Smart Forfour Lockere Dehnübung

Bisher lächelten Smart-Fahrer bei der Parkplatzsuche, künftig lächeln sie auch bei Kleingruppen-Ausflügen. Das Zwergauto wurde auf Kleinwagenmaß gedehnt und wird nun als Fünftürer mit maximal fünf Plätzen unter dem Namen Forfour verkauft.

Von Jürgen Pander


Smart Forfour: Für eine Schnittmenge aus trendbewussten Praktikern und praktisch veranlagten Trendsettern

Smart Forfour: Für eine Schnittmenge aus trendbewussten Praktikern und praktisch veranlagten Trendsettern

Ein Fünftürer mit fünf Plätzen unter dem Namen Forfour? Nein, das mit dem Namen ist kein Versehen. Denn üblicherweise wird der Smart als Viersitzer ausgeliefert, und eigentlich hat er ja auch nur vier Türen, denn am Heck sitzt genau genommen keine Tür, sondern eine Klappe. Die öffnet den Zugang zum Gepäckabteil, das übrigens bei komplett umgeklappten Rücksitzen maximal 910 Liter fasst. Auch das ein Wert, der Smart-Fahrern bislang für utopisch hielten.

Man kann die Idee vom 2,50 Meter kurzen Minimalmobil jedoch dehnen. Die kleine Mercedes-Marke hat das bereits im vergangenen Jahr mit dem Roadster demonstriert, der 3,43 Meter misst. Der neue Forfour kommt auf 3,75 Meter und erreicht damit ziemlich genau einen Mittelwert zwischen dem Mini (3,62 Meter) und dem VW Polo (3,89 Meter).

Das trifft übrigens nicht nur fürs Längenmaß zu, sondern auch für die Positionierung. Einerseits soll der Forfour ein Trendauto werden, andererseits bitteschön auch möglichst große Kundengruppen ansprechen. Heraus kommen könnte eine Schnittmenge aus Mini- und Polo-Interessenten, aus trendbewussten Praktikern und praktisch veranlagten Trendsettern.

Erster Sprössling der Smart-Mitsubishi-Kooperation: Der Fourfour teilt mit dem Mitsubishi Colt rund 40 Prozent der Komponenten

Erster Sprössling der Smart-Mitsubishi-Kooperation: Der Fourfour teilt mit dem Mitsubishi Colt rund 40 Prozent der Komponenten

Beleben wird der Forfour das Kleinwagensegment auf jeden Fall. Allein schon wegen seiner Optik. Der Zweifarb-Look, das sportlich geduckte Design, die muntere Frontpartie, die weit nach außen gesetzten Räder und vor allem der fröhlich gestaltete Innenraum lassen die meisten anderen Autos dieser Größe ziemlich mickrig aussehen. Außerdem stellt sich hinterm Zweispeichen-Lenkrad recht schnell gute Laune ein, denn der Forfour ist ein sehr agiles Gerät.

Wir waren mit dem mittleren der drei Benzinmotoren unterwegs (ein Drei-, zwei Vierzylinder), dem 1,3-Liter-Vierzylinder mit 95 PS (70 kW). Die Maschine bewegt den Wagen behände und flott, die Fünfgang-Schaltung und die angenehm direkte Lenkung vermitteln das Gefühl, in einem sorgfältig abgestimmten Fahrzeug unterwegs zu sein. Einzig mit dem Benzinverbrauch waren wir unzufrieden: Zwar kann sich der offizielle Wert von 5,8 Liter sehen lassen, doch nach einer Stunde im dichten Stadtgewühl meldete der Bordcomputer mehr als elf Liter Durchschnittsverbrauch. Das ist dann doch happig.

Ob der Rechnerchip übertrieben hat, die Einspritzanlage oder der Fahrer, das war spontan nicht zu klären. Im moderaten Mixverkehr dürfte jedoch die 1,3-Liter-Variante eine gute Wahl sein. Diese Version wird übrigens in den ersten Wochen nach dem Verkaufsstart am 24. April das Basismodell sein, ehe der Wagen ab Juni auch mit einem 1,1-Liter-Dreizylinder-Benziner (75 PS / 55 kW) angeboten wird - zum Preis von 12.990 Euro.

Exakt 1000 Euro weniger wird die identisch motorisierte Einstiegsvariante des Mitsubishi Colt (ab Ende Mai) kosten, ein Auto, mit dem sich der Smart Forfour rund 40 Prozent der Komponenten teilt. Die beiden neuen Kleinwagen sind die ersten Sprösslinge aus der Allianz zwischen DaimlerChrysler und Mitsubishi und laufen gemeinsam im niederländischen Born vom Band.

So eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist das mit der Preisdifferenz allerdings nicht. Denn während Mitsubishi für den um zwölf Zentimeter längeren Colt ein elektronisches Stabilitätsprogramm nur gegen Aufpreis anbietet, ist ESP im Forfour ab Werk installiert; außerdem vier Scheibenbremsen, ABS und vier Airbags. Und in Imagebewertungen oder Trend-Rankings dürfte der Forfour ohnehin deutlich vor dem Colt liegen.

Der Gepäckraum des Forfour fasst bis zu 910 Liter: Ein Zwergauto wurde auf Kleinwagenmaß gedehnt

Der Gepäckraum des Forfour fasst bis zu 910 Liter: Ein Zwergauto wurde auf Kleinwagenmaß gedehnt

80.000 Exemplare des Forfour möchte Smart im ersten vollen Verkaufsjahr 2005 verkaufen. Die Marke setzt auf Wachstum in jeder Hinsicht. Denn 2006 soll wiederum ein größeres Modell auf den Markt rollen: der Smart Formore, ein Geländewagen-Ableger des jetzt vorgestellten Forfour. Mit dem wird Smart dann den Sprung auf den US-amerikanischen Markt wagen. Und dort wird die junge Marke aus dem alten Europa wieder ganz klein und bescheiden anfangen - zwischen Monstertrucks und Saurier-SUVs.



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