Skoda Octavia RS Adrenalinschub nach Feierabend

Bislang war Skoda eine Marke, die aus rationalen Gründen gekauft wurde. Mit dem Octavia RS wollen die Tschechen jetzt auch Spaß und Emotion ins Spiel bringen. Limousine und Kombi wurden heute als erste Autos auf der IAA vorgestellt. In den Handel kommen sie im Dezember.


Skoda Octavia RS: Dem Vernunftimage davonfahren

Skoda Octavia RS: Dem Vernunftimage davonfahren

Einen Skoda kauft man mit dem Kopf und nicht aus dem Bauch heraus. Das zumindest war bis dato das Bild, das man von den Produkten der VW-Tochter hatte. Zumal die Marke mit dem Slogan "Simply Clever" vor allem die qualitätsbewussten Smart-Shopper aus der Aldi-Generation anspricht. Jetzt aber wollen die Tschechen ein wenig abrücken von diesem Erbsenzählerimage und der kühlen Kalkulation auch etwas Vergnügen zur Seite stellen: den neuen Octavia RS. Die Preise stehen noch nicht exakt fest, sollen aber etwa 1000 Euro über dem Vorgängermodell liegen und dürften somit bei knapp 26.000 Euro beginnen.

Die Mission des Modells ist klar umrissen: "Der RS soll die Marke mit Emotionen aufladen und als Turbo für den Alltag den ein oder anderen Adrenalinschub nach Feierabend auslösen", sagt Marketing-Manager Ralf Schumann. Mit dem Sportmodell will er auch jene Neukunden zu Skoda locken, die bislang beispielsweise einen Ford Mondeo ST oder einen Renault Mégane RS gefahren haben. Dabei verweist er auf den Erfolg dieser Strategie beim Vorgänger, der in Deutschland immerhin rund 2000 Mal verkauft worden war. Das neue Modell wird es von Anfang an als Limousine und als etwa 1000 Euro teureren Kombi geben.

Spaß in den grauen Alltag sparsamer Handlungsreisender und vernünftiger Familienväter bringt Skoda mit einem Motor, der auch bei der Konzernmutter in Wolfsburg in der Sportauswahl steht: ein Zweiliter-Turbo aus dem Golf GTI. Der Benzin-Direkteinspritzer leistet 200 PS (147 kW) und bringt bis zu 280 Newtonmeter auf die Straße, die bei einem allzu vehementen Start schnell vom serienmäßigen ESP abgebremst werden müssen. Geregelt von einem knackig kurz gestuften Sechsgang-Schaltgetriebe, beschleunigt der RS binnen 7,3 Sekunden auf 100 km/h. Zum Halt kommt die Tachonadel erst bei 240 Sachen. Damit rückt der Golf-Cousin aus dem Osten so manchem Dreier oder A4 dicht auf die Pelle. Und die Vernunft bleibt trotzdem nicht auf der Strecke. Wer ein wenig Zurückhaltung übt, kommt dem Normverbrauch von 7,8 Litern ziemlich nahe. Wer es aber krachen lässt, darf sich auch über das Doppelte nicht wundern.

Octavia-RS-Modelle: Turbomotor für Limousine und Kombi

Octavia-RS-Modelle: Turbomotor für Limousine und Kombi

Damit jeder erkennt, dass der RS kein Sparbrötchen auf Rädern ist, haben die Tschechen das Sportmodell dezent aber wirkungsvoll von der Großserie abgegrenzt: Neben dem RS-Logo an Kühler und Heck gibt es neue Stoßfänger, exklusive Farben, breite 18-Zoll-Felgen und bei der Limousine auch einen Spoiler auf dem Kofferraumdeckel. Die gesteigerte Kraft des Wagens ist auch hörbar, denn aus dem zweiflutigen Sportauspuff des RS dringt ein angenehm heiserer Klang. Im Innenraum montiert Skoda Sitze in schwarz und silber. Der Dachhimmel ist mit nachtschwarzem Tuch bespannt. Das Cockpit lebt vom Kontrast zwischen schwarzem Kunststoff und silbrigen Zierelementen. Und die Instrumente erinnern im RS an die Ziffernblätter sportlicher Uhren - eine Eigenschaft, die fast alle Autos mit rasantem Anspruch gemein haben.

Neben Krafttraining und optischem Feinschliff hat Skoda auch Hand an das Fahrwerk gelegt und dabei vielleicht etwas übertrieben. Die zwölf Millimeter weniger Bodenfreiheit fallen kaum ins Gewicht. Doch zumindest beim ersten Aufgalopp auf betagten Autobahnen wäre ein weniger straffes Fahrwerk angenehmer gewesen. Denn ganz so hart und kompromisslos muss ein Sportfahrwerk für ein Mittelklasseauto nicht ausfallen.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.