Skoda Fabia: Das Appetithäppchen

Von Tom Grünweg

Für den großen Leistungsbedarf hat Skoda erst kürzlich den Fabia RS mit 180 PS vorgestellt. Als Appetithäppchen tut es aber auch die Variante 1.2 TSI, deren 86-PS-Motor recht munter ist. SPIEGEL ONLINE hat den überarbeiteten Kleinwagen ausprobiert.

Skoda Fabia: Tschechischer Polo-Klon Fotos

Der Skoda Fabia gehörte zu den großen Gewinnern der letztjährigen Abwrackprämie. Als erster Skoda überhaupt brachte er es in Deutschland auf mehr als 100.000 Neuzulassungen in einem Jahr. Das sicherte dem tschechischen Kleinwagen hinter den Konkurrenten VW Polo und Opel Corsa, aber noch vor dem Ford Fiesta, Platz drei unter den deutschen Kleinwagen im vergangenen Jahr. Obendrein war der Wagen damit erfolgreichstes Importauto 2009.

Daran hat nicht nur das Auto, sondern vor allem der Schrottbonus aus Berlin einen gehörigen Anteil. Dennoch kümmerte sich Skoda darum, dass der Absturz im Jahr eins nach dem Abwrackzuschlag nicht ganz so hart ausfällt: Die VW-Tochtermarke nämlich stellte kürzlich das überarbeitete Modell vor. Seither gibt es den Konzernkumpanen des VW Polo mit einer neu gestalteten Frontpartie, einem aufgemöbelten Interieur, erweiterter Serien- und Wunschausstattung sowie einer Reihe neuer Motoroptionen. "Es gibt kein Bauteil, das wir im Rahmen dieser Überarbeitung nicht angefasst hätten", behauptet Entwicklungsvorstand Eckhard Scholz kühn.

Jedenfalls ist die angebliche Totalrenovierung erst auf den zweiten Blick zu erkennen, denn wer weiß schon, wie Kühlergrill, Scheinwerfer oder Rücklichter des insgesamt eher unauffälligen Kleinwagens vorher ausgesehen haben? Innen jedoch lassen sich die Überarbeitungsmaßnahmen buchstäblich mit Händen greifen. Das Lenkrad fühlt sich besser an und liegt griffig in der Hand, außerdem gibt es neue Sitzbezüge sowie Chromrahmen um die Gebläsedüsen, um einige Tasten und am Schaltknauf.

Entscheidender sind die Neuerungen unter der Motorhaube. Dort hat Skoda das erfolgreichste Modell der Marke auf Enthaltsamkeit und Laufkultur getrimmt und bietet gleich mehrere neue Benzin-Direkteinspritzer-Varianten an. So umfasst die Motorenpalette nun drei Diesel und fünf Benziner, die eine Leistungsspanne von 60 bis 180 PS abdecken. Die jeweils schwächsten Motorisierungen gelten zwar gemeinhin als freudlos und sind mitunter nur deshalb im Angebot, um einen möglichst niedrigen Einstiegspreis halten zu können. Doch dieses Vorurteil kann der Skoda Fabia überzeugend widerlegen. Der 1,2 Liter große TSI-Motor ist eine feine Wahl, und zwar schon in der Grundversion mit 86 PS. Aus technischer Sicht sorgen Benzin-Direkteinspritzung und Turbolader für Agilität und zugleich Sparsamkeit.

Technisch ist das Auto sehr ausgereift

Maximal 160 Nm entwickelt die Maschine, die auf einem breiten Drehzahlband zur Verfügung stehen. Die Kraft reicht absolut aus, um mit dem Wagen flott voranzukommen. Auch wenn der offizielle Sprintwert von 11,7 Sekunden bis Tempo 100 nichts Weltbewegendes ist - das Auto fühlt sich überaus flott an. Überholvorgänge auf der Landstraße sind kein Problem, und wer es wissen will, kann auf der Autobahn bis zu 177 km/h schnell fahren. Allerdings ist es dann mit der Enthaltsamkeit vorbei: Ist der Fabia TSI im Normzyklus mit 5,2 Litern zufrieden, schluckt er bei verschärfter Gangart auch durchaus zwei Liter mehr.

Insgesamt wirkt der Fabia solide und souverän. Das Fahrwerk ist komfortabel und trotzdem stramm genug für flotte Kurven. Die Lenkung arbeitet präzise und gibt eine ordentliche Rückmeldung, und die Gänge flutschen knackig durchs Getriebe. Nur bei schneller Fahrt sucht man vergebens nach einer sechsten Stufe, doch ein Sechsgang-Schaltgetriebe bleibt dem VW Polo vorbehalten.

Die Ausstattungsliste ist lang, die Aufpreise sind happig

Ein Großer ist der Kleine auch bei der Ausstattung - wenn man zu happigen Zuzahlungen bereit ist. Dann nämlich gibt es jede Menge Extras von der Sitzheizung über das Navigationssystem und die Klimaautomatik bis hin zum statischen Kurvenlicht. Allerdings kann man dann den an sich attraktiven Grundpreis von 10.580 Euro vergessen und landet eher schon in der Preisregion billiger Kompaktautos. Immerhin gehört nun der Schleuderschutz ESP bei allen Varianten zum Standard.

Wenn alles so prima ist beim Fabia, für was braucht man dann eigentlich den VW Polo? Weil der kleine Skoda eben doch nicht ganz an das große Vorbild aus Wolfsburg herankommt. Nachlässigkeiten wie die labberige Gummischlaufe zum Schließen des Heckdeckels etwa hätten sich die Niedersachsen ebenso wenig erlaubt wie den vergleichsweise schlichten Kunststoff auf dem Armaturenbrett. Aber dafür kostet der Polo ja auch rund 2000 Euro mehr. Und sie haben in friedlicher Koexistenz beide Erfolg. Mit 26.259 Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2010 rangiert der Fabia auch ohne Abwrackprämie derzeit auf Platz vier des Kleinwagensegments; und der VW Polo fährt mit fast doppelt so vielen Neuzulassungen (51.008) flott voraus.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. VW Manager!
schamot 23.07.2010
Vieleicht sollte auch im Artikel erwähnt werden, daß VW den Skoda Chef entlassen hat, weil er zu gute Arbeit geliefert hat und damit das bessere Auto als Golf. Deswegen bewußt jetzt Billigplastik im Skoda! Das Motto ist nicht:"Skoda ist gut, VW muß besser werden!" Das Motto ist:"VW ist nicht besonders, also machen wir Skoda noch schlechter!" Die Manager sind Totalpfeifen und sind Harz IV wert!
2. VW Vorstand
hannah081962 23.07.2010
Zitat von schamotDie Manager sind Totalpfeifen und sind Harz IV wert!
Naja, schließlich hat Hartz auch in dem Laden gearbeitet und südamerikanische Schäferstündchen abgenickt.
3. VW vs Skoda
knowitall 23.07.2010
Unglaublich aber wahr: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/skoda108.html
4. skoda fabia von vw-manager
bottropski 23.07.2010
Immer langsam mit dem Urteil! Sicherlich gibt es für jeden Autofahrer "bessere" Autos. Aber ich bin, außer mit einem früheren typischen "Lopez"-Produkt, recht zufrieden mit meinen Golfs. Problemlos fahren, sicher von A nach B kommen, eine gute Werkstatt, ordentlicher Wiederverkaufswert und überschaubare Betriebskosten, was will ich mehr?
5. .
Patina 23.07.2010
Zitat von bottropskiImmer langsam mit dem Urteil! Sicherlich gibt es für jeden Autofahrer "bessere" Autos. Aber ich bin, außer mit einem früheren typischen "Lopez"-Produkt, recht zufrieden mit meinen Golfs. Problemlos fahren, sicher von A nach B kommen, eine gute Werkstatt, ordentlicher Wiederverkaufswert und überschaubare Betriebskosten, was will ich mehr?
Mag schon sein, aber vielleicht liegt der Erfolg von Skoda schlicht darin, dass die VWs wesentlich teurer sind aber auch nicht besser. Gut wie ein Golf ist offenbar auch billiger zu haben. Plöd, wenn das aus dem eigenen Haus kommt...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Fabia (2010)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.197 ccm
Leistung: 86 PS (63 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 11,7 s
Höchstgeschw.: 177 km/h
Verbrauch (ECE): 5,2 Liter
CO2-Ausstoß: 121 g/km
Kofferraum: 300 Liter
umgebaut: 1.163 Liter
Versicherung: 14 (HP) / 15 (TK) / 16 (VK)
Preis: 15.080 EUR

Schnellcheck

Skoda Fabia

Einsteigen: ...weil der kleine Skoda deutlich billiger, aber kaum schlechter ist als der VW Polo.

Aussteigen: ...weil neben Esprit beim Design ein Sechsgang-Getriebe fehlt.

Umsteigen: ...aus Kleinwagen wie VW Polo, Opel Corsa, Ford Fiesta, Renault Clio, Mazda 2.


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