Fahrbericht Skoda Superb Gefühlskiste

Viel Platz für wenig Geld: Bislang regierte beim Kauf eines Skoda der Verstand. Das ist vorbei - bei der neuen Top-Limousine Superb kann endlich auch das Herz mitreden.

Von

Skoda

Als Autoredakteur wird man regelmäßig von Bekannten, die sich ein neues Auto kaufen wollen, um Rat gefragt. Es ist ein etwas deprimierendes Geschäft. Gewünscht ist fast nie Ausgefallenes wie Sportwagen oder Cabrios, sondern gefragt sind simple, schnöde Vernunftautos. Da sind dann selbst französische Familienkutschen oder ein Ford noch zu extravagant. Man merkt schnell: Die Bekannten wollen einen Volkswagen, aber für weniger Geld. Wie wär's mit einem Skoda?

Immer wieder landet man an diesem Punkt. Gut, Skoda hat für den Berater auch Vorteile: Es ist eine Empfehlung ohne Begeisterung, aber auch ohne Risiko. Skodas sind solide Autos für Menschen, denen Autos eigentlich egal sind.

Bis jetzt.

Im neuen Flaggschiff, dem Superb, dauert es eine Weile, bis man das sonst für diese Marke typische, praktische und nahezu unverwüstliche Hartplastik gefunden hat, mit dem bislang mehr oder weniger großzügig der Innenraum ausgekleidet war. In der neuen Vorzeige-Limousine aus Mladá Boleslav findet man es eigentlich nur noch an einer Stelle, wo es wirklich Sinn macht: Nämlich im unteren Drittel der Tür, als Verkleidung und Staufach zugleich, die beim Aus- und Einsteigen immer wieder Tritte kassiert. Stattdessen gleitet der Blick über hochwertige unterschäumte Kunststoffe, solide Blenden, schicke Stoffe. Man sitzt in diesem Auto und fragt sich: Ist das wirklich noch ein Skoda?

Schluss mit der B-Ware

Der Superb war immer schon angetreten, Glanz auf die Marke abzustrahlen, der Name sollte Programm sein. Doch bislang gelang das nicht. Ja, das Platzangebot von Skodas Größtem war eine Wucht, das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Aber als wäre alles Entwicklungsbudget in die inneren Werte geflossen, war das Design des Flaggschiffs total verhunzt. Proportionslos und pummelig standen die bisherigen Superbs auf der Straße. Der Superb war sozusagen das Äquivalent zum Einkauf bei Aldi: Viel im Wagen für wenig Geld, aber lieblos angerichtete Waren.

Hinzu kam, dass der Superb sich in der Hierarchie des Mutterkonzerns seinem Schwestermodell unterzuordnen hatte. Ja, das unglücklich gestaltete Blechkleid des Superb stand auf der Plattform des Passat. Allerdings der des Vorgängermodells, der Superb musste abgelegte Technologie auftragen.

Mit all dem ist jetzt Schluss, und das merkt man an vielen Stellen. Zum Beispiel beim Blick aus dem Fenster in den Seitenspiegel, dessen Gehäuse so viele Falze hat wie ein aufwendig gestaltetes Origami. Es mag ein Detail sein, aber eines, über das man sich beim Fahren immer wieder freut, denn es symbolisiert die Hingabe der Designer: Endlich wurde dem Superb nicht lustlos eine Karosserie zusammengeschustert, sondern ein eleganter Maßanzug geschneidert, und zwar, um im Bild zu bleiben, mit messerscharfen Bügelfalten.

Aus Lust an der Limousine

Wenn man vor dem Superb steht, die sanft geschwungene Dachlinie verfolgt und wie sie zum Heck ausläuft, reibt man sich unweigerlich die Augen. In vielen Städten sind seit Jahren Superbs als sogenannte VIP-Shuttles mit entsprechend großen Aufklebern auf den Flanken unterwegs. Bisher hatte man mit den Passagieren eher ein bisschen Mitleid, aber der neue Superb sieht tatsächlich aus wie eine repräsentative Limousine.

Und sie fährt sich auch so. Denn, auch das ist neu, der Superb steht erstmals nicht mehr auf der ausgedienten Plattform, sondern der aktuellen Bodengruppe des Passat und kann sich ohne Einschränkungen bei den Teilen aus dem MQB-Baukasten bedienen. Das Ergebnis ist ein Auto, in dem man beim Fahren nichts vermisst. Bis auf die Basisversion sind alle Varianten des Superb mit dem adaptiven DCC-Fahrwerk von VW ausgerüstet. Dieses lässt sich in den Stufen Comfort, Sport und Eco einstellen. Unser Favorit war der Comfort-Modus, denn der unterstreicht den klassischen Limousinencharakter des Superb am besten. Gelassen gleitet man dahin wie in einer Sänfte, erspart sich überflüssige Sport-Allüren.

Der Schaltknüppel des Sechsganggetriebes gleitet flüssig und ohne Hakeln durch die Gassen, der 190-PS-Turbodiesel brummelt gut gedämmt und leise vor sich hin, entwickelt aber bei beherzter Gaspedalbehandlung überraschendes Temperament. Dann zerrt der Superb ungestüm an den Vorderrädern und schießt nach vorn, was eigentlich nicht zu dem Wagen passt, aber beim Überholen auf der Landstraße trotzdem beruhigend ist.

Rein, rein, rein

Angenehm unaufgeregt ist auch das Interieur, es verkneift sich effekthascherische Spielereien und hat doch Charakter. Die dezente Zackigkeit der Karosseriedesigns findet sich auch hier wieder, zum Beispiel in den Türgriffen oder in den Lüfterdüsen. Etwas schrullig ist das umlaufende LED-Band auf Türen und Armaturenbrett, zumindest in unserem Testwagen: Es stehen dafür unterschiedliche Farben zur Auswahl, bei uns wurde Grün verbaut. Das mag zwar die Skoda-Farbe sein, macht durch das giftige Licht die ganze Sache aber etwas ungemütlich.

Auch in den Digitaldisziplinen ist der Superb auf der Höhe: Das Menü auf dem zentral angeordneten Bildschirm gibt keine Rätsel auf, sondern ist intuitiv zu bedienen und bietet schnelle Kopplung mit dem Smartphone. Hier lassen sich auch die Fahrzeugparameter einstellen und die Assistenzsysteme steuern. Und derer gibt es einige: aktiver Spurhalteassistent, Müdigkeitserkennung, Fernlichtassistent - auch hier schöpft der Skoda in vollem Umfang aus dem Konzernregal.

Das Beste dabei: Trotz des schnieken Aussehens und der modernen Ausstattung bleibt sich der Skoda treu. Wer schön sein will, muss leiden? Nö. Gut - die Kopffreiheit im Fond ist durch die flach abfallende Dachlinie etwas eingeschränkt. Dafür gibt es Beinfreiheit wie in der Stretch-Limo und einen Kofferraum, in den man am liebsten mit dem Quad hineinfahren möchte. Denn der ist nicht nur gigantisch groß, sondern verfügt auch über eine überdimensionale Klappe: Wo sonst ein kleiner Blechdeckel aufgeht und eine Luke freigibt, in die man Kinderwagen und ähnliches mühsam einfädeln muss, klappt beim Skoda der ganze Heckbereich inklusive Scheibe auf und öffnet sich zu einem gigantischen Schlund, der wahrhaft alles verschluckt.

Bittere Botschaft für den Passat

Und natürlich sind auch beim Superb die obligatorischen "Simply Clever"-Features an Bord, für die Skoda inzwischen berühmt ist: Der Eiskratzer im Tankdeckel, die Regenschirme in der Türverkleidung, die herausnehmbare Kofferraumleuchte. Und was noch fehlt, kann geordert werden, wie zum Beispiel die ausgeklügelte, klappbare Anhängerkupplung mit integriertem Stecker. Zieht man einen Griff im Kofferraum, klappt sie unter der Heckschürze heraus und verschwindet ebenso unsichtbar wieder, wenn sie nicht mehr gebraucht wird.

Und so stand am Ende des Testzeitraums eine überraschende Erkenntnis und eine Frage: Dies ist tatsächlich mal ein Skoda, den man nicht nur guten Gewissens, sondern mit Begeisterung empfehlen kann. Nur was VW dazu sagt, das würde man gerne wissen. Denn bislang war der Passat immer eine Spur besser, schicker, moderner und teurer. Aber angesichts dieses Superb braucht den eigentlich niemand mehr.

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 140 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
extrafit 13.10.2015
1. Der Super B
Der Super B ist ein nettes Auto. Alle Gleichgesinnten loben sich bestimmt über das ausgefallene Design ihres neuen Wagen.
huckzuck 13.10.2015
2. Grundsolide, aber langweilig
Also mit Herz — ich weiß nicht. Der neue Superb ist ein reines Vernunftauto. Hatte den letzte Woche zum Test. A6 Avant 2.7 TDI (2008er Modell, 180PS, Multitronic, adaptive Dämpfer) abgestellt und zur Probe in Superb mit 220PS Benzin Automatik gewechselt. Also los — whoops, was’n das: Automatik-Ruckel-Feeling, nicht schlimm, aber … dazu zähes Turboloch. Hat der Superb erst mal Drehzahl ist es ein angenehmes Fahren. Sonst schwammige, nervöse Lenkung, sänftenhaftes Fahrwerk. Wer es mag, OK. Trotz dessen, dass es ein großes Auto ist, fühlt man sich im Superb gerade vorne etwas eingeengt. Auch optisch wirkt der Wagen schmaler als der alte A6. Haptische Qualität ist i.O. Grässlich ist die Piano-Glanz-Optik rings um das digitale Gedöns, da können die sich noch soviel Mühe geben — wirkt billig und ist sicher extrem anfällig für Kratzer. Lautsprecher in dem Testwagen — grauenhaft dünnes Geschepper. Navi/Radio etc. alles sehr flüssig, aber intuitiv bedienbar: nein! Auf der Autobahn geht der Motor sehr gut, tolle Beschleunigung (merkt man, dass der Superb leihcter als der A6 ist) und auch die Automatik ist hier nicht zu spüren. Aber Fahrgeräusche relativ hoch, trotz Benziner. Verbrauch, nun ja — stand was von 9,2 L im Durchschnitt. Trotz allem, nach 30 Minuten stand der Wagen wieder beim Händler. Das hat einfach nicht gekickt, oder ich schon zu verwöhnt :)
pauschaltourist 13.10.2015
3.
Kein einziges Bild vom Kofferraum. So sind sie, die "Autotests" bei Spiegel-Online... Der Superb besitzt übrigens ein mittlerweile selten gewordenes Feature: Die Limousine ist trotz Stufenheck-Optik ein praktisches Fließheck-Fahrzeug.
thlogical 13.10.2015
4. und
Was machen die Stickoxitwerte des neuen. Kein Wort über den Motor. Kein Wort über die wesendlichen Dinge Preis und Leistung. Wozu schreibt ihr diesen Schei... hier eigentlich noch. Trauriger Artikel über ein zu teures Auto den wenn man nur wenig ausgibt bekommt man eben auch bei Skoda nur wenig oder die Aufpreis Liste nicht gesehen.
sodaso 13.10.2015
5. Ein Traumauto...
...zeichnet sich durch Zuverläßigkeit und ein gutes Kosten/Nutzen-Verhältnis aus. Beides scheint hier gegeben zu sein. Die Geldersparnis kann man dann anderweitig ausgeben. :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.