Skoda Yeti: Fabelhafter Geländegänger mit Vernunft

Von Tom Grünweg

Das mutmaßliche Original aus dem Himalaya ist offenbar ein Vorbild. Skodas Kompakt-SUV Yeti ließ sich bislang nur sehr selten und dann nur sehr kurz blicken. Demnächst, nach zahlreichen Messe-Auftritten, geht das Auto an den Start. SPIEGEL ONLINE saß bereits am Steuer.

Was haben Reinhold Messner und der Vorstand der Automarke Skoda gemeinsam? Sie glauben an den Yeti. Zwar ist der Bergsteiger den Beweis für die Existenz des Fabelwesens aus dem Himalaya bislang schuldig geblieben, die tschechische VW-Tochter Skoda hingegen schickt nun ein Auto dieses Namens gleich tausendfach auf die Straßen. Der kompakte Geländewagen soll eine Alternative zu Autos wie dem VW Tiguan oder dem Suzuki Grand Vitara sein.

Gut vier Jahre nach dem Debüt der ersten Studie auf dem Autosalon in Genf kommt der Yeti der Marke jetzt gerade recht. Denn "das Segment der kompakten SUV ist eines der wenigen, das trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten noch Zuwachs verzeichnet", sagt Skoda-Chef Reinhard Jung. Während großkalibrigen Geländewagen der kalte Wind der Kritik entgegen schlägt, geht der Yeti auf Kuschelkurs. Kein bisschen martialisch oder muskulös, sondern freundlich und friedlich wirkt der Wagen.

Die Kanten sind sanft gerundet, die Frontpartie scheint brav zu lächeln, die Scheinwerfer wirken wie Kulleraugen, und das Format passt perfekt in die Kompaktklasse: Mit einer Länge von 4,22 und einer Höhe von 1,69 Metern macht er sich kleiner als die meisten Wettbewerber. Dass der Yeti trotzdem für mehr Abenteuer taugt, als der Alltag zu bieten hat, lässt sich an der schwarzen Bauchbinde erahnen, die den Lack vor Steinschlag schützen soll, sowie am angedeuteten Unterfahrschutz an Front und Heck.

Ein kompakter SUV, der sich kaum Blößen gibt

Bei der ersten Testfahrt von SPIEGEL ONLINE gab der Skoda Yeti auf der Straße eine gute Figur ab. Man genießt zwar die erhöhte Sitzposition, behält aber dennoch ein gutes Gefühl für die Straße und schwebt nicht über den Dingen. Das Fahrwerk ist grundsolide, die Lenkung sauber abgestimmt, und obwohl der Schwerpunkt etwas höher liegt, macht der Yeti auch in schnellen Kurven noch viel Spaß - ohne übertriebenes Wanken.

Für Himalaya-Expeditionen taugt der Allradler sicher nicht. Doch kann der Wagen auch abseits fester Straßen mehr, als man ihm auf den ersten Blick zutraut: 18 Zentimeter Bodenfreiheit, kurze Überhänge und ein Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung reichen aus, um über zerfurchte Feldwege, schlammige Wiesen und auch mal durch einen flachen Bach zu fahren. Für Baggersee, Badestrand und Kiesgrube ist das Auto allemal gerüstet. Und wenn es brenzlig wird, hilft die Elektronik: Eine Hill Decent Control bugsiert den Yeti ganz langsam steile Abfahrten hinunter, und das ESP reagiert auf Sand oder Schotter mit mehr Feingefühl.

Zwei Benziner und drei Dieselmotoren in Angebot

In Fahrt bringen den Yeti wahlweise fünf Motoren, die ebenfalls von Skodas Kuschelkurs zeugen. Zumindest die Basisversionen gibt es auch ohne Allradantrieb, so dass der Yeti ab 17.990 Euro beim Händler steht. Die günstigste Diesel-Version mit 110-PS-Selbstzünder und Allradantrieb kostet 22.690 Euro. Und statt aufzurüsten wie manche Konkurrenzmarke setzt Skoda auf Downsizing und bietet einen Vierzylinder mit lediglich 1,2 Liter Hubraum an, der aber dank Turbo und Direkteinspritzung (TSI-Technik) auf 105 PS kommt.

Als zweiten Benziner gibt es einen 1,8-Liter-TSI mit 160 PS und darüber hinaus drei Varianten des Zweiliter-Commonrail-Dieselmotors mit wahlweise 110, 140 oder 170 PS. Mit einem sehr dezenten Grummeln macht der kultivierte Vierzylinder auf jedem Meter seine Überlegenheit gegenüber den bisher eingebauten Pumpe-Düse-Dieseln deutlich und bringt den Yeti flott in Fahrt. Schon das 110 PS-Modell reicht für das normale Geschäft vollkommen aus. Wer auf die 140-PS-Variante wechselt, paart Vergnügen mit Vernunft. Denn 320 Nm reichen für einen Sprintwert von 9,9 Sekunden, das Spitzentempo liegt bei 190 km/h, und trotzdem ist dieser Yeti mit 6,1 Litern Durchschnittsverbrauch zufrieden.

Unterm Blech gibt es Gemeinsamkeiten mit dem VW Golf

Auf den ersten Blick sieht der Yeti aus wie das Modell Roomster für Rabauken. Doch die Gemeinsamkeiten sind überraschend gering, erläutert Skoda-Sprecher Christoph Ludewig. Während der kompakte Van aus Komponenten der Typen Fabia und Octavia zusammengefügt wurde, nutzt der neue SUV den Baukasten der aktuellen VW-Golf-Familie. "Aus dem Roomster haben wir nur die Rückbank übernommen", sagt Ludewig. Die besteht aus drei getrennten Sitzen, die sich einzeln verschieben, umklappen, aufstellen oder ausbauen lassen, so dass das Kofferraumvolumen von 416 bis 1760 Liter variiert. Und wenn man die äußeren Sessel vor dem umgelegten Mittelplatz ein wenig nach innen fährt, wird der Yeti zum Viersitzer und bietet erstaunlichen Sitzkomfort im Fond.

Es sieht so aus, als sei Skoda mit dem Yeti ein echter Wurf geglückt. Prompt behauptet Skoda-Chef Jung, "der Yeti hat das Zeug, in dieser Klasse ganz vorn mitzufahren". Entsprechend optimistisch sind die Absatzerwartungen. Skoda rechnet in Deutschland in einem vollen Jahr mit 15.000 Zulassungen des Modells. Spätestens dann hat auch Reinhold Messner kein Problem mehr, die Existenz des Yeti nachzuweisen - vielleicht nicht im Himalaya, aber zumindest in Hildesheim oder Hintertupfing.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Yeti
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 6,1 Liter
CO2-Ausstoß: 159 g/km
Kofferraum: 416 Liter
umgebaut: 1.760 Liter
Preis: 25.000 EUR

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