Seat Ateca 1.0 TSI Hat der was?

Als einer der letzten Hersteller hat nun auch die spanische VW-Konzernmarke Seat ein kompaktes SUV im Angebot: Der Ateca ist eng verwandt mit einer beliebten Geländelimousine - grenzt sich jedoch gekonnt ab.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Tiefgaragen können deprimierende Orte sein. Düster und eng, feuchtkalt und schadstoffhaltig. Trotzdem ist eine Tiefgarage ideal für den Erstkontakt mit einem Seat Ateca. Denn hier sieht man, was einem oberirdisch bei Tageslicht entgehen würde: Die Projektion von Silhouette und Namenszug des Autos auf dem Boden vor den Vordertüren. Eine Spielerei, gewiss, aber auch ein Zeichen von Selbstbewusstsein und ein Ausdruck von Abgrenzung. Das nahezu baugleiche SUV-Modell Tiguan von VW hat so eine Lichtinszenierung nämlich nicht zu bieten - nicht einmal gegen Aufpreis.

Der Ateca strahlt das Bemühen, sich vom meistverkauften Konzern-SUV Tiguan abzusetzen, im wahrsten Sinne des Wortes aus, noch ehe man im Auto sitzt. Drinnen geht es dann weiter: Wohlgeordnet präsentieren sich Armaturentafel und Mittelkonsole, in der es sogar ein passendes Ablagefach für den Autoschlüssel gibt, denn angelassen wird der Motor per Startknopf. Und auch der zieht eine kleine Show ab, denn er leuchtet im Rhythmus von Pulsschlägen rot auf.

Die symbolische Vitalität, die der Seat Ateca noch vor Beginn jeder Fahrt vermittelt, passt zur aktuellen Situation der Marke. Es ist noch nicht lange her, da krebste der spanische Hersteller im unteren Drittel der Konzernhierarchie herum, und es gab sogar Gerüchte, Seat solle verkauft werden. Davon ist keine Rede mehr. Im vergangenen Jahr erzielte Seat einen neuen Absatzrekord (408.700 Fahrzeuge weltweit), und zwar noch weitgehend ohne ein SUV-Modell. Der Ateca kam nämlich erst im Sommer 2016 auf den Markt.

Seither kurbelt das Auto die Seat-Verkaufsmaschinerie weiter an. Dabei kommt dem Ateca zugute, dass er in vielerlei Hinsicht identisch ist mit dem VW Tiguan, denn der ist das meistverkaufte SUV hierzulande, trifft also offenkundig den Geschmack vieler Kunden. Tatsächlich scheinen Kompakt-SUVs sich zur neuen Standardform des Automobils zu entwickeln: voll familientauglich, gut zu handhaben und optisch in sicherem Fahrwasser.

So ein Auto ist auch der Seat Ateca. Ein Typ für jede Gelegenheit im Rahmen des bürgerlichen Mobilitätsverhaltens. Abmessungen, Ausstattung, Fahrverhalten - da geben sich Ateca und Tiguan fast nichts. Wie auch? Schließlich basieren beide Autos auf dem modularen Querbaukasten (MQB) des VW-Konzerns.

Für den Ateca gibt es auch einen Dreizylinder-Motor

Das ist die grobe Einordnung. Sieht man genauer hin, gibt es natürlich doch Unterschiede. Zum Beispiel bei den Motoren. Wir fuhren das Ateca-Einstiegsmodell "Ecomotive" mit Dreizylinder-Turbobenziner, einem Liter Hubraum und 115 PS Leistung. Die Maschine wird im Tiguan gar nicht erst angeboten, dort beginnt die Motorenpalette mit einem 1,4-Liter-Turbobenziner mit 125 PS; und die Preisliste bei 26.575 Euro. Der billigste Ateca hingegen, eben jenes Dreizylinder-Ecomotive-Modell, kostet 19.990 Euro.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Seat Ateca - mit unserem 360-Grad-Foto:

Empfehlenswert ist diese Motorisierung allerdings nur für Menschen mit überwiegend meditativen Fahrverhalten. Zumindest mit vier Insassen und etwas Gepäck an Bord wird der Ateca Ecomotive zu einem betulichen Auto, das eine vorausschauende Fahrweise und fleißiges Hantieren am Schalthebel des Sechsganggetriebes erfordert, um flüssig voranzukommen. Wobei das Fahrgefühl an sich prima ist: Die Schaltwege sind kurz, die Lenkung ist direkt, der Federkomfort ohne besondere Auffälligkeiten. Nur eben bergauf mal kurz einen Trecker überholen, das erledigen stärkere Autos logischerweise beiläufiger.

Das alles wäre nicht weiter erwähnenswert, würde der Dreizylinder die 5,2 Liter Durchschnittsverbrauch erreichen, die Seat als Normwert angibt, oder wenigstens in die Nähe dieser Angabe kommen. Tatsächlich jedoch schluckte unser Testwagen im Schnitt 7,2 Liter. Irgendwo in diesem Bereich dürfte sich auch der Verbrauch des nächst stärkeren Benziners einpendeln, des 1,4-Liter-Vierzylinders mit 150 PS. Der Vorteil der Ecomotive-Variante erschließt sich daher nicht (vom Kaufpreis mal abgesehen).

Warum ist die Mittelkonsole so breit?

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Seat Ateca 1.0 TSI: Eben kein Tiguan

Auffällig am Ateca ist das - angesichts einer Außenlänge von 4,36 Meter - sehr ordentliche Platzangebot. Das gilt insbesondere für den Fond, und es gilt für den Kofferraum, dessen Volumen je nach Stellung der Rücksitzlehnen, die sich per Handgriff fernentriegeln und umklappen lassen, von 510 bis 1604 Liter beträgt (VW Tiguan: 615 bis 1655 Liter). Auch auf den vorderen Plätzen sitzt man gut, doch es wäre noch angenehmer, hätten die Entwickler die Mittelkonsole etwas schmaler geschnitten. Das Ding ist ein ziemlicher Klops, und man weiß nicht so genau, warum. Dafür ist die Armaturentafel flach gebaut, was den Ausblick verbessert und damit das Raumgefühl.

Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Ateca Style 1.0 TSI Ecomotive
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 115 PS (85 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 10,5 s
Höchstgeschw.: 183 km/h
Verbrauch (ECE): 5,2 Liter
CO2-Ausstoß: 119 g/km
Kofferraum: 510 Liter
umgebaut: 1.604 Liter
Gewicht: 1.280 kg
Maße: 4363 / 1841 / 1601
Preis: 23.010 EUR

Dass der Ateca beim Ladevolumen gegenüber dem Tiguan den Kürzeren zieht, liegt daran, dass er auch rund zwölf Zentimeter kürzer ist als der VW. Zugleich ist der Seat flacher, was die Karosserie gedrungener und kraftvoller wirken lässt. Dazu kommen die für das Seat-Design typischen, wie frisch aufgebügelt wirkenden Falten im Blech, die den Auftritt prägnant und zackig machen. Der Ateca wirkt aus jeder Perspektive hellwach und wie frisch geduscht.

Das gilt auch für die Ausstattung. Im Prinzip lässt sich alles in den Ateca installieren, was die Konzernregale hergeben. Ein Smartphone-Ablagefach mit kabelloser Lademöglichkeit (Aufpreis 210 Euro) zum Beispiel, eine elektrische Heckklappe die sich per angedeutetem Fußtritt unters Heck öffnet oder schließt (715 Euro) oder elektronische Systeme wie Spurhalte-Assistent, Toter-Winkel-Warner, Auspark-Assistent oder Fernlichtautomatik sowie eine Umfeldbeobachtung inklusive Notbremsfunktion.

Natürlich treibt all das den Preis nach oben. Unser Testauto beispielsweise war zwar bescheiden motorisiert, dafür aber umso üppiger mit Extras bestückt, so dass der Endpreis bei 32.430 Euro lag. Kann man machen, aber einen ausreichend ausstaffierten Ateca bekäme man auch weitaus günstiger. Und zwar inklusive Einsteige-Lichtshow, denn die ist serienmäßig.

Anm.: Durch einen technischen Fehler war in einer vorherigen Version des Fahrzeugscheins der Preis des Seat mit 23 Euro ausgewiesen. Der richtige Preis für das Modell beträgt 23.010 Euro.

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
bausa 05.08.2017
1. Muss das sein?
Zweifellos ein schönes SUV.In Zeiten von Dieselgate und zunehmender Schadstoffbelastung der Luft völlig überflüssig.
Leonbeck 05.08.2017
2. Ganz nett, ...
... aber doch zu beliebig. Da könnte auch Skoda oder VW draufstehen und man würde sich nicht wundern. So bleibt - als Mutter aller Kompakt-SUVs - der gleich lange Range Rover Evoque unerreicht.
chrismuc2011 05.08.2017
3.
Den kaufe ich sofort. Mit 23.- Euro ein Schnäppchen!
thequickeningishappening 05.08.2017
4. Der Alpenschreck
1Liter Hubraum im SUV ? Wurde Der auch im Gebirge getestet?
Plasmabruzzler 05.08.2017
5.
Bei der Angabe "Bezindirekteinspritzer-Turbo" kommt mir sofort die Abgas-Debatte in den Sinn. Da gab es mal einen Artikel bei Focus im letzten Jahr, der u. a. folgende Kritikpunkte nannte: Nach dem Diesel-Problem rücken jetzt Benzindirekteinspritzer in den Fokus der Umweltschützer. Im Realbetrieb sind deren Partikel-Emissionen in bestimmten Situationen viermal so hoch wie erlaubt. Französische Hersteller preschen vor und bauen die Filter ein. Immer mehr Fahrzeuge benötigen zum Sprit sparen eine Benzindirekteinspritzung Neben CO2- und Stickoxidemissionen sind eher Rußpartikel das Problem In bestimmten Situationen emittieren Direkteinspritzer viel mehr Partikel als erlaubt Industrie arbeitet an Filter-Lösungen und neuen Katalysatoren Peugeot und Citroën planen laut Bericht den ersten Serieneinsatz von Benzinpartikelfiltern noch 2016 Na hoffentlich hat Seat daran gedacht bzw. die Käufer nehmen das Risiko in Kauf, evtl. bald ein Auto zu haben, welchem Fahrverbote drohen.
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