Skoda Octavia Scout: Mehr als Maskerade

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VW hat es mit den Cross-Modellen vorgemacht. Pkw im Offroad-Look sind in – selbst wenn sie sich nur durch ein paar Plastikplanken vom Serienmodell unterscheiden. Skoda aber meint es ernst: Der Octavia Scout ist keine Mogelpackung, sondern kann mehr als man glaubt.

Die Wahl der Strecke zeugt von einem gewissen Mut. Ausgerechnet dort, wo noch im letzten Winter die Olympioniken um Gold im Biathlon kämpften, hat Skoda jetzt den neuen Octavia Scout zur ersten Testfahrt bereitgestellt. Und zwar nicht nur auf der Straße ins Ski-Gebiet, sondern tatsächlich auch auf der Loipe, die sich rund um das Starthaus einige Kilometer über die Hänge schlängelt. Dass es mit dem Winter auch im Piemont zurzeit nicht weit her ist, dürfte den Tschechen dabei nur recht gewesen sein. Denn statt einer geschlossenen Schneedecke gab es eine tief zerfurchte Schlammpiste, die man kaum einem Auto je zumuten würde. Der Octavia Scout aber musste die Piste unter die Räder nehmen.

Auf genau diese Demonstration kam es der VW-Tochter wohl an. Denn auf den ersten Blick ist der ab März lieferbare Wagen nur eine weitere Spielart jenes Trends, der aus biederen Großserienlimousinen mit einigen optischen Retuschen ein Lifestyle-Fahrzeug im Outdoor-Look macht. Auf den zweiten Blick jedoch kann der Pfadfinder mehr, als die meisten Kunden von ihrem Fahrzeug erwarten. Denn anders als Cross Golf & Co. ist der für einen moderaten Preisaufschlag von 400 Euro aufgerüstete Skoda-Kombi eben keine Mogelpackung der Marketing-Abteilung. Sondern ein robustes Auto mit Allradantrieb, der tatsächlich den Aktionsradius erweitert.

"Natürlich werden die Scout-Kunden nicht alle ins Gelände fahren", sagt Skoda-Sprecher Martin Lauer und beschwört den Lifestyle-Charakter des Modells. Ähnlich wie die sportlichen RS-Modelle der Marke soll auch er das Image mit Emotionen aufladen und die Reduktion auf Adjektive wie "preiswert" und "praktisch" verhindern. Doch wollen die Tschechen bei aller Liebe zur modischen Abenteuer-Uniform eben nichts versprechen, was ihr Auto nicht auch halten kann. Lauer: "Eine Version mit Frontantrieb kam in dieser Klasse für uns nicht in Frage."

Ein optisch aufgepeppter Octavia 4x4

Technisch basiert der Scout auf dem Octavia 4x4, der zurzeit immerhin auf einen Baureihenanteil von etwa 25 Prozent kommt. Allerdings wurde beim Scout die Bodenfreiheit noch einmal um 17 Millimeter angehoben und bietet mit nun mit 18 Zentimetern den größten Freiraum, den man bei Skoda kaufen kann. "Gegenüber dem Fronttriebler sind das immerhin fünf Zentimeter", sagt Lauer. Bei der Tour auf der Biathlon-Loipe ist diese kleine Distanz Gold wert. Denn nach drei, vier Runden ziehen sich tiefe Riefen durch die Strecke, deren Farbe längst von schneeweiß in schlammbraun gewechselt hat. Der Octavia allerdings findet tapfer seinen Weg und rollt mit ausgeschaltetem ESP – der Haldex-Kupplung und ihrer variablen Kraftverteilung sei dank – stoisch jeden feuchten Hang hinauf.

An Kraft mangelt es nicht. Vor allem wenn man sich für 28.290 Euro für den Diesel unter den beiden zwei Liter großen Vierzylindermotoren entscheidet. Zwar sorgt die Pumpe-Düse-Technik vor allem außerhalb des Wagens für die bekannt penetrante Geräuschkulisse, doch geht der Octavia dafür ausgesprochen beherzt ans Werk: 140 PS und 320 Nm Drehmoment garantieren zügiges Vorankommen auf Teer und im Dreck. Im Datenblatt wird der Diesel mit einem Sprintwert von 10,2 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 197 km/h geführt. Alternativ dazu verkaufen die Tschechen für 1700 Euro weniger auch einen Benzin-Direkteinspritzer mit 150 PS und 200 Nm, der Tempo 100 nach zehn Sekunden erreicht und es auf 200 km/h bringt. Allerdings bezahlt man diesen minimalen Vorteil mit einem höheren Verbrauch: Während der Diesel mit 6,4 Litern zufrieden ist, schluckt der Benziner 8,7 Liter.

Rustikales Auftreten erhöht die Attraktivität

Doch mit dem größeren Spielraum für Schmutzfinken ist es freilich nicht getan. Weil laut Lauer "bei Freizeitfahrzeugen das Aussehen einer der wichtigsten Aspekte in der Kaufentscheidung ist", durften natürlich auch die Designer ran. Mit wenigen wirkungsvollen Details haben sie den Wagen optisch vom Boulevard auf die Buckelpiste geschoben. Die Stoßfänger sind grau statt in Wagenfarbe lackiert und umschließen vorn wie hinten einen markanten Unterfahrschutz. Schwarze Schwellerleisten lassen die Radkästen größer erscheinen und spannen sich über die 225er Reifen auf den exklusiven 17-Zöllern. Und eine ebenfalls schwarze Bauchbinde zieht sich rings um den Wagen. Im Innenraum dagegen halten sich die Modifikationen in Grenzen: Einzig die Alupedale, die neuen Sitzbezüge und die polierten Einstiegsleisten weisen auf die Abenteuerversion hin. Und natürlich der breite Griff über dem Handschuhfach, der dem Beifahrer bei allzu heftigen Kapriolen besseren Halt verspricht.

So ganz kann sich allerdings auch Skoda nicht dem Reiz der populären Mogelpackungen entziehen. Wenige Wochen nach dem Octavia wird es deshalb auch den Roomster in einer Scout-Version geben. Während der große Kombi tatsächlich durch dick und dünn fährt, sollte man den Aktionsradius mit dem kleineren Van nicht ganz so weit ziehen. Denn der hat auch unter dem Zusatznamen Scout nur Frontantrieb.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Octavia Scout
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 10,2 s
Höchstgeschw.: 197 km/h
Verbrauch (ECE): 6,5 Liter
CO2-Ausstoß: 173 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 580 Liter
umgebaut: 1.620 Liter
Preis: 28.290 EUR
Fotostrecke
Skoda Octavia Scout: Bereit zum Äußersten


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