Von Tom Hillenbrand
Ob's an der Hitze liegt? Als wir nach einem kurzen Zwischenstopp wieder in unseren Testwagen klettern wollen, stutzen wir etwas. War der nicht eben noch froschgrün? War er, aber jetzt stehen wir vor einem alten, in schwarz lackierten Smart. Der hat neben unserem geparkt.
So etwas könnte öfter vorkommen - denn den neuen Smart Fortwo vom Vorgängermodell zu unterscheiden, ist nicht ganz einfach. Die Abmessungen des aufgefrischten Kleinstwagens sind gleich geblieben, ebenso die Silhouette. Viele Autohersteller nutzen sogenannte Facelifts nach der Hälfte der Modellaufzeit, um ihre Fahrzeuge optisch kräftig aufzumöbeln. Auf dass neu wirke, was eigentlich schon oll ist.
Nicht so Smart. Offensichtlich gefällt der Daimler-Tochter das Wägelchen so, wie es ist. Zu den aufsehenerregenden optischen Neuerungen des Exterieurs gehören Tagfahr-LEDs und, der Wahnsinn, ein nunmehr lackierter Tankdeckel. Da darf man konstatieren, dass hier eigentlich nichts gemacht wurde.
Musste vielleicht aber auch nicht. Der Kleinstwagen dümpelte lange Zeit vor sich hin und galt konzernintern als monetäre Sickergrube. Inzwischen jedoch ist das Konzept des wendigen Stadtautos aktueller denn je. Und der Smart sieht, trotz seines Alters von inzwischen fast zwölf Jahren, immer noch erstaunlich jung aus.
Immer noch der alte Sparfuchs
Etwas mehr hat sich im Innenraum getan. Neue Stoffbezüge auf den Konsolen und an den Türen lassen das Interieur gediegener wirken, die Instrumente wurden komplett erneuert. Außerdem gibt es vorne eine höchst nützliche Ablagebox und Netztaschen an den Sitzen.
Auch bei den Motoren ist nicht allzu viel passiert. Immer noch gibt es den Smart mit einem kleinen Dieselaggregat (54 PS), das einen Normverbrauch von 3,3 Litern aufweist. Der ist zwar im alltäglichen Fahrbetrieb nicht ganz zu halten - aber selbst 4 Liter sind ja noch ein prima Wert.
Bei den beiden kleineren Benzinern (61 und 71 PS) hat Daimler etwas nachgebessert, um den Verbrauch nochmals ganz leicht zu senken - so dass es auf dem Papier mit 97 Gramm CO2 je Kilometer weiter für eine Top-Platzierung reicht.
Das geborene Elektroauto
Smart-Chef Marc Langenbrinck setzt mittelfristig auf ein ganz anderes Antriebskonzept: Den Elektromotor. 1500 Fahrzeuge mit Akkus an Bord sind derzeit in einem größeren Beta-Test im Einsatz. Für 2012 ist die Großserie des Smart Electric Drive geplant - dann kommen auch Normalo-Kunden zum Zug.
"Electric Drive", sagt Langenbrinck, "ist die eigentliche Natur des Smart." Das klingt ein bisschen schwülstig, aber der Mann hat recht: Während vor allem der Smart cdi seinen Piloten mitunter durch wunderliche Schaltvorgänge nervt und an Steigungen soviel Spritzigkeit entfaltet wie ein fahrender Altglascontainer, ist die Elektroversion ein Traum.
Der Smart Electric Drive bewegt sich flott, spritzig - weil nahezu das volle Drehmoment von Beginn an zur Verfügung steht, lässt er an der Ampel die fossile Fraktion mühelos stehen. Einige Elektroversionen herkömmlicher Autos besitzen das Fahrverhalten eines Aufsitzmähers. Nicht so der Smart. Zu kaum einem anderen Autokonzept passt der E-Antrieb derart gut.
135 Kilometer schafft der Strom-Smart, was für ein reines Stadtauto völlig ausreichend ist. Ein hübsches Gimmick ist die dazugehörige iPhone-App. Die zeigt einem an, wie weit man mit der Akkuladung noch kommt. Und wenn der Smart an der Steckdose hängt, kann man per Telefon checken, wie lange der Ladevorgang noch dauert.
Der neue Smart ist, wie schon der alte, ein sehr ordentliches Stadtauto. Wenn aber bereits 2012 die Elektro-Großserie kommt, dann muss man sich als Käufer fragen, ob man nicht solange wartet. Denn mit dem Smart Electric Drive bekäme man nicht nur das spritzigere Auto - sondern könnte auch viel Geld sparen. Denn eine Tankfüllung für einen Smart-Benziner kostet derzeit etwa 30 Euro - eine Ladung für den Smart Electric Drive aber nur 3 Euro.
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