Autogramm Seat Ibiza Vorsprung durch Frechheit

Seat war lange das Sorgenkind des VW-Konzerns. Inzwischen hat sich die spanische Marke berappelt. Der neue Ibiza darf deshalb mit Features auftrumpfen, die noch nicht mal der VW Polo hat.

Seat

Der erste Eindruck: Ein Hochkaräter - die Karosserie ist so kantig wie ein Edelstein vom Juwelier.

Das sagt der Hersteller: Für Seat-Markenchef Luca de Meo ist der Ibiza aus drei Gründen wichtig: Erstens, weil die spanische VW-Tochter von der Baureihe in gut 30 Jahren mehr als fünf Millionen Exemplare verkauft hat - der Wagen ist ein Bestseller. Zweitens, weil er die Basis bildet, auf der ab Herbst ein komplett neues Mini-SUV von Seat lanciert wird. Drittens ist das Auto ein Vertrauensbeweis der VW-Konzernspitze: Als erste Marke im VW-Reich überhaupt dürfen die Spanier für den Ibiza die neue Plattform MQB A0 nutzen. Später wird auf dieser Grundlage auch der VW Polo oder der Audi A1 debütieren.

Das ist uns aufgefallen: Der neue Ibiza vereint widersprüchliche Eigenschaften. Während er außen schnittiger aussieht, als man es einem VW Polo je zutrauen würde, ist er innen mindestens genauso seriös wie der Konzernzwilling aus Wolfsburg. Er ist nicht einen Zentimeter länger geworden, aber auf gewisse Weise dennoch dem Segment der Kleinwagen entwachsen.

Tom Grünweg

Das liegt an dem um knapp zehn Zentimeter gestreckten Radstand und den beinahe neun Zentimeter mehr Breite. Die Illusion, in einem viel größeren Auto zu sitzen, wird unterstützt vom Ambiente, das man so eher aus der Kompaktklasse kennt: Die Chromfassung des Startknopfes auf der Mittelkonsole oder des Lichtschalters neben dem Lenkrad zeugen von Liebe zum Detail. Auch die Ausstattung wirkt wie aus dem teureren Segment entliehen: Assistenzsysteme wie der Tempomat mit Abstandsregelung oder eine Umfelderkennung findet man bei den Kleinen eher selten.

Ansprechend ist auch das Fahrerlebnis. Das liegt weniger an den überflüssigen, weil im Alltag kaum zu unterscheidenden Profilen der Drive-Select-Regelung, als an der Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung. Auf kurvigen Landstraße gibt er den schneidigen Gesellen, er ist gut ausbalanciert und die Motoren hängen gut am Gas.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Seat Ibiza - mit unserem 360-Grad-Foto:

Auf der Autobahn dagegen zeigt der Ibiza seine andere Seite. Weil der längere Radstand und die breitere Spur den Aufbau spürbar beruhigen, vermittelt der Ibiza hier einen so gelassenen Eindruck, dass lange Strecken ihren Schrecken verlieren. Gleichzeitig ist und bleibt der Ibiza ein Stadtauto, der sich im City-Verkehr besonders wendig und übersichtlich zeigt.

Das muss man wissen: Die innere Größe verdankt der neue Ibiza dem modularen Querbaukasten (MQB) A0, den der VW-Konzern für die Kleinwagen unterhalb von Golf & Co. entwickelt hat. Diese Architektur ändert nicht nur die Raumordnung, sondern definiert in weiten Teilen auch die Technik. Denn alle darauf basierenden Modelle bedienen sich aus dem gleichen Regal. Wie tief die Marken dort hinein greifen, ist nur eine Frage des Preises, den sie ihren Kunden am Ende präsentieren möchten.

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Autogramm Seat Ibiza: Frischer als der Polo

Beim Ibiza sind das zur Markteinführung im Juni 14.240 Euro für ein ordentliches, aber eher schlichtes Basismodell mit 75 PS starkem Dreizylinder-Benziner. Doch Seat ist selbstbewusst genug für sehr viel höhere Preise und entsprechend üppigere Antriebe und Ausstattungen. Bei den Motoren gibt es zum Start zwei weitere 1,0-Liter-Triebwerke mit 95 oder 115 PS und später auch einen 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS; dazu kommen drei Dieselmotoren mit 1,6 Liter Hubraum und 80, 95 oder 110 PS. Und unter den Extras finden sich Finessen wie Scheinwerfer mit LED-Technik, ein Tempomat mit Abstandsregelung und Stauassistent, ein schlüsselloses Zugangssystem oder eine Umfelderkennung, die für Hindernisse oder Fußgänger automatisch bremst.

Weil Seat verstärkt junge Kunden ansprechen will und die für notorische Surfer hält, haben die Spanier großen Wert aufs Infotainment gelegt. Es gibt erstmals im Ibiza einen 8-Zoll-Touchscreen, ein Soundsystem der Hipster-Marke Beats und fürs Smartphone nicht nur alle gängigen Integrationsprogramme, sondern obendrein einen GSM-Verstärker sowie eine induktive Ladeschale.

Das werden wir nicht vergessen: Die gähnend tiefe Handyablage unter der Mittelkonsole, aus der das Telefon selbst in den schnellsten Kurven nicht herausgeschleudert wird. Auch im Kleinen zeigt der Ibiza wahre Größe.

Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Ibiza 1.0 TSI
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 95 PS (70 kW)
Drehmoment: 175 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 182 km/h
Verbrauch (ECE): 4,7 Liter
CO2-Ausstoß: 106 g/km
Kofferraum: 355 Liter
Gewicht: 1.122 kg
Maße: 4059 / 1780 / 1444
Preis: 15.240 EUR
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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
der13 08.06.2017
1. der lack ist ab
Und wann blättert der nicht so haltbare softlack und chromlack wieder ab. War doch selbst bei VW Modell nicht so haltbar
Trevor Philips 08.06.2017
2.
Der neue Ibiza darf deshalb mit Features auftrumpfen, die noch nicht mal der VW Polo hat. Wie hat man bei KdF nun eine funktionierende Abgasreinigung?
2cv 08.06.2017
3. GSM Verstärker?
Was bitte ist ein GSM Verstärker? Hat der nun eine Femtozelle oder Repeater an Bord, dann dürfte er in D nicht betrieben werden. Oder sind nur Antennenkabel bis zur Ladeschale geführt?
monolithos 08.06.2017
4. Nichtkantig
Kantige Karosserie? Nein, das ist nicht kantig, das hier ist ein zerknautschtes Buckelwalbaby. Ein Volvo 850 war kantig!
the.anthony 08.06.2017
5. Langweilig
„Formschön und im Rahmen der gängigen Proportionen?“ Naja, wer sich die Mühe macht, einen solchen Satz ein wenig zu hinterfragen, erkennt nicht viel mehr als die heiße Luft von Marketingleuten. Die Kiste unterscheidet sich äußerlich kaum von all dem, was schon längst auf den Straßen unterwegs ist. Ich könnte nicht auf Anhieb sagen, ob das Auto nicht schon einige Jahre auf dem Buckel hat oder gerade erst neu auf den Markt gekommen ist.
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