Skoda Roomster: Die Entdeckung der Nützlichkeit

Von Jürgen Pander

Solide Autos mit bewährter VW-Technik zu attraktiven Preisen - dafür war Skoda lange bekannt. Der Roomster als vierte Modellreihe bringt etwas Pep und Witz ins bisher eher blasse Markenbild. Das Auto überzeugt durch Variabilität, während der Spritverbrauch enttäuscht.

Ganz früher war Skoda eine durchaus schillernde Marke. 1907, als die Firma noch Laurin & Klement hieß, entstand beispielsweise das Modell GDV, eine Art Kleinbus, das bevorzugt von den feinen Hotels im Wien der Donau-Monarchie eingesetzt wurden. Sehr viel später gab es den Skoda 1203, ein Produkt der sozialistischen Planwirtschaft in der damaligen Tschechoslowakei.

Doch diese Modelle waren stets Randerscheinungen in der Modellpalette. Seit 2006 gibt es abermals ein Auto, das durch seine kluge Raumnutzung auffällt: den Skoda Roomster. Dieses Modell aber hat entscheidenden Anteil am neuen Erscheinungsbild der Marke, die seit 1991 zum VW-Konzern gehört.

Während die anderen drei Modellreicen - Fabia, Octavia und Superb - sich brav in die üblichen Fahrzeugklassen eingliedern, pocht der Roomster, der mit "Minivan" noch am besten kategorisiert ist, auf mehr Eigenständigkeit. 4,20 Meter lang ist das Auto - und es gibt vermutlich kaum ein anderes Modell, dass derart viel Nutzwert auf dieser Distanz bietet.

Herzstück des Innenraums ist das sogenannte Vario-Flex-Sitzsystem, womit die drei Rücksitze gemeint sind. Sie lassen sich um 15 Zentimeter in Längsrichtung verschieben, haben Lehnen, deren Neigung verstellt werden kann, und es gibt die Möglichkeit, den mittleren Platz auszubauen und die beiden äußeren Sitze etwas nach innen zu verschieben, so dass ein geräumiger Viersitzer entsteht. Auch die restlichen Rücksitze lassen sich übrigens einzeln demontieren, was den Laderaum höchst variabel macht - und maximal 1780 Liter groß.

Der Kofferraum wiederum ist durch eine große, weit öffnende Klappe optimal zugänglich und obendrein unterkellert, was gut ist, wenn man Kleinigkeiten platzsparend verstauen möchte. Und sperrige Dinge passen ob der Variabilität des Fonds auch locker rein - zum Beispiel ein Kinderwagen plus eine Kinderkarre. Zahlreiche andere Autos, die sich Familienwagen nennen, schaffen das nicht; und selbst bei vielen der momentan modischen Sportkombis müssen Kinderwagen leider draußen bleiben. 530 Liter Fassungsvermögen sind bei fünfsitziger Konfiguration maximal nutzbar - zum Vergleich: der Mazda 6 bieten 519 Liter.

Schon von außen soll man den multifunktionalen Ansatz des Autos erkennen - was zu einer unorthodoxen Seitenansicht führt. Aus dieser Perspektive hat man den Eindruck, als sei der Roomster falsch zusammengebaut, was an den nicht übereinstimmenden Linien und Formaten der vorderen und der beiden hinteren Seitenscheiben liegt. Die optische Zweiteilung der Karosserie soll den Wagen laut Skoda-Design in einen Driving-Room (vorn) und einen Living-Room (hinten) trennen - also einen normalen Kompakt-Pkw und ein großzügig verglastes Mehrzweckabteil zusammenfügen.

Nichts Besonderes, aber zeitlos stimmig

Schön sieht das nicht aus, aber immerhin interessant. Und da die Gestaltung der Front- und Heckpartie zeitlos stimmig geraten ist, wird der Roomster vermutlich sehr lange modern und frisch aussehen. Das gilt auch für das Interieur-Design, das bis auf die Tatsache, dass zwei Handschuhfächer zur Verfügung stehen, keine Besonderheiten aufweist außer der unaufgeregten, klaren Grundausrichtung.

Antriebsseitig ist der Roomster mit drei Benzin- und drei Dieselmotoren gut aufgestellt. Die Palette reicht jeweils von 70 bis 105 PS und greift auf bewährte Aggregate zurück - die ganz neuen TFSI-Maschinen aus dem VW-Konzernregal sind nicht verfügbar. Unser Testauto war mit dem 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS ausgerüstet, dem stärksten Ottomotor in der Palette. Ein stimmiges Triebwerk für den Roomster, vielleicht etwas laut, aber sonst in jeder Fahrsituation souverän. Der Durchschnittsverbrauch während unseres Test lag bei 7,7 Liter auf 100 Kilometer.

Vermutlich ließe sich dieser Wert noch drücken, würde Skoda kein Fünf-, sondern ein Sechsgang-Schaltgetriebe einbauen. Denn immer wieder ertappt man sich dabei, den sechsten Gang einlegen zu wollen - nur den gibt es leider nicht. Einzige Getriebe-Alternative wäre eine Sechsstufen-Automatik, die es für den 105-PS-Benziner gibt, und die 1000 Euro Aufpreis kostet. Im übrigen würde es auch nicht schaden, wenn der Schaltknüppel der rechten Hand ein paar Zentimeter weiter entgegenkommen würde; ergonomisch optimal ist die jetzige Position nämlich nicht.

Doch das sind Kleinigkeiten. Denn insgesamt ist das Roomster-Paket stimmig und umfangreich. Die Kunden in diesem Segment honorieren das. Seit dem Start der Baureihe produzierte Skoda bislang rund 158.000 Fahrzeuge. In Deutschland wurden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres 4259 Skoda Roomster neu zugelassen. Vermutlich hat auch in diesem Fall die Abwrackprämie den Verkauf angeheizt. Und ganz gleich welches Auto zugunsten eines Roomster verschrottet wurde: Nützlichkeit haben die Kunden in jedem Fall dazu gewonnen.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Roomster 1,6
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 105 PS (77 kW)
Drehmoment: 153 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 184 km/h
Verbrauch (ECE): 7,0 Liter
CO2-Ausstoß: 167 g/km
Kofferraum: 450 Liter
umgebaut: 1.780 Liter
Versicherung: 14 (HP) / 17 (TK) / 14 (VK)
Preis: 17.090 EUR

Fotostrecke
Skoda Roomster: Variabler Tscheche

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