Smart Roadster Brabus Ihm blieben nur drei Sommer 

Die Produktion des Smart Roadster wurde bereits Ende 2005 eingestellt. Doch es gibt noch genug unverkaufte Modelle, die jetzt in diversen Sondereditionen angeboten werden. Die Idee eines Minimal-Sportwagens besticht noch immer, doch ein Klassiker wird das Auto wohl nicht.

Von Jürgen Pander


Es beginnt immer mit einer Dehnübung, einer Rumpfbeuge, einem Ausfallschritt. Und so begreift man schon beim Einsteigen in den Smart Roadster die Doppeldeutigkeit des Begriffs Sportwagen. In einem blumigen Pressetext für den Wagen wurde er als "rollende Sportabteilung von Smart" und "Chaiselongue der Popkultur" gepriesen. Das Auto trage ein "clowneskes Grinsen" in der Frontpartie und sei geprägt von "pausbackigen Rundungen" sowie "barocker Üppigkeit". Das Auto grinst noch immer, doch den meisten Fahrern ist das Lachen vergangen. Nach insgesamt 43.000 gebauten Exemplaren seit Anfang 2003 - von denen bislang rund 40.000 verkauft sind - ließ Smart die Produktion des Wagens Ende des vergangenen Jahres stoppen. Die Verluste wurden zu groß.

Woran mag es gelegen haben? Möglicherweise war der Preis zu hoch, schon das Einstiegsmodell mit 60-PS-Dreizylinder kostete 14.990 Euro. Vielleicht war er zu unpraktisch? Ein Zweisitzer mit gerade mal 59 Liter Stauraum und einer Aktentaschen-Ablage im Heck (die Coupé-Version bietet zusätzlich 189 Liter Stauraum) ist zu nichts anderem als zum bloßen Herumfahren zu gebrauchen. Oder kam die Botschaft des Autos nie an? Smart sah das Modell in einer Linie mit brititschen Klassikern wie Triumph Spitfire, MG oder Austin Healey - eben klein, puristisch, leicht und flink, doch tatsächlich wirkte das Auto im Vergleich zu seinen Vorbildern etwas zu spielzeughaft.

Es war wohl eine Mélange aus allen möglichen Gründen, die zum raschen und vorzeitigen Aus für das unorthodoxe Wägelchen führten. Nicht zu vergessen die Grundstimmung der vergangenen Jahre, die den Verkauf reiner Spaßautos nicht gerade förderte. Und dann hat das Modell ja auch eine Reihe von Unzulänglichkeiten. Das fängt bei den Türgriffen innen an, in denen man sich bei jedem zweiten Aussteigen die Finger einklemmt. Es setzt sich fort bei den nervenden Schaltpausen des automatisierten Sechsgang-Getriebes; reicht über den dröhnenden Dreizylindermotor im Heck bis zu den kaum vorhandenen Ablagemöglichkeiten für Kleinkram.

Trotzdem kann man mit dem Auto Spaß haben. Wer die Schaltvorgänge selbst per Hand einleitet und synchron dazu den Gasfuß lupft, kann einigermaßen geschmeidig beschleunigen. Denn flott ist das Auto durchaus, zumal in der stärksten Version mit dem Beinamen Brabus. Dann entwickelt der Dreizylinder-Turbo 101 PS, und das ist reichlich Schmalz für lediglich 820 Kilogramm Auto. Von 0 auf Tempo 100 geht es in 9,8 Sekunden - kein Wert, der Herzklopfen auslöst, aber an Bord eines Smart Roadsters, mit dem Gesäß nur wenige Zentimeter über der Straße und umgeben von sehr viel wuchtigeren Fahrzeugen, wirkt das höchst rasant.

An der Tankstelle jedoch trübt sich die Laune. 7,4 Liter schluckte unser Brabus-Roadster im Schnitt, für eine eher dezente Gangart ohne jedweden Ballast ist das happig. Und ziemlich weit entfernt von den offiziell angegebenen 5,2 Litern, die für diese halbe Portion Auto viel eher angemessen wären.

Ziemlich übertrieben wirkt in diesem Zusammenhang auch der Preis für das von Brabus rundum geschärfte und getunte Modell. Mindestens 23.290 Euro kostet der Wagen. Wer ein auf 50 Exemplare limitiertes Modell der zum Schlussverkauf aufgelegten "Collectors Edition" fahren möchte, muss sogar 30.000 Euro hinblättern. Natürlich stecken in diesem Auto alle möglichen Extras, es wird mit Sportfahrwerk ausgeliefert und mit schicken Leichtmetallrädern, doch ein Sonderangebot wird es deshalb nicht.

Das ist wohl auch bei Smart aufgefallen, weshalb nun weitere Sondermodelle nachgeschoben werden. Sie sind garniert mit Namenszusätzen wie "pitchblack", "blackstar", "bluestar" oder "ultimate" und werden ab 12.990 Euro verkauft, was einem Nachlass von etwa 3300 Euro gegenüber einem vergleichbar ausgestatteten Serienmodell entspricht. Zudem gibt es für einige dieser Sondermodelle auch das so genannte SB2-Leistungskit, das die PS-Zahl von 81 auf 89 erhöht.

Aktionen dieser Art sind erfreulich für die letzten Kunden, doch für das Auto kommen sie viel zu spät. Nun hegen die Smart-Verantwortlichen die Hoffnung, dass der Roadster dereinst als Klassiker der Automobilgeschichte - Abteilung verkannte Geniestreiche - ins Bewußtsein zurückkehren wird. Und so liest sich das Ende des oben zitierten Pressetextes wie ein etwas trotziger Nachruf: "Für schnittige Sportwagen wird sich immer ein Plätzchen finden. Wenn nicht in der eigenen Garage, dann vielleicht in einem Museum. Auf jeden Fall aber im Herzen."



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