Autogramm SUV Rolls-Royce Cullinan Das ist die Krönung

Als letzter Luxushersteller bringt nun auch Rolls-Royce ein SUV auf den Markt. Mit mehr als 315.000 Euro ist es das teuerste seiner Art. Woher der Name Cullinan kommt? Die Queen weiß es.

Rolls-Royce

Der erste Eindruck: Märchenschloss auf Rädern. Der Cullinan wirkt mit seiner Länge von 5,34 Metern und den 22-Zoll-Rädern protzig und gewaltig.

Das sagt der Hersteller: Glaubt man Pressesprecher Richard Carter, dann hat sich Rolls-Royce mit der Entscheidung für ein SUV ziemlich schwergetan. Matsch und Modder wollten nicht so recht zum Glanz der Marke passen.

Mittlerweile sind die Zweifel ad acta gelegt, die Kunden, so Carter, wollten in der Freizeit nicht auf ihren Rolls-Royce verzichten. Deshalb werde der Cullinan eher früher als später zum meistverkauften Modell der Marke werden.

Das ist uns aufgefallen: Auch das erste SUV der Marke ist ein typischer Rolls-Royce mit all seinen Eigenheiten: über dem riesigen Grill schwebt die elektrisch versenkbare Kühlerfigur, die Türen sind gegenläufig angeschlagen, das Cockpit mutet trotz digitaler Anzeigen und Touchscreen-Navigation ein bisschen verstaubt an. Rolls-Royce setzt auch beim Cullinan auf liebevolle Details wie Orgelzüge für Lüfter und Rändelräder für die Klimasteuerung. Das SUV bietet viel Leder und hochwertigen Lack im Innenraum, Teppichböden, in denen man zu versinken droht und in den elektrisch bewegten Türen steckt natürlich der obligatorische Regenschirm.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Rolls-Royce Cullinan - mit unserem 360-Grad-Foto:

Am und im Heck ist dagegen vieles neu: Einen Kofferraum wie den des Cullinan hat es bei den Briten noch nie gegeben. Zum ersten Mal haben sie eine geteilte Heckklappe eingebaut und eine umklappbare Rückbank. 560 Liter fasst der Cullinan unter der Hutablage, klappt man die Rücksitze um, gehen bis zu 1930 Liter hinein. Wem das noch immer nicht reicht, der kann zum ersten Mal bei Rolls-Royce sogar eine Anhängerkupplung bestellen.

Neben solch profanen Extras gibt es ausgefallene Accessoires für den Kofferraum: Einen mehrere Tausend Euro teuren Picknick-Koffer zum Beispiel, oder sogenannte Recreation Modules - elektrische Schubladen mit maßgeschneiderten Einsätzen für Freizeitgerätschaften wie die Angel- oder Jagdausrüstung, Drohnen oder Kameras. Wie beim Range Rover fahren bei Bedarf auch noch zwei Klappsessel elektrisch aus, die etwa für den Logenplatz beim Pferderennen sorgen.

Auch beim Fahren bleibt der Cullinan dem Mythos der Marke treu: Die Briten haben dafür das Kunstwort "Waftability" geschaffen und sprechen von "effortless driving ", wenn sie die Mühelosigkeit beschreiben wollen, mit der ein Rolls-Royce unterwegs ist. Man spürt und hört nichts vom Antrieb, die Luftfederung bettet einen wie auf Wolken und selbst der Fahrtwind hat keine Chance gegen 100 Kilo zusätzliches Dämmmaterial und eine sechs Millimeter dicke Doppelverglasung. Dass hier ein 6,75 Liter großer V12-Motor mit 571 PS Höchstleistungen vollbringt, um ein knapp drei Tonnen schweres Auto voranzuwuchten, bleibt dem Fahrer weitgehend verborgen.

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Autogramm Rolls-Royce Cullinan: Stadt, Land Überfluss

Anders als bei den bisherigen Rolls-Royce-Modellen gelingt das diesmal auch auf der Buckelpiste. Es gibt ein Programm für Offroad und sechs Fahrprogramme für unterschiedliche Untergründe. Bei Bedarf hebt die Luftfederung den Brocken vier Zentimeter an. Der erste Allradantrieb in über 100 Jahren Rolls-Royce-Geschichte sorgt für so viel Traktion, dass man damit tatsächlich über eine Schotterstrecke, an den Strand, in die Wüste oder zum Winterchalet fahren kann.

Auf der einen Seite fühlt sich der Cullinan dabei ungeheuer leicht und agil an, weil die Elektronik die Lenkung sehr stark unterstützt. Zudem verkürzt die mitlenkende Hinterachse den Radstand virtuell, und der Wendekreis verkleinert sich. In den Kurven oder beim Bremsen kann der Koloss seine Kilos nicht verhehlen. Für sportlich orientierte Adlige wäre einer der Konkurrenten des Rolls-Royce, der Bentley Bentayga, deshalb das deutlich bessere Auto.

Das muss man wissen: Rolls-Royce hat mehr als fünf Jahre am Cullinan gearbeitet, zum Jahresende ist es dann so weit: Dann werden die ersten Autos, die nicht auf einem X-Modell der Konzernmutter BMW basieren, sondern sich eine extrem flexible Aluminium-Architektur mit dem neuen Phantom teilen, an die Kunden ausgeliefert. Die Preise starten bei 315.000 Euro. "Zum Grundpreis verlässt bei uns kaum ein Auto die Fabrik", sagt einer aus dem Cullinan-Team und taxiert den durchschnittlichen Rolls-Royce-Geländewagen auf mindestens 400.000 Euro. Zu den wichtigsten Optionen zählt dabei eine alternative Rückbank: Wo es standardmäßig drei Plätze gibt, bauen die Briten für bescheidene 20.000 Euro eine Luxusrückbank mit zwei klimatisierten und massagetauglichen Loungesesseln ein, zwischen denen eine kleine Bar montiert wird. Damit sich das Klima im Wagen nicht ändert, wenn ein dienstbarer Geist den Kofferraum öffnet, gibt es dann hinter den Sitzen auch noch eine feste Trennscheibe.

Alle Cullinan fahren mit V12-Motor, Luftfederung, Allradantrieb und Achtgang-Automatik. Obwohl der Koloss schon auf dem Prüfstand sündige 15 Liter verbraucht, ist eine andere Motorvariante für die Briten kein Thema. Zwar wollen sie in der Mitte der nächsten Dekade ihr erstes Elektroauto bringen. Doch den Cullinan über einen Plug-in-Hybrid wenigstens ein bisschen sozial verträglicher zu machen, schließen sie fürs Erste aus. "Wenn wir nicht etwa durch Fahrverbote in bestimmten Städten dazu gezwungen werden, ist das für uns kein Thema", sagt Projektleiterin Heike Caroline Krismer.

Seinen Namen hat der Cullinan übrigens vom größten Rohdiamanten, der je gefunden wurde. Er wurde 1905 in Südafrika entdeckt, und wurde dem König von England zum Geschenk gemacht. Die beiden größten Stücke des zerschlagenen Cullinan zieren das Zepter und die Krone von Queen Elizabeth.

Das werden wir nicht vergessen: Die Schlammspritzer auf dem Lack und die vielen kleinen Steinchen, die sich nach der Fahrt im flauschigen Teppich des Cullinan gesammelt haben. Bei jedem anderen Rolls-Royce hätten die Mechaniker einen Herzinfarkt bekommen, doch beim Cullinan schwillt ihnen vor Stolz die Brust: Endlich darf ein Rolls-Royce auch mal ein bisschen im Dreck wühlen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Rolls-Royce
Typ: Cullinan
Karosserie: SUV
Motor: 12-Zylinder-Turbo-Direkteinspritzer
Getriebe: 8-Gang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 6.750 ccm
Leistung: 571 PS (420 kW)
Von 0 auf 100: 5,2 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 15,0 Liter
CO2-Ausstoß: 341 g/km
Kraftstoff: Benzin
Kofferraum: 560 Liter
umgebaut: 1.930 Liter
Gewicht: 2.660 kg
Maße: 5341/2000/1835
Preis: 315.350 EUR


insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
zehwa 09.10.2018
1. Überflüssig
War nicht gestern noch das Weltklima das große Thema? Mir ist klar, dass die paar Rolls Royce keinen großen Unterschied machen, aber wäre es nicht an der Zeit, solche Autos extra zu besteuern?
achim21129 09.10.2018
2. War da ...
... nicht ein aktueller UNO Klimabericht?! Egal, das war gestern.
AGCH 09.10.2018
3.
Es gab auch mal elegante Rolls Royce. Gross zwar, trotzdem elegant; ist aber lange her. Schade.
Charlie Whiting 09.10.2018
4. Wenn jemand
klotzen darf dann ist es RR. Allerdings wirkt die Karosserie etwas sehr kantig wie die britischen Kollegen vor 20 Jahren. Aber ich denke wenn man erstmal drin sitzt....
c.PAF 09.10.2018
5.
Zitat von zehwaWar nicht gestern noch das Weltklima das große Thema? Mir ist klar, dass die paar Rolls Royce keinen großen Unterschied machen, aber wäre es nicht an der Zeit, solche Autos extra zu besteuern?
Wer sich so eine Kiste leisten kann, wird trotzdem keine 15.000km pro Jahr fahren. Und das Auto wird in so homöopathischen Dosen verkauft werden, daß sich das wirklich nicht auswirkt. Und für die paar Fahrzeuge eine eigene KFZ-Steuer? Die Eigentümer lachen darüber, die zahlen vermutlich ein x-faches an normalen Steuern, sodaß diese garnicht ins Gewicht fallen wird.
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