Rolls-Royce Ghost Resturlaub für den Chauffeur

Das Thema Downsizing ist in der Luxusklasse angekommen. Rolls-Royce bringt jetzt für 250.000 Euro das Modell Ghost an den Start, den aktuell kleinsten Wagen im Angebot der britischen Nobelmarke. Trotzdem sind Leistung und Verbrauch noch immer enorm.


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Rolls-Royce Ghost: Millionär für jeden Tag
Jamie ist irritiert. Der Hotelpage postierte sich, sobald ein Rolls-Royce aufkreuzte, bislang hinten rechts, um die Tür für den hochkarätigen Gast zu öffnen. Beim neuen Rolls-Royce Ghost muss er vermutlich rasch nach vorne links kommen. Denn dieses Auto fährt der Chef jetzt wieder selbst. Der Luxusliner, dessen Auslieferung in diesen Tagen beginnt, ist eine Antwort auf die aktuelle Stimmungslage: Konzernvorstände, Finanz- und Hochadel können mit dem Auto einen vergleichsweise bewussten Umgang mit Reichtum demonstrieren. Und zum Beispiel auf einen Chauffeur verzichten.

Denn gegenüber dem großen Rolls-Royce-Modell Phantom ist der 5,40 Meter lange Ghost rund einen halben Meter kürzer und, wegen des etwas geschmeidigeren Designs, auch nicht mehr ganz so protzig und wuchtig. Andererseits beherrscht auch der kleine Rolls mit dem klassischen Kühlergrill und gegenläufig öffnenden Türen durchaus den großen Auftritt. Und dies zu einem bislang unerreichten Kurs, denn der Ghost kostet rund 140.000 Euro weniger als der Phantom.

Rolls-Royce sieht den Ghost durchaus als Alltagsauto für Selbstfahrer. "Sportliche Limousinen gibt es in diesem Segment schon genug", sagt Entwickler Mark Mühlhausen, "unsere Domäne ist und bleibt ein unerreichter Komfort." Unaufgeregt und scheinbar völlig mühelos gleitet der Ghost über Autobahnen und Landstraßen, während die Luftfederung Fahrbahnunebenheiten ausbügelt und eine Rollstabilisierung ungehörige Karosseriebewegungen verhindert.

Die schiere Größe des Wagens täuscht, der Ghost ein überraschend agiles Auto. Außerdem entwickelt der neue V12-Benzin-Direkteinspritzer 110 PS mehr Leistung als die Maschine im schwereren Phantom. Die 570 PS des Ghost jedenfalls treiben den 2,5-Tonner vehement voran.

Auch das noch: Ein Rolls-Royce in der Hütchengasse

Auch vor engen Kurven muss man am griffigen geformten Steuer des Ghost keine Sorge haben. Das Auto ist keineswegs unhandlich, sondern lässt sich prima dirigieren. Um das zu demonstrieren, hat Rolls-Royce bei der Fahrvorstellung des neuen Modells sogar einen Handling-Parcours aufgebaut. Zunächst wirkt ein Auto dieses Kalibers deplatziert in einer Hütchengasse, doch dann absolviert der Ghost den Slalom so souverän, dass man durchaus Gefallen daran findet, den Zweieinhalbtonner Haken schlagen zu lassen.

Überraschend ist das nicht, denn unter dem Blech steckt die Technik des Flaggschiffs der Konzernmutter BMW, des BMW 7ers. Die Bemerkung der Ghost sei möglicherweise ein "BMW 7er im Smoking", weisen die Rolls-Royce-Leute weit von sich. "Wir haben bei der Entwicklung des Autos nicht einfach einen 7er aufgerüstet", sagt Mühlhausen, "sondern wir haben auf einem weißen Blatt das Auto definiert und dann geschaut, welche Teile aus München dazu passen würden." Und so unterscheiden sich beide Autos beim Hubraum des Motors, beim Radstand, bei der Größe der Räder und auch bei Cockpitanzeigen und Bedienschaltern. "Es gibt nicht einmal 20 Prozent Gleichteile", sagt Mühlhausen.

Wurzelholz, Kirschbaumfurnier und auf Wunsch auch Leder in pink

Atmosphärisch unterscheiden sich die beiden Modelle ohnehin wie Tag und Nacht. Der Rolls-Royce hüllt den Fahrer in Komfort und Behaglichkeit ein. Autofahren wird von diesem Wagen nicht als sportliche Herausforderung interpretiert, sondern als Genuss in Bewegung. Das Ambiente fügt Tradition wie Wurzelholzvertäfelungen oder die wie Orgelzüge gestalteten Hebel der Klimasteuerung und Moderne stilsicher zusammen. Eingerahmt von Leder, Holz und Kristallglas sitzt zum Beispiel der Monitor des Bordcomputers im der Mittelkonsole des Autos. Und wer das Leder in pink oder Karbon statt Kirschbaumfurnier wünscht, wird natürlich auch prompt bedient.

Der neue Rolls-Royce Ghost wird zwar - anders als das Modell Phantom - als Auto für Selbstfahrer angepriesen, doch natürlich kann sich der Fond sehen lassen. Entwickler Mühlhausen sagt es so: "In einem Rolls-Royce gibt es keinen schlechten Platz." Wer im Ghost hinten einsteigt, findet sich auf einer Art Ledersofa mit weichen Schulterpolstern wieder, während flauschiger Teppich die Schuhe umschmeichelt. Es gibt Klapptische mit eingebauter Laptop-Halterung, Videobildschirme mit Infrarot-Kopfhören und einen Spiegel in der B-Säule, in dem man noch einmal den Knoten der Krawatte oder den Sitz des Colliers kontrollieren kann, ehe man aussteigt. Hauptsache, der Portier steht dann an der richtigen Tür.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Tertinator, 23.02.2010
1. trifft nicht mein Geschmack
Bevor die Ersten anfangen, über den Spritverbrauch zu streiten; Dieses Auto kostet 250.000 Euro - es werden also wenige das Auto fahren ;) Mir persönlich gefällt das Auto optisch überhaupt nicht. ich kann keinen Stil entdecken, die Front hat eckige Elemente, aber doch eine runde Form. Eine Säule zwischen Vorder- und Hintertür darf es in dieser Preisklasse nicht mehr geben. Die Türen hinten müssten weiter hinten angeschlagen werden, damit auch der dickste Hintern komfortabel voirbeikommt. Der Schirm in der Türe ist eine nette Idee. Ich finde es gut, dass Luxusautos gebaut werden, aber wenn der Hersteller so viel Geld dafür bekommt, erwarte ich nicht nur Luxus, sondern auch Innovation.
relies 23.02.2010
2. Toll...
...Autos, die die Welt nicht braucht!
diekutte 23.02.2010
3. .
Zitat von relies...Autos, die die Welt nicht braucht!
Und wer sagt das? Womit ist die Aussage begründet?
Tertinator, 23.02.2010
4. sehe ich anders
Zitat von relies...Autos, die die Welt nicht braucht!
Das sehe ich anders. Luxusautos bzw. die Premiummarken sich prima dazu geeignet, neue Erfindungen zu etablieren – Erfindungen, die irgendwann auch im Kleinwagensegment Einzug halten. Zugegeben, dieser neue RR lässt diese vermissen, aber irgendwo wird dafür schon ein Markt sein ^^
plasmopompas 23.02.2010
5. Sparen!
Zitat von TertinatorBevor die Ersten anfangen, über den Spritverbrauch zu streiten; Dieses Auto kostet 250.000 Euro - es werden also wenige das Auto fahren ;) Mir persönlich gefällt das Auto optisch überhaupt nicht. ich kann keinen Stil entdecken, die Front hat eckige Elemente, aber doch eine runde Form. Eine Säule zwischen Vorder- und Hintertür darf es in dieser Preisklasse nicht mehr geben. Die Türen hinten müssten weiter hinten angeschlagen werden, damit auch der dickste Hintern komfortabel voirbeikommt. Der Schirm in der Türe ist eine nette Idee. Ich finde es gut, dass Luxusautos gebaut werden, aber wenn der Hersteller so viel Geld dafür bekommt, erwarte ich nicht nur Luxus, sondern auch Innovation.
Also ich tanke in meinen Rolls jetzt immer Diesel, das spart!
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