Autogramm Skoda Octavia Combi Die Golf-Grube

Keine Allüren und deswegen ein Star: Während der VW Golf in Premium-Sphären abhebt, bleibt sein tschechischer Vetter Octavia bodenständig - und macht deshalb weiter Boden gut. Jetzt wurde das Skoda-Modell aufgefrischt.

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Der erste Eindruck: Mit dem neuen Vier-Augen-Gesicht erinnert der überarbeitete Octavia an die letzte Mercedes E-Klasse.

Das sagt der Hersteller: Für Skoda-Sprecher Christof Birringer ist der Octavia eine wesentliche Stütze der Marke und ein Treiber des anhaltenden Erfolgs. Nicht nur, dass die tschechische VW-Tochter von den bislang drei Generationen rund fünf Millionen Autos verkaufte, Skoda brachte es vor allem auch dank des Octavia in Deutschland auch in die Top 10 der Neuzulassungsstatistik und an die Spitze der Importstatistik. "Bei den Privatkunden belegt der Octavia Combi sogar Platz eins", sagt Birringer stolz. Pikant: Damit hat er seinen Wolfsburger Vetter VW Golf Variant abgehängt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Octavia Combi - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das ist uns aufgefallen: Der Octavia ist nach dem Seat Leon und dem VW Golf der dritte Kompakte aus dem VW-Konzern, der jetzt auf den neuesten Stand gebracht wird. Und obwohl sich alle aus demselben Baukasten bedienen, finden die Tschechen wieder ihren ganz eigenen Stil. Während Seat Fahrspaß und Leidenschaft predigt und VW vom Premium-Nimbus träumt und sich mit noblen, jedoch meist ziemlich nutzlosen Extras schmückt, gibt es für den Skoda Octavia nur solche Neuerungen, die auch mit sinnvollen Funktionen verbunden sind.

Die digitalen Instrumente aus dem neuen Golf? Sucht man im Octavia vergebens. Gestensteuerung zur Wahl des Musiksenders? Nicht bei Skoda. Und auch wenn es jetzt - ein wenig Schnickschnack muss wohl sein - eine LED-Ambientebeleuchtung in zehn Farben gibt, bleibt die Anmutung auch nach der Modellpflege ohne unnötigen Firlefanz.

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Dass das Octavia-Interieur dennoch frisch ist und mehr Funktionen bietet, liegt vor allem am Touchscreen, der ins Armaturenbrett gezimmert wurde. In der größten (und teuersten) Ausbaustufe misst der Monitor 9,2 Zoll und wird dank LTE-Modem zur Bühne für ein wahres Multimedia-Spektakel. Neben der üblichen Navigation mit liebevollen Grafiken und allerlei Unterhaltung gibt es auch spezielle Infotainment-Online-Apps, die Nachrichten aufbereiten, über das Wetter oder die aktuelle Verkehrslage informieren, frei Parkplätze aufspüren oder die billigste Tankstelle kennen.

Hart an der Grenze zum Nepp ist nur das adaptive Fahrwerk, das jetzt für 920 Euro Aufpreis auch im Octavia zu haben ist. Denn der Octavia Combi ist ein Auto für Vielfahrer, die rasch ins spürbar weichere Set-up des "Comfort"-Modus wechseln werden. Und weil der Wagen dann so sanft über ruppigen Untergrund bügelt, gibt es keinen Grund, jemals wieder in einen anderen Modus zu schalten.

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Autogramm Skoda Octavia Combi: Geh mal nach hinten durch

Unabhängig von der Modellpflege überzeugt mal wieder - typisch Skoda - das ungeheure Platzangebot. Billiger und zugleich geräumiger als der Golf. Der Octavia bleibt die bessere Wahl für Praktiker ohne Premiumfantasien. Erst recht als Kombi mit einem Ladevermögen von 610 bis 1740 Liter.

Das muss man wissen: Skoda startete mit dem Verkauf des überarbeiteten Octavia am 4. März. Die Preise für die Limousine beginnen bei 17.450 Euro, der Combi kostet 700 Euro mehr. Mit der Modellpflege sind die Preise also um ein paar Hundert Euro gestiegen, doch dafür gibt es auch mehr Ausstattung. So sind zum Beispiel die Care-Connect-Dienste mit automatischem Notruf und Ferndiagnose serienmäßig an Bord. Außerdem gibt es - zum Teil gegen Aufpreis - fünf neue Assistenzsysteme: einen vorausschauenden Fußgängerschutz, den elektronischen Blick in den toten Winkel und auf die Spur hinter dem Wagen, einen Sensor, der Alarm schlägt, wenn beim Rückwärtsrangieren die Fahrstrecke gekreuzt wird, und ein System, das beim Fahren mit Anhänger hilft.

Angeboten wird der Bestseller aus Böhmen mit vier Benzinern von 86 bis 180 PS und vier Dieselmotorisierungen, die eine Leistungsspanne von 90 bis 186 PS abdecken; Doppelkupplungsautomatik und Allradantrieb sind optional. Die mit großem Abstand gängigste Kombination ist die, mit der auch der Testwagen bestückt war: Ein Combi mit 150-PS-Diesel, Frontantrieb und DSG. Wer mit dem Auto ein paar Stunden unterwegs ist, versteht diese Wahl. Der 2,0-Liter-TDI ist ein perfekter Allrounder, kraftvoll und sparsam.

Schon bald wird Skoda zwei weitere Varianten nachschieben: Den aufgebockten Geländekombi Scout sowie das Sportmodell RS (184, 230 oder 245 PS). Letzterer ist für Skoda ein dickes Geschäft. Immerhin sei jeder fünfte Octavia ein RS-Modell, sagt Skoda-Sprecher Birringer.

Das werden wir nicht vergessen: Am Ende sind es banale Kleinigkeiten, die den Reiz des Autos ausmachen. Simpelstes Beispiel: Der Einsatz für den Becherhalter, in dem man endlich einen intelligenten Platz fürs Smartphone und den Autoschlüssel findet, ohne dass der Kleinkram ständig klappert.

Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Octavia Combi (2017)
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 340 Nm
Von 0 auf 100: 8,6 s
Höchstgeschw.: 213 km/h
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 118 g/km
Kofferraum: 610 Liter
umgebaut: 1.740 Liter
Gewicht: 1.374 kg
Maße: 4667 / 1814 / 1465
Preis: 28.750 EUR
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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
vollimbiss 28.03.2017
1. Gibts nur noch Diesel
Alle Welt besingt den Tod des Diesel. Getestet werden aber fast nur Diesel. Was soll das?
mat76 28.03.2017
2.
Den Platz fürs Smartphone finde suboptimal.
weissallesbesser 28.03.2017
3. (Kostenlose) Autowerbung auf SPON
Langsam nervt es doch gewaltig, kaum kritische Töne, beinahe alles klingt wie aus dem Prospekt des Herstellers. Die technischen Daten werden unreflektiert vom Hersteller übernommen und wichtige Fragen bleiben offen. Es wird ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Großstädten diskutiert. Ist dieser Wagen davon auch betroffen? Der Verbrauch von 4,5 Litern kann im Alltag erreicht werden? Wie verhält sich der Wagen in Kurven, bei Überholvorgängen, im kalten Zustand, ... Wichtiger scheint die Bedienung des Radios gewesen zu sein. Journalismus sieht für mich anders aus, als zu einem Event zu gehen, ein paar Häppchrn abzugreifen und wenige Kilometer auf einem begrenzten Abschnitt zurück zu legen. Dann lieber gar nichts schreiben. Oder ist SPON auf die Werbegelder angewiesen, die solch ein Artikel mit sich bringt?
Zauderer 28.03.2017
4. Bevor
jetzt wieder die üblichen Meckerer auftauchen, die wahlweise das langweilige Design oder die VAG-Technik bemängeln: Ich war mit meinen Skodas (Octavia II und Superb II) trotz einiger Schwächen deutlich zufriedener, als mit meinem aktuellen BMW 2er GT. Der ist unausgereift und in vielen Details einfach schlecht gemacht. Auf Premium pfeife ich gern, wenn es dafür ein gescheites Auto gibt.
newline 28.03.2017
5. Entspricht
die Einstellung "Comfort"-Modus denn dem Fahrwerk der Grundausstattung?
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