Smart CDI: Das Feigenblatt

Von Tom Grünweg

Der Smart CDI sei das "richtige Auto zur richtigen Zeit", sagt Markenchef Anders Jensen. Kein anderes Serienfahrzeug ist sparsamer, keines stößt weniger CO2 aus als der neue Diesel, der nun für 11.200 Euro anrollt. Umweltschützer üben dennoch scharfe Kritik.

Was den Radfahrern der Doping-Skandal, das ist für den Smart die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Hätte sie nicht den offenen und damit weniger leistungsfähigen Rußpartikelfilter des neuen Diesel-Smart angeprangert, könnten die Schwaben den neuen Selbstzünder in ihrem Citymobil ganz ungeniert als CO2-Champion feiern. Denn mit einem Verbrauch von 3,3 Litern und einem Kohlendioxidausstoß von 88 Gramm pro Kilometer ist der neue Smart CDI das derzeit sparsamste und klimafreundlichste Auto auf dem Markt.

Doch so ganz ungetrübt ist die Champagnerlaune nicht: Ausgerechnet die Umwelthilfe sieht Flecken auf der weißen Öko-Weste und hat kurz vor der Präsentation sogar ein Gerichtsverfahren gewonnen: Seitdem darf Smart nicht mehr mit den "extrem niedrigen Emissionswerten" werben. Die DUH jubelt.

Ein Start ohne Streit wäre ihm selbstverständlich lieber gewesen, sagt Anders Jensen, der das Smart-Markenteam in Stuttgart leitet. Doch in der Sache bleibt er hart. Der Smart unterbiete deutlich alle geltenden Grenzwerte. "Und auch wenn andere anderes behaupten: Wir werden unsere Werbung nicht ändern", dementiert er entsprechende Berichte. "Das müssen wir auch nicht, denn dass wir der CO2-Champion sind, ist und bleibt unumstritten", beharrt der Smart-Chef. "Es gibt keinen anderen Hersteller, der ein Auto mit weniger als 90 Gramm CO2-Ausstoß anbieten kann", sagt er und teilt gleich noch in Richtung Wolfsburg und Ingolstadt aus. Während deren Sparmodelle längst wieder vom Markt genommen wurden, sei der Smart CDI mit mehr als 140.000 Exemplaren in der ersten Generation das "erfolgreichste Drei-Liter-Auto der Welt".

Die Smart-Verantwortlichen geben sich arglos

Warum sich die Kritiker trotzdem auf den Zweisitzer eingeschossen haben, kann Jensen nicht verstehen. Denn die allermeisten Autos in dieser Klasse bieten überhaupt keinen Rußpartikelfilter, schimpft er. "Und wenn es einen gibt, dann kostet der in der Regel bis zu 600 Euro Aufpreis." Selbstverständlich weiß auch Jensen, dass der geschlossene Filter die bessere Lösung wäre. "Aber 30 bis 40 Prozent weniger Partikel sind besser als nichts", klagt er mit Blick auf die ungefilterten Wettbewerber.

Dabei ist es nicht so, dass Smart blauäugig in die Diskussion gegangen wäre oder sich mit dem offenen Filter begnügen wollte. Nur zum Start des neuen Modells sei ein voll integrierter Filter einfach nicht möglich gewesen. Sonst wäre der Wagen aus dem Preisrahmen gefallen , der mit 11.200 Euro für das Coupé und 14.400 Euro für das Cabrio ohnehin schon arg gedehnt ist. "Bei einem Mini für knapp 20.000 Euro kriegt man das leichter unter", sagt Jensen. Außerdem seien die Techniker einfach noch nicht so weit gewesen.

Denn anders als bei größeren Motoren müsse man bei einem so winzigen Dreizylinder sehr sensibel zu Werke gehen, wenn man den Filter integriert. Sonst verliere man so viel Leistung und erhöhe den Verbrauch so drastisch, dass man die weiße Weste in Sachen Rußpartikel an der Tankstelle teuer bezahlt, erläutert Jensen. Doch bald soll das Thema vom Tisch sein. "Im nächsten Jahr wird es auch einen geschlossenen Filter geben – und zwar ohne Änderung der Preise."

Ein Drei-Liter-Auto, das sich auch verkauft

Zum Marktstart hätten man aber erst einmal andere Prioritäten gesetzt. "Wir wollten den Verbrauch senken und gleichzeitig den Fahrspaß erhöhen", sagt Jensen und verweist auf einen deutlichen Fortschritt für den kleinen Diesel, der noch immer ein bisschen klingt wie eine stotternde Nähmaschine. Statt 3,8 Liter verbraucht er jetzt nur noch 3,3 Liter. Das sind 13 Prozent weniger. Weil zudem das Tankvolumen verdoppelt wurde, reicht der Sprit nun für 1000 Kilometer oder von Berlin nach Paris, rechnet Anders vor. Zwar erscheint der Winzling trotz des verbesserten Fahrwerks noch immer nicht als idealer Langstreckenwagen, doch profitiert man vom gezügelten Durst auch in der Stadt. Öfter als einmal im Monat muss man kaum an die Zapfsäule, und für nicht mal 40 Euro ist der Tank schon wieder voll.

Allein mit dem gesenkten Verbrauch waren die Ingenieure allerdings nicht zufrieden. Wie bei den Benzinern wollten sie auch beim Diesel den Fahrspaß steigern und haben deshalb gleichzeitig Leistung und Drehmoment um etwa zehn Prozent angehoben. "Jetzt muss niemand mehr Angst haben, wenn er auf die Autobahn einfädeln oder eine dicht befahrene Straße überqueren möchte", fasst Jensen die Kritik früherer Dieselfahrer zusammen und stellt nun 45 PS und maximal 110 Nm in Aussicht. Ein Ausbund an Temperament ist der kleinste Diesel-Direkteinspritzer der Welt noch immer nicht. Schließlich vergehen bis Tempo 100 lange 19,8 Sekunden, und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h fährt man den meisten anderen Neuwagen hinterher. Auf der Landstraße oder gar auf der Autobahn ist das nicht immer ein Vergnügen. Doch in der Stadt ist der Smart meist vorn dabei. Und was ihm an Spritzigkeit fehlt, macht er mit Wendigkeit wieder wett.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Smart
Typ: CDI
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Diesel
Hubraum: 799 ccm
Leistung: 45 PS (33 kW)
Drehmoment: 110 Nm
Von 0 auf 100: 19,8 s
Höchstgeschw.: 135 km/h
Verbrauch (ECE): 3,3 Liter
CO2-Ausstoß: 88 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 220 Liter
umgebaut: 340 Liter
Preis: 11.200 EUR
Fotostrecke
Smart CDI: Geiz auf Rädern


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