Von Tom Grünweg
Ist es Zufall? Während Mercedes das T-Modell der E-Klasse vorstellt, rollt die VW-Tochter Skoda den Superb Combi ins Rampenlicht. Noch bis vor kurzem wäre das nicht mehr als eine unbedeutende Parallele gewesen. Doch mittlerweile sind das Image und die Produkte der tschechischen Marke so gut, dass auch ein Vergleich mit Mercedes nicht mehr tollkühn erscheint. Frustrierte Dienstwagenfahrer, die keine Lust mehr haben auf die spartanischen Basismodelle aus München, Stuttgart oder Ingolstadt, signalisieren angeblich steigendes Interesse am Superb, heißt es bei Skoda Deutschland in Weiterstadt. Das Top-Modell der Marke ist billiger und für dieses Geld ungleich besser ausgestattet als die sogenannte Premium-Konkurrenz aus Deutschland. Mit dem Start des neuen Kombi ab Januar könnte die Versuchung noch größer werden.
Der Wagen sieht elegant aus, bietet reichlich Platz und ist mit einem Grundpreis von 23.950 Euro attraktiv positioniert. Bei einer Länge von 4,84 Metern bietet der große Bruder des Octavia Combi stattliche 633 Liter Stauraum, der sich durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf 1865 Liter erweitern lässt. Damit fehlen ihm zum neuen T-Modell der Mercedes E-Klasse lediglich 50 oder 100 Liter; und Fahrzeugen wie dem Passat Variant von VW oder dem Insignia Sportstourer von Opel ist der Skoda voraus. Erfreulich ist, dass der enorme Platz im Gepäckraum nicht zu Lasten der Hinterbänkler geht. Bei 2,76 Metern Radstand bleibt im Fond noch mehr als genug Beinfreiheit.
Es ist jedoch nicht allein die Tiefe des Raumes, die den Skoda Superb Combi auszeichnet. Daneben glänzt das Auto mit einer in der bürgerlichen Mittelklasse seltenen Liebe zum Detail: So gibt es neben Standards wie einer Dachreling, dem halbautomatisch funktionierenden Gepäckrollo oder dem doppelten Ladeboden auf Wunsch auch eine ausziehbare Bodenplatte, einen elektrischen Antrieb für die Heckklappe und - besonders helle - eine Kofferraumleuchte, die auch als Taschenlampe genutzt werden kann.
"Bei den Motoren für den Kombi orientieren wir uns an der Limousine", sagt Entwicklungsvorstand Eckhard Scholz mit Blick auf die drei Benziner mit 125, 160 oder 260 PS und die beiden Dieselaggregate, die aus zwei Litern Hubraum wahlweise 140 oder 170 PS schöpfen. Ebenfalls von der Limousine übernimmt Skoda die Option auf das Doppelkupplungsgetriebe sowie den Allradantrieb, der beim Top-Modell mit V6-Benziner serienmäßig und beim Benziner mit 160 sowie dem stärkeren der beiden Diesel optional bestellt werden kann.
Auf Testfahrt rund um den Lago Maggiore
Bei der ersten Testfahrt von SPIEGEL ONLINE gibt der Kombi den großen Gleiter, der wie ein gemütlicher Bär gelassen durchs südliche Alpenvorland tapst. Die den mitunter höheren Lasten angepasste Federung bügelt die schlechten Straßen rund um den Lago Maggiore herrlich glatt, und die Lenkung pariert auch bei engen Serpentinen. Natürlich würde man die Kurvenhatz über die Passstraßen lieber mit einem Auto machen, das handlicher und vor allem leichter ist. Doch wer auf der Urlaubsreise den regelmäßigen Stau in Airolo oder Göschenen umgehen will, muss im Superb den Gotthard nicht fürchten.
Keine Konkurrenz zu VW?
Natürlich fühlen sich die Skoda-Verantwortlichen geschmeichelt, wenn man den Superb mit einem Mercedes vergleicht. Doch die eigentlichen Wettbewerber sieht Hermann Schmitt, der Deutschland-Chef der Marke, eine Liga darunter. Vor allem den Ford Mondeo Turnier und den Opel Insignia Sports Tourer hat er im Blick, wenn er von 80 Prozent Eroberungskunden spricht.
Sonst ungeheuer stolz und selbstbewusst, werden die Skoda-Leute bei der Frage nach der Konkurrenz im eigenen Konzern eher kleinlaut. Dass der neue Superb Combi eigentlich der bessere VW Passat Variant ist, weil er mehr Stauraum bietet und rund 2400 Euro weniger kostet, mögen sie gar nicht gern hören. Und Passat-Kunden wolle man keineswegs abwerben, sagt Schmitt. "Unsere Aufgabe ist es, neue Kunden zu gewinnen und die alten im Konzern zu halten, aber nicht die Modelle des Mutterhauses zu attackieren", stellt Schmitt klar. Und falls doch einige überlaufen, sei das auch kein Drama. "Bei so vielen Passat-Typen fallen ein paar Superb doch gar nicht auf", rückt er die Größenordnung zurecht.
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