Autogramm Smart Forfour ED Länger läuft kürzer

Mit dem Forfour ED bringt Smart jetzt erstmals auch den Viersitzer mit Elektroantrieb auf den Markt. Der Wagen bietet zwar mehr Platz als der Zweisitzer - hat aber weniger Reichweite.

Daimler

Der erste Eindruck: Der Smart Forfour sieht aus wie ein Riesenbaby. An den knuddeligen Fortwo hat man sich inzwischen gewöhnt, der Viertürer jedoch wirkt wie ein Microcar im falschen Karosseriekörper.

Das sagt der Hersteller: Verglichen zu Opels neuem Elektroauto Ampera-E sind Speicherkapazität und Reichweite des Forfour ED mickrig: Der Opel hat einen 60-kWh-Akku mit 520 Kilometer Reichweite (das ist allerdings der weltfremde Wert, der auf dem Normzyklus gemessen wird - in der Praxis sind es rund 350 Kilometer). Der Smart hat einen 17,6-kWh-Akku mit angeblichen 155 Kilometer Reichweite. Ein Smart-Sprecher sagt, dass man bewusst auf das Wettrüsten bei den Stromspeichern verzichtet habe: "Der Smart ist und bleibt ein Stadtauto und entsprechend wurden Reichweite und Ladekomfort dimensioniert."

Man könnte es auch so sagen: Als Viersitzer ist der Smart Forfour erst recht ein Stadtauto, den selbst die Zweisitzer-Varianate Fortwo ED hat mehr Reichweite - auf dem Papier sind es fünf Kilometer. Das liegt daran, dass der Akku in beiden Modellen gleich groß ist, der Forfour aber mehr Gewicht hat. Längere Touren übers Land oder gar Autobahnetappen sind da fast ausgeschlossen.

Das ist uns aufgefallen: Einerseits, wie gering die Reichweite beim Forfour ist, gemessen an einem Viersitzer - in der Praxis muss er nach 100 Kilometern schon wieder an die Steckdose. Andererseits, dass diese Reichweite eben völlig ausreicht, wenn man mit dem Auto nur in der Stadt unterwegs ist. Beschränken sich die gewöhnlichen Wege nur auf 15 bis 30 Kilometer, so wie bei vielen Kleinwagenfahrern üblich, geht das Konzept auf.

Natürlich linst man anfangs viel öfter und nervöser auf die Akku-Anzeige, doch allmählich fasst man dann Vertrauen in den Steckdosen-Smart. Zudem passt das Navigationssystem die Streckenführung an die noch verfügbare elektrische Energie an und weist stets auf die nächstgelegene Ladesäule hin.

Mehr Details zum neuen Smart Forfour im Video:

Tom Grünweg

Der eher kleine Akku hat außerdem einen großen Vorteil hat: Der Preis bleibt vergleichsweise niedrig. Der Smart ist geschätzte 7000 Euro günstiger als der Opel Ampera-E und immer noch einige Tausender billiger als zum Beisiel der VW e-up.

Obendrein gibt es auch noch einen Rest von Kofferraum, selbst wenn die Kabeltrommel auch etwas Platz benötigt. Überhaupt passt der Elektroantrieb ziemlich gut zu diesem Auto. Wenn irgendwo das spontane Beschleunigungsvermögen etwas bringt, dann beim permanenten Ampel-Hopping. Im Stadtverkehr hat auch die Ruhe des lautlosen Motors ihren Reiz. Auch der winzige Wendekreis und der geringe Parkplatzbedarf sind Vorteile, da schlägt sich der Viertürer kaum schlechter als der Zweitürer-Smart.

Im Winter ist allerdings etwas Mit- und Umdenken gefragt: Um den zusätzlichen Energieverlust der Heizung so gering wie möglich zu halten, sollte der Wagen möglichst schon dann vorgeheizt werden, wenn er noch an der Steckdose hängt. Das funktioniert per App. Außerdem wird für den Smart erstmals eine Lenkradheizung als Extra angeboten, denn die braucht weniger Energie als eine Klimaanlage und trägt in einem ausgekühlten Auto dennoch zu einem etwas wohligeren Gefühl bei.

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Autogramm Smart Forfour ED: Platz da, Reichweite weg

Das muss man wissen: Die Preise für den Smart Forfour ED beginnen bei 22.600 Euro und liegen damit 660 Euro über dem Smart Fortwo. Der Viersitzer kommt wie der Fortwo ED ab Frühjahr in den Handel, beide Autos nutzen identische Technik. Die E-Maschine leistet 60 kW (81 PS) und entwickelt ein maximales Drehmoment von 160 Nm. Der Lithium-Ionen-Akku im Unterboden verfügt über 96 Zellen und 17,6 kWh Speicherkapazität.

An einer Haushaltssteckdose ist die Batterie nach sechs Stunden zu 80 Prozent geladen; mit einer Wallbox in der Garage dauert es 3,5 Stunden. Ab Herbst soll zudem ein Schnellladesystem angeboten werden. Wenn man dann an eine 22-kW-Ladesäule fährt, reichen weniger als 45 Minuten für 80 Prozent Akkubefüllung.

Das werden wir nicht vergessen: Bei anderen Elektroautos kann man zwischen unterschiedlichen Rekuperationsstufen wählen, und beim neuen Opel Ampera-E gibt es zum Einstellen der Energierückgewinnung sogar eine Art Handbremshebel am Lenkrad. Smart setzt stattdessen auf eine andere Technik: Per Radar blickt das Auto voraus und passt die Rekuperationsleistung automatisch in fünf Stufen den Verkehrsverhältnissen an - vom Segeln im Leerlauf bei freier Bahn bis hin zum starken Verzögern bei dichtem Verkehr. In dieser Hinsicht beweist das Auto Weitblick.

Fahrzeugschein
Hersteller: Smart
Typ: Forfour ED
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: Einganggetriebe
Antrieb: Heck
Leistung (E-Motor): 81 PS (60 kW)
Drehmoment (E-Motor): 160 Nm
Von 0 auf 100: 12,7 s
Höchstgeschw.: 130 km/h
CO2-Ausstoß: 0 g/km
Kofferraum: 185 Liter
umgebaut: 975 Liter
Gewicht: 1.200 kg
Maße: 3495 / 1665 / 1554
Preis: 22.600 EUR
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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
spiegkom 24.02.2017
1. Komisch
Nach den vollmundigen Ankündigungen der Automobilindustrie für E-Autos in 2017 und die folgenden Jahre dachte ich, dass die technischen Probleme nun gelöst wären (Reichweite,Aufladen etc.). Wohl alles nur Schall und Rauch. Mir tun die Autmobilredakteure echt leid. Die müssen angesichts der Misere immer was Positives suchen. Ok, gibt es ja genügen, wie z.B der Navi-Bildschirm ist jetzt 8,2 Zoll groß etc.
kenterziege 24.02.2017
2. Ein Smart-Sprecher spricht von Ladekomfort....
....welch' eine blasphemische Aussage zum kleinen Akku! Nur weil so ein Winzling von Akku nach 4 Stunden wieder fast voll geladen ist, wird die Begriffe "Ladekomfort" und "Optimierung" eingesetzt. Mich erinnert das an die Schönrederei der Mängel im Sozialismus. Aber so sind die Jünger einer Ideologie immer: Sprüche über Sprüche!
herm16 24.02.2017
3. wieder
ein Schritt in die Elektro Richtung. Das wird schon!
tueftler 24.02.2017
4. ...
Sinnvolles Konzept. Für die Fahrt in den Urlaub braucht es eh etwas anderes. Auch der variable Rekuperationsmodus: Chapeau! Jetzt brauchen wir in den Ballungsräumen nur noch sinnvolle Ladestrukturen.
lobivia 24.02.2017
5. Schade- Elektro ist teuer und reicht einfach nicht.
Ich hätte ja Interesse, aber ich bleibe wohl bei meinem Benziner-Fortwo. Die Elektrokarre bietet genau das nicht, was ein Auto konzeptionell auszeichnet: Vor allem Flexibilität, aber auch Reichweite. Letztendlich soll uns das Autofahren wohl abgewöhnt werden. Eines noch: Ich sehe keinen Platzgewinn, viersitzige Kleinwagen sind etwas für Frauen und Kinder, für alle anderen ab Durchschnittsgröße ein fauler Kompromiss.
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