Von Jürgen Pander
Das YouTube-Video von der IAA, das VW-Konzernchef Martin Winterkorn brummelnd im Hyundai i30 zeigt, gehört bereits jetzt zu den Klassikern des Genres. Im Film nörgelt der Chef des Wolfsburger Konzerns, dass im neuen Modell der koreanischen Marke die Lenkradverstellung tadellos funktioniert. "Da scheppert nix", sagt Winterkorn, und fährt grummelnd fort: "BMW kann's nicht, wir können's nicht, warum können die's?"
Vermutlich wird Hyundai dieses Geheimnis nicht preisgeben. Doch Winterkorn könnte genauso gut bei Seat nachfragen. Immerhin gehört die spanische Marke zu seinem Einflussbereich. Und auch dort werden Lenkradverstellungen eingebaut, die sich ohne Geschepper bedienen lassen. SPIEGEL ONLINE hat es ausprobiert, als kürzlich der Seat Leon FR 1.4 TSI zur Testfahrt bereit stand. Die dazugehörige Hörprobe gibt es übrigens im Soundcheck.
Selbstverständlich galt die Aufmerksamkeit nicht nur der Lenkradverstellung. Wir nahmen vielmehr das gesamte Modell des spanischen Kompaktwagens unter die Lupe, das es jetzt in der sportlichen Ausstattungsvariante FR in Kombination mit einem 1,4-Liter-TSI-Motor aus dem Konzernregal gibt. Bislang wurde die attraktive FR-Ausstattung (FR steht für "Formula Racing") ausschließlich mit dem 211 PS starken Benziner offeriert - der Wagen war so etwas wie ein spanischer GTI.
Spritziger Motor, trockenes Fahrwerk
Nun also geht es auch etwas weniger rasant. Zum Beispiel in Form des Einstiegsmodells 1.4 TSI mit 125 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe. Der Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung sorgt auch in zahlreichen anderen Modellen des VW-Konzerns für Vortrieb. Im Fall des fünftürigen Seat Leon ermöglicht die Maschine mit 200 Nm maximalem Drehmoment den Spurt von 0 auf Tempo 100 in 9,8 Sekunden und macht den Wagen bis zu 197 km/h schnell. Als Durchschnittsverbrauch gibt Seat 6,2 Liter je 100 Kilometer an; die CO2-Emissionen liegen entsprechend bei 145 Gramm je Kilometer.
Der gut 1,3 Tonnen schwere Seat Leon ist mit diesem Motor passend ausstaffiert. Das Auto kommt flott in die Gänge, liegt gut auf der Straße und lässt sich leicht und präzise dirigieren. Vielleicht kommt der Komfort etwas kurz, denn auf schlechten Straßen wird deutlich, wie humorlos und trocken das Fahrwerk Rillen oder Schwellen an die Insassen weitergibt. Aber wahrscheinlich sucht gerade das, wer sich für die FR-Variante entscheidet, denn allein die serienmäßig installierten LED-Rücklichter können es ja nicht sein, weswegen man diese Variante wählt.
Aufpreisfrei ist nur das Modell in schlichtem Weiß
22.190 Euro kostet das Modell, wenn man das Auto in weiß und ohne jedes Extra bestellt. Metalliclack wie etwa das "Phantom-Schwarz" unseres Testwagens kostet schon 500 Euro extra. Zudem trat das Auto mit 18-Zoll-Felgen vom Typ "Ibera" (plus 355 Euro), Seitenairbags im Fond (plus 295 Euro) und dem sogenannten "Technologie-Paket" unter anderem mit Regensensor, Einparkhilfe und Fußmatten (plus 350 Euro) sowie diversen anderen Extras an, so dass sich der Preis auf 25.490 Euro summierte.
Das ist 'ne Menge Holz für ein Auto, das zwar fesch dasteht und schwungvoll designt ist, bei dem jedoch zugleich an allen Ecken und Enden erkennbar gespart wurde. Der rigorosen Kostendämpfung fielen zum Beispiel die Silikonpuffer der Dachhaltegriffe zum Opfer. Weniger dem Spardiktat als vielmehr der mangelnden Phantasie der Entwickler ist es dagegen geschuldet, dass es in dem Auto keine vernünftigen Ablagen gibt. Das Handschuhfach ist mit dem Paket aus Betriebsanleitung und Kundendienstheft schon voll und auch die Mittelkonsole ist eigentlich keine Konsole, sondern nur ein einfacher Plastikgrat, auf dem ein paar Tasten und die Außenspiegelverstellung platziert sind.
Andererseits kann man darüber lässig hinwegsehen - zumindest, wenn man auf dem Fahrersitz Platz nimmt. Denn dann bleibt für die Einrichtung kaum noch Aufmerksamkeit übrig, weil die vom hübschen Cockpit, vom wunderbar ausgeformten Lenkrad und vom angenehm zu greifenden Schaltknauf-Stummel absorbiert wird. Rundum gut sind übrigens die Platzverhältnisse im Auto; auch im Fond sitzt man als Erwachsener bequem und ungezwungen, und der Kofferraum fasst zwischen 341 und 1166 Liter.
Ende nächsten Jahres fährt der neue Seat Leon vor
Das Auto wirkt ausgereift und dennoch ziemlich frisch. Was nicht weiter verwundert, denn der Leon ist auf deutschen Straßen nicht unbedingt an jeder Ecke zu sehen. Ende kommenden Jahres geht die nächste Generation der Kompaktbaureihe an den Start - und zwar dann in den Varianten Dreitürer, Fünftürer und Kombi. Es wird der Abschluss der gerade anlaufenden Modelloffensive der Marke sein, die mit dem VW-Up-Derivat Seat Mii beginnen wird und in deren Folge auch der Kleinwagen Ibiza und der Kompaktvan Toledo neu aufgelegt werden.
Seat ist nicht nur die optisch flotteste Marke innerhalb des VW-Konzerns, sondern auch jene mit der jüngsten Käuferschaft. Das Durchschnittsalter der Seat-Kunden liegt bei 45 Jahren - und damit deutlich unter dem Alterschnitt der Skoda- oder VW-Käufer. Schon allein deshalb darf an einem Seat nichts scheppern. Denn die Kunden der spanischen Autobauer hören alle noch sehr, sehr gut.
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