3. Ja....
holystony 23.03.2013
..super Auto. Diese Bemerkung dass Elektroautos erst mit Ökostrom wirklich sinnvoll seien halte ich persönlich von der deutschen Autoinstrie lanciert. Hier geht es eben auch um die Lebensqualität in den Städten. Ich sage nur: Stuttgart. Des weiteren sind Elektromotoren effizienter als Verbrennungsmaschienen und es werden nicht so unsinnig große Auros gebaut die zumindest in den Städten fehl am Platz sind. Ausserdem wird sich der Anteil des Ökostroms durch die Energiewende zwangsläufig erhöhen. Elektroautos sind die Zukunft, und auch schon die Gegenwart :-)
4. Leistungsangaben
mikaiser 23.03.2013
So konsequent wie in diesem Artikel wurde die Maßeinheit kwh noch nirgens falsch genutzt. Eine Haushaltssteckdose ist auf max. 2.5 kw Leistung. begrenzt, sie kann aber im Laufe der zeit zausende von kwh Arbeit liefern. Im Artikel bitte alle Leistungsangaben korrigieren. Nur bei der Batteriekapazität stimmt kwh, sonst bitte alle angaben in kw.
5. hm,hm,hm
vipix 23.03.2013
ein richtiger Schritt. Detailarbeit hinkt hinterher, wie laden an der Steckdose. Wenn das zum Preis eines Dacuia kommt dann geht das als Stadtauto
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Fahrzeugschein
Hersteller: Renault
Typ: Zoe
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: automatisiertes Untersetzungsgetriebe
Antrieb: Front
Leistung (E-Motor): 88 PS (65 kW)
Drehmoment (E-Motor): 220 Nm
Von 0 auf 100: 13,5 s
Höchstgeschw.: 135 km/h
Kofferraum: 338 Liter
umgebaut: 1.225 Liter
Gewicht: 1.503 kg
Maße: 4085 / 1730 / 1562
Versicherung: 21 (HP) / 18 (TK) / 15 (VK)
Preis: 21.700 EUR
Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera

Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine


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