Seat IBE: Zutritt nur auf weißen Sohlen

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Auf der Messe in Paris zeigt Seat die Elektroauto-Studie IBE. Prototypen dieser Art werden von vielen Herstellern gezeigt - mit jenem von Seat aber war SPIEGEL ONLINE bereits vor der Messe unterwegs. Wichtige Bedingung für die Testfahrt waren Schuhe mit weißen Sohlen.

Seat IBE: Immer schön sauber bleiben Fotos
Frank Nowak

Optische Offenbarungen sind die Elektroautos, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen, ganz sicher nicht. Das gilt gleichermaßen für Mitsubishi iMiEV, Citroën C-Zero, Peugeot iOn oder Renault Rapide Kangoo ZE. Santi Castellà Daga, Entwicklungsleiter für elektrische Mobilität bei der spanischen VW-Tochter Seat, hält genau das für eine Chance. Denn Seat hat einen kompakten Zweitürer namens IBE entwickelt, der elektrisch angetrieben wird und überaus rassig aussieht. Das 3,83 Meter lange Modell sei ein Elektroauto der "zweiten Generation" sagt Daga.

Bereits im Frühjahr stellte Seat das Auto erstmals vor, für den Autosalon in Paris wurde es außen und vor allem innen gründlich weiterentwickelt - und es fährt nun auch. SPIEGEL ONLINE saß bereits hinterm Steuer, musste allerdings ein paar Regeln beachten. Weil die neue Studie makellos auf der Messe in Frankreich erscheinen sollte, waren bei den ersten Testrunden in den Tagen davor nicht nur die Sitze mit Schutzhüllen bezogen. Sondern ins Auto durfte auch nur mit nagelneuen Schuhen eingestiegen werden - und zwar solchen mit abriebfesten weißen Sohlen.

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Pariser Autosalon: Glamour, Girls und Geschwindigkeit
Schon auf den ersten Meter machte der spanische Stromer so viel Eindruck wie alle Elektroautos: Er schnurrte schneller davon als die meisten Sportwagen. 102 PS und maximal 200 Nm Drehmoment bei 1100 Kilogramm Gewicht klingen zwar eher schwachbrüstig, doch nach 3,6 Sekunden Tempo 50 erreicht. Anschließend nimmt der Elan zwar ab, doch 9,7 Sekunden bis Tempo 100 sind auch noch flott. Und auch die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h kann sich für ein Elektroauto sehen lassen. Seat spricht von einer Reichweite von 130 Kilometern, danach muss der Wagen allerdings etliche Stunden an die Steckdose.

Gebaut wurde der IBE in der technischen Entwicklung in Martorell. Beteiligt war nicht nur die zehnköpfige Elektroauto-Task-Force von Señor Daga, sondern auch "Antriebs- oder Elektronikspezialisten aus der normalen Entwicklung", wie er sagt. Woher die Komponenten genau stammen, bleibt Betriebsgeheimnis. Nur so viel wird verraten: Der Elektromotor stamme aus dem Konzernregal und die Lithium-Ionen-Akkus kämen von einem europäischen Hersteller.

In Spanien wird der Elektroautokauf bezuschusst

Seat arbeitet am IBE nicht nur, weil Elektroautos bei Designern und Entwicklern gerade zum guten Ton gehören, sondern vor allem deshalb, weil Strom als Antriebsenergie in Spanien ein großes Thema ist. Anders als in Deutschland gibt es dort ein breit aufgestelltes Förderprogramm. "Von den 500 Millionen Euro Beihilfen des Staates profitieren Universitäten, Stromkonzerne, Zulieferer und Seat - sowie die Käufer", sagt Daga. Im Schnitt werde jedes Elektroauto mit 6000 Euro bezuschusst.

Bis auch Seat-Kunden die Beihilfe beantragen können, werden allerdings noch Jahre vergehen. Daga: "Das ist ein reines Forschungsauto." Zumindest die äußere Form jedoch habe eine Zukunft, sagt Designer Amin Sadek. Mit etwas Phantasie kann man in der Studie IBE schon die Skizze für das kommenden Kompaktmodell Leon erkennen, das 2012 an den Start geht.

Hoffentlich können die Designer für das Serienmodell auch etwas aus dem Innenleben retten: Details wie das neue Cockpit, die Sensorfelder am Lenkrad, mit denen man durch die Menüs streicht wie auf einem Computer-Touchpad oder die spindeldürre Mittelkonsole, die wie ein Rückgrat durchs Fahrzeug wächst, sind viel zu gut gelungen, um im Werksmuseum zu enden.

Die großen Elektropläne schrumpfen drastisch

Auch wenn der IBE ein Einzelstück bleibt, steht Seat durchaus unter Strom. In diesen Wochen werden die ersten Modelle des Kompaktwagens Leon mit Plug-In-Hybrid-Technik ausgeliefert. Zwar steckt unter der Haube immer noch ein Verbrenner, doch fahren die Versuchsträger mit einer Akkuladung wenigstens 50 Kilometer elektrisch. Vorerst wurde eine Testflotte von zehn Fahrzeugen gebaut, die bei Behörden in Madrid und Barcelona eingesetzt werden. Die Serienfertigung indes wird erst 2014 beginnen.

Das wird also nicht reichen, um die großspurigen Ankündigungen der Regierung zu erfüllen. "Bis 2014 sollten eine Million Elektroautos auf den Straßen sein", fasst Daga die politische Wunschvorstellung zusammen. Mittlerweile sei in der offiziellen Sprachregelung allerdings nur noch von 250.000 Autos die Rede. Daga: "Schon das könnte schwierig werden."

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insgesamt 5 Beiträge
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1. 160 Kilometer
sgift 11.10.2010
Und 160 Kilometer sind immernoch wenig. Fuer ein reines Stadtauto gerade noch in Ordnung, aber dann bleibt ja immernoch das Problem wo man es laden soll (nicht jeder hat eine eigene Garage). Schade eigentlich, aber solange sich da nichts tut ... ;( p.s.: Der Artikel hat bemerkenswert wenig ueber das Auto selbst gesagt abgesehen davon wie schnell man bei 50 bzw. 100 ist. Wie weit durften denn die Tester damit fahren? Und gabs einen vorlaeufigen Maulkorb oder wieso so detailarm?
2. Was für eine Kopie
Ninjone 11.10.2010
Dieses Auto ist ja die Kopie vom Alfa Romeo Brera. Haben die den Alfa Romeo Designer gekauft??
3. Oder-Werte
ich_bins 11.10.2010
---Zitat--- Anschließend nimmt der Elan zwar ab, doch 9,7 Sekunden bis Tempo 100 sind auch noch flott. Und auch die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h kann sich für ein Elektroauto sehen lassen. Seat spricht von einer Reichweite von 130 Kilometern, ... ---Zitatende--- Das sind doch wohl wieder die typischen Oder-Werte. Entweder ich fahre 160 km/h oder ich komme 130 km weit. Wie weit kommt das Auto, wenn ich auch noch das Licht und das Radio einschalte (und im Winter die Heizung)? Von den 130 km werden dann wohl noch 50 km übrigbleiben. Eine gut unterrichtetee Quelle bestätigte mir, dass von allen genannten Reichweiten in der Praxis etwa 40%, im günstigsten Fall 50% übrig bleiben.
4. Nicht ganz...
Filter 11.10.2010
Zitat von NinjoneDieses Auto ist ja die Kopie vom Alfa Romeo Brera. Haben die den Alfa Romeo Designer gekauft??
... denn das ist schlechterdings nicht möglich, da der Alfa Romeo Brera vom markenunabhängigen Giorgetto Giugiaro designt wurde. Der ist allerdings für das Design diverser Modelle von Alfa Romeo und Seat verantwortlich gewesen (und u.a. für das des Golf 1). Derzeitiger Seat-Chefdesigner und für den IBE verantwortlich ist Luc Donckerwolke. Der kam vor 5 Jahren von Lamborghini zu Seat. Sein Vorgänger war wiederum Walter de’Silva und der kam direkt von Alfa Romeo. Die Ähnlichkeiten zwischen den u.a. vom ihm designten Alfa Romeo 147 und Seat Leon 2 sind denn auch nicht zu leugnen. Bin mir nicht mehr sicher, welche Strategie der VW-Konzern inzwischen mit Seat fährt. Ursprünglich als Billigheimer geplant, wurde die Marke nach dem Einkauf von Skoda eine zeitlang jedenfalls direkt gegen Alfa Romeo als sportlicher Südeuropäer positioniert. Alfa aber war nie ein Gegner, weder vom uneinholbaren Image noch bei der Klientel.
5. Seat; Aschenputtel des VW-Konzerns... ;(
glücklicher südtiroler 11.10.2010
Zitat von Filter... denn das ist schlechterdings nicht möglich, da der Alfa Romeo Brera vom markenunabhängigen Giorgetto Giugiaro designt wurde. Der ist allerdings für das Design diverser Modelle von Alfa Romeo und Seat verantwortlich gewesen (und u.a. für das des Golf 1). Derzeitiger Seat-Chefdesigner und für den IBE verantwortlich ist Luc Donckerwolke. Der kam vor 5 Jahren von Lamborghini zu Seat. Sein Vorgänger war wiederum Walter de’Silva und der kam direkt von Alfa Romeo. Die Ähnlichkeiten zwischen den u.a. vom ihm designten Alfa Romeo 147 und Seat Leon 2 sind denn auch nicht zu leugnen. Bin mir nicht mehr sicher, welche Strategie der VW-Konzern inzwischen mit Seat fährt. Ursprünglich als Billigheimer geplant, wurde die Marke nach dem Einkauf von Skoda eine zeitlang jedenfalls direkt gegen Alfa Romeo als sportlicher Südeuropäer positioniert. Alfa aber war nie ein Gegner, weder vom uneinholbaren Image noch bei der Klientel.
Interessanter Beitrag... Die Strategie ist wohl eher, daß man so wenig Geld wie nur irgend möglich ausgeben will... Mir scheint als wollten die Verantwortlichen in Wolfsburg mit aller Macht eine Marke zerstören. Seat wird immer mehr zur reinen Badgemarke, wo entweder wie im Fall Neuer Alhambra... http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,717142,00.html ...einfach eine andere Marke angeheftet wird, oder wie beim Exeo ein Recycling der alten Pressen vom Audi A4 stattfindet. Armes Schicksal einer Marke, die in Spanien nie eine echte Chance hatte und heute ein im eigenen Land extrem schwieriges Umfeld hat. Ibiza und Leon basieren auch auf Polo bzw. Golf; haben aber bei gleicher Technik eine andere Ausstrahlung und ein eigenständiges; meiner bescheidenen Ansicht nach auch ein schöneres Design als die niedersächsischen Schwestern... ... Die amerikanischen Marken sind mit der gleichen Strategie in große Schwierigkeiten geraten und mußten im Laufe der Krise des US-Markts mehrere Marken einmotten... Erleben wir live das Siechtum und langsame Verschwinden einer Marke, zumal Seat die wohl schwächste Marke des Konzerns ist...? Spanisches Sorgenkind "Den größten Zuwachs erzielte die Marke VW-Pkw mit plus 29 Prozent, dicht gefolgt von Audi mit plus 28,7 Prozent. Die tschechische Marke Skoda steigerte die Auslieferungen um ein Drittel, ihre spanische Schwester Seat legte um 18,9 Prozent zu. Dennoch bleibt Seat unter den vielen einzelnen Marken das größte Sorgenkind des Konzerns. Seat rutschte 2009 tiefer in die roten Zahlen und verzeichnete einen Verlust in Höhe von 339 Millionen Euro, nach einem Verlust von 78 Millionen im Vorjahr. Seat habe unter den massiven Auswirkungen der Krise besonders im Kernmarkt Spanien gelitten, so der Vorstand. Die Substanz bei Seat aber stimme." http://www.deraktionaer.de/xist4c/web/Volkswagen--Absatz--Umsatz-und-Gewinn-rauf-fuer-2010_id_43__dId_11666979_.htm Hoffe es setzt sich bzgl. Seat in Zukunft wieder eine eigenständigere Markenpolitik durch; sonst... Marken kommen, Marken verschwinden... Viele Grüße aus Südtirol...
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