Seat Ibiza ST: Der Beau, der nicht schleppen will

Tribut an die Schönheit: Der Seat Ibiza ST ist ein Kombi für den Kurzurlaub einer kleinen Familie. Eine längere Reise mit großem Gepäck zeigt indes schnell, dass aufregende Kurven auch ihre Nachteile haben.

Seat Ibiza: Der Beau, der ungern Koffer trägt Fotos

Mörfelden-Walldorf - Vier Personen, vier Koffer im Handgepäckformat, zwei mittelgroßen Taschen und einiges an Kleinkram - das alles passt in einen

Seat Ibiza ST, wie die spanische VW-Tochter die Kombi-Variante nennt. ST steht für Station-Wagon, und wie bereits der Viertürer bietet auch der Fünftürer seinen Passagieren einen Innenraum, bei dem keine Kleinwagen-Enge aufkommt.

Der ST misst in der Länge 4,23 Meter, also 18 Zentimeter mehr als sein viertüriger Bruder. Breite (1,69 Meter), Höhe (1,44 Meter) und Radstand (2,47 Meter) blieben unverändert. Das Längenwachstum kommt einzig und allein dem Ladeabteil zugute. Dabei hängt das gewisse Mehr an Länge nicht etwa wie ein Fremdkörper an der dynamisch gezeichneten Karosserie. Die Designer haben die Proportionen des ST prächtig hinbekommen. Das jugendlich-frische Flair des Ibiza ist erhalten geblieben.

Doch die Schönheit hat ihre Nachteile: Mit 430 bis maximal 1164 Litern gehört der Kofferraum zu den kleinsten seiner Klasse. Der Skoda Fabia Kombi fasst beispielsweise zwischen 505 und 1485 Liter, der Clio Grandtour von Renault 439 bis 1277 Liter. Hinzu kommt, dass der Seat ausgesprochen schlecht zu beladen ist, weil die Ladekante sehr hoch liegt - und dass sich der Gepäckraum nur auf umständliche Art und Weise vergrößern lässt.

Gleich mehrere Arbeitsschritte sind dafür notwendig. Zwar kann mit einem Handgriff die Rückbank auf die Sitzfläche geklappt werden. Dann aber entsteht nicht nur eine mächtige Stufe, sondern zudem eine schräge Ebene. Soll das ganze Volumen des Kofferraums genutzt werden, muss zunächst die Sitzfläche hochgezogen und nach vorne geklappt, dann die Kopfstützen aus der Rückenlehne entfernt und schließlich die Lehne nach vorn gelegt werden. Das ginge weitaus einfacher, wie die Konkurrenz beweist. Taschenhaken und ein kleines Gepäckfach unter dem eigentlichen Boden des Kofferraums sind hingegen gut überlegte Details aus dem Baukasten des VW-Konzerns.

Platzangebot und Fahrverhalten sind langstreckentauglich

Wer nicht unbedingt auf einen Kofferraum angewiesen ist, kann sich dagegen am Platzangebot erfreuen, das auch die Fondpassagiere verwöhnt. Selbst mit einer Körpergröße von 1,83 Metern hat man noch ausreichend Raum für Beine, Füße, und auch über dem Kopf ist genügend Platz. Die Sitze bleiben selbst auf langen Reisen bequem.

Auch der Fahrer hat keinen Grund zur Klage: Das Lenkrad lässt sich in Länge und Höhe passend justieren, in der Ausstattungsversion "Style" sind Volant und Schaltknauf mit Leder bezogen. Den Armaturenträger zeichnet eine klare Formensprache aus. Tasten und Bedienelemente liegen da, wo man sie erwartet, und lassen sich angenehm nutzen. Schade nur, dass die Spanier aus Kostengründen auf Softlack verzichtet haben. So dominiert billig wirkendes und kratzempfindliches Hartplastik, das den Wagen schon nach kurzer Zeit recht alt aussehen lässt.

Der 105 PS starke 1,6-Liter-Diesel ist das leistungsstärkste Aggregat bei den Selbstzündern. Bei einem Wagengewicht von gut einer Tonne hat der Motor keine Mühe, den Kombi auf Touren zu bringen. Das Drehmoment von 250 Newtonmetern bei 1500 Umdrehungen sorgt sogar für ein wenig Fahrspaß.

Dazu trägt auch das Fahrverhalten bei. Die Lenkung reagiert direkt und leichtgängig. Das Fahrwerk ist - wie es sich für einen Vertreter der sportlich ausgerichteten Marke gehört - eher straff als komfortabel ausgelegt, filtert Straßenunebenheiten aber dennoch gut weg. Inklusive Kopf-Airbags ist serienmäßig alles an schützenden Luftsäcken an Bord, was in dieser Klasse üblich ist. Auch Berganfahrhilfe und Reifendruckkontrolle gehören zum standardmäßigen Sicherheitsumfang.

Großzügige Ausstattung

Die Animation zum sportlichen Fahren hat allerdings eine Kehrseite: Der Testverbrauch lag bei etwas über sieben Litern - also deutlich höher als der von Seat angegebene Normverbrauch von 4,2 Liter - bei einem Auto dieser Größenordnung dürfte es durchaus etwas weniger sein.

Bei der Ausstaffierung des Style-Pakets zeigt sich Seat nicht knauserig. Die Entscheidung für diese Modellversion ist schon allein deshalb empfehlenswert, weil sie eine asymmetrisch klappbare Rücksitzbank enthält. Annehmlichkeiten wie elektrisch klappbare, einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, Klimaanlage, Tempomat, Bordcomputer oder das Audiosystem mit sechs Lautsprechern kommen noch hinzu - und lassen einmal mehr vergessen, dass man in einem Kleinwagen sitzt.

mik/dapd

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Rucksackdeutsche
nervmann 04.02.2011
Zitat von sysopTribut an die Schönheit: Der Seat Ibiza ST ist ein Kombi für den Kurzurlaub einer kleinen Familie. Eine längere Reise mit großem Gepäck zeigt indes schnell, dass aufregende Kurven auch ihre Nachteile haben. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,743218,00.html
Nicht dass ich etwas Positives oder Negatives über den Wagen sagen will. Aber dieses ständige Genöhle über Kofferraumgrößen bei vielen Autos geht mir auf den Senkel. Wenn ich einen großen Kofferraum haben will, suche ich mir das passende Auto. Vielleicht brauche ich ja gar keinen, aber die Kiste gefällt mir aus einem anderen Grund.
2. naja nun -
frank_lloyd_right 04.02.2011
profiautobeurteiler muessen immer was bemosern, und die autohersteller muessen das blech etwas anders biegen als die konkurrenz - was will man machen. "baugleich" - das trauen sich bis jetzt nur toyota und psa (citroen/peugeot) mit dem aygo/c1 oder wie das ding sonst noch heisst - der bessere smart halt. aber zum seat ibiza; ist vermutlich ein ganz braves auto, aber haesslich war er schon immer - und das wird sich wohl nicht mehr aendern. die grossen seats sehen deutlich besser aus, aber den ibiza vergurken sie eben regelmaessig. schoenheit ? wie bitte ?
3. Softlack - wenn ich das schon höre ...
stebru 04.02.2011
... das billige Plastik (gibt's sowas bei Premium-VW?) mit einem tollen, hochwertigemn Softlack überzogen gibt's doch inzwischen bei Audi und VW zur genüge. Das bischen Lack überm Plastik lässt die Mängel-Kisten aus dem VW-Konzern in jedem Test zu Premium-Fahrzeugen werden. Doch nach kurzer Zeit blättert das Premium vom Fahrzeug ab - was bleibt ist ...
4. Hmm
brux 04.02.2011
Zitat von frank_lloyd_rightprofiautobeurteiler muessen immer was bemosern,
Ich habe schon den Eindruck, dass sich die Intensitaet der Kritik der Autojournaille umgekehrt proportional zu den Marketinganstrengungen der Hersteller verhaelt. Wenn Mercedes zur Vorstellung eines Modells nach Kalifornien einlaedt (all inclusive selbstverstaendlich), ist Euphorie ueber das Produkt garantiert.
5. Nein ...
Achim 04.02.2011
Zitat von sysopTribut an die Schönheit: Der Seat Ibiza ST ist ein Kombi für den Kurzurlaub einer kleinen Familie. Eine längere Reise mit großem Gepäck zeigt indes schnell, dass aufregende Kurven auch ihre Nachteile haben. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,743218,00.html
... das ist kein Kombi. Deswegen heißt er ja auch anders. Das ist ein erweitertes Schrägheckmodell. Kombis waren der letzte Kadett, die ersten Astras, die Vectras und die 700er bis 900er Volvos: Dach waagerecht nach hinten bis zur so gut wie senkrecht stehenden Heckklappe. Sage ich mal als ehemaliges Fahrer eines Escort Turnier Baujahr 1980.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Ibiza ST Diesel
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 105 PS (77 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 188 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 109 g/km
Kofferraum: 430 Liter
umgebaut: 1.164 Liter
Versicherung: 20 (HP) / 21 (TK) / 19 (VK)
Preis: 22.130 EUR

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