Spritverbrauch im Test: So viel kostet uns der Bleifuß

Gib Gas, spare Zeit - so denken viele Autofahrer. Doch stimmt das überhaupt? Tom Grünweg wollte es genau wissen und machte sich zweimal auf denselben Weg: einmal schnell, einmal im Normaltempo. Das Ergebnis dürfte Raser überraschen.

BMW X3 20d: Geduld zahlt sich aus Fotos
BMW

Vom Otto-Normal-Fahrer dürften viele Auto-Ingenieure keine hohe Meinung haben. Zwar zahlt der indirekt ihre Gehälter, doch seine Ignoranz sabotiert bisweilen den mühsam ertüftelten technischen Fortschritt. Wie raffiniert zum Beispiel neue Spritspartechniken auch sind - sie verpuffen, wenn wir einfach weiter mit Bleifuß fahren. Dass so gut wie kein Auto mit dem vorgesehenen Normverbrauch durch den Alltag fährt, liegt eben auch am Störfaktor Mensch.

Wie groß der Einfluss des Fahrers ist, hat SPIEGEL ONLINE einmal auf einer Alltagsfahrt mit einem BMW X3 20D ausprobiert. Im Normzyklus verbraucht der Wagen 5,6 Liter je 100 Kilometer. Zweimal fuhren wir mit dem 184 PS starken Geländewagen unter vergleichbaren Bedingungen eine gut 700 Kilometer lange Strecke quer durch die Republik ab - mit hohem Autobahnanteil, etwas Landstraße und einigen Passagen im Stadtverkehr.

Auf dem Hinweg absolvierten wir die Distanz betont gelassen. Tempolimits haben wir strikt eingehalten und auch die Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn respektiert. Praktisch nie zeigte der Tacho mehr als 130 km/h an - ganz selten waren es mal 140 km/h. Auf dem Rückweg über die gleiche Route dagegen spielten wir Vettel. Klar, auch in diesem Fall galten die Tempolimits. Doch wo die Autobahn frei war, bretterten wir mit 210 km/h dahin, der Höchstgeschwindigkeit des X3.

Die Testfahrt beginnt an einem Freitagnachmittag in Wetzlar, sozusagen Deutschlands Mitte - und führt uns von da aus nach Norden. Obwohl der Verkehr dicht ist, geht es flüssig voran. Trotzdem: Zurückhaltung ist angesagt. Wir fahren meist auf der rechten oder mittleren Spur. Das zeigt Wirkung: Nach einer Stunde meldet der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Liter.

Je länger, desto lauter

Selbst der kurze Stau irgendwo zwischen Kassel und Hannover bringt die Anzeige nicht aus der Ruhe. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt von Minute zu Minute, doch weil der zwei Liter große Vierzylinder mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet ist, bleibt der Verbrauch im Rahmen. Man muss nur fleißig auskuppeln. Das gilt auch für die 20 Minuten im Stadtverkehr.

Später auf der A7 - und erst recht auf der nahezu leeren Ostseeautobahn A20 - wird die Fahrt zur Geduldsprobe: Bei Richtgeschwindigkeit zieht sich die Strecke wie ein Kaugummi. Mittlerweile zeigt der Bordcomputer ein mittleres Tempo vom 115 km/h an - im Fond üben die lieben Kleinen immer lauter Kritik an der harten Rückbank ("Wann sind wir endlich da?"). Und auf den Vordersitzen gilt es, gegen die Monotonie anzukämpfen - der Grat zwischen coolem Gleiten und gedankenlosem Gondeln, so lernt man schnell, ist gefährlich schmal.

An Reden ist nicht zu denken!

Doch die zurückhaltende Fahrweise hat wenigstens etwas gebracht. Für die Halbzeit jedenfalls notieren wir am Ziel: 726 Kilometer Fahrstrecke. Verbrauch: 7,2 Liter. Durchschnittliches Tempo: 109,1 km/h.

Am Sonntagnachmittag geht es dann zurück Richtung Süden. Die A 20 ist noch immer so leer wie die DDR-Transitstrecke zu Honeckers Zeiten, und gleich auf dem ersten Abschnitt geben wir dem X3 ordentlich die Sporen. Das Durchschnittstempo klettert auf mehr als 130 km/h - und mit ihm der Verbrauch. Vor zwei Tagen war der Wagen noch mit gut sieben Litern zufrieden, jetzt schluckt er 12,2 Liter. Als Fahrer hat man also locker fünf Liter im rechten Fuß!

Dass der Motor jetzt lauter knurrt und dafür der Nachwuchs schweigt, weil er auf eine kürzere Gedulds- und Sitzprobe hofft, geht allerdings unter - denn an Reden ist nicht zu denken. Die gesamte Aufmerksamkeit muss dem Verkehr auf der Straße gelten.

Es folgt abermals eine Stadtverkehrs-Einlage - diesmal jedoch bleibt die Start-Stopp-Automatik abgeschaltet. Stattdessen preschen wir bei jedem grünem Licht los und wollen es auch anschließend auf der Autobahn wieder so richtig wissen. Ob zähfließender Verkehr, Tempolimit oder freie Bahn - wir fahren immer so schnell wie möglich und erlaubt.

Nur einmal gönnen wir uns noch einen Stopp: zum Tanken; denn eine Füllung reicht für die Rückfahrt nicht mehr. Zurück in Wetzlar wird dann abgerechnet. Deutlich schneller waren wir nicht: Am Ziel zeigt der Bordcomputer ein Durchschnittstempo von 116,2 km/h an. Und der Verbrauch liegt bei 9,7 Litern pro 100 Kilometer. Wir haben also satte 2,5 Liter und auf die ganze Wegstrecke gerechnet fast 20 Liter mehr verbrannt als beim Hinweg - und verbuchten dabei einen Zeitgewinn von nicht einmal einer halben Stunde.

Die Devise lautet also: Rechnen, nicht Rasen. Zumindest im dichten Verkehr.

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insgesamt 381 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ob...
vibackup 15.10.2011
ausgerechnet BMW-Fahrer die richtige Zielgruppe für derartige Überlegungen sind? Fragt sich //M
2. Das habe ich schon in der Fahrschule gelernt
GM64 15.10.2011
Das Ergebnis Ihres Tests haben wir schon in der Fahrschule gelernt und das ist schon so lange her, damals war der Golf II noch neu.
3. Bleifuß
wörther 15.10.2011
Das Dumme ist, dass der überwiegende Anteil der großen Fahrzeuge Dienst-/Geschäftswagen sind. Den Fahrern ist es meist egal ob 7 oder 12 Liter durch die Einspritzdüse gluckern. Die Politik wird jedoch aufgrund des großen Einflusses der Autolobby an diesem Zustand nichts ändern (z.B. Dienstwagenprivileg).
4.
veritas31 15.10.2011
Wenn ich mich recht erinnere, so gab es vor etlichen Jahren mal einen ähnlichen Test. Dort ging es zwar weniger um den Verbrauch, sondern mehr um die Zeit aber interessant war es trotzdem. Ein (ich glaube) 7er BMW und ein kleiner Fiat mussten gleichzeitig von Flensburg nach Berchtesgarden fahren und zwar mit der jeweilis höchstmöglichen Geschwindigkeit - natürlich unter Berücksichtigung der StVo. Der BMW war meines Wissens trotz etlicher PS mehr "nur" 30min eher am Ziel. Insofern stimmt es wenn man sagt, dass Denken beim Fahren nicht schaden kann. Rasen bringt vielleicht hin und wieder Spaß aber bestimmt keinen großen Zeitvorteil und der Geldbeutel stöhnt überdies
5. Das dürfte keinen "Raser" überraschen
baerry 15.10.2011
Das eine schnelle, flotte oder rasende Fahrweise den Verbrauch in die Höhe treibt dürfte keinen schnellen, flotten oder rasenden Autofahrer überraschen. Das ist bekannt und nur allzu logisch. Auch dass ein rasanter Fahrstil einen nicht per se schneller ans Ziel bringt sollte keinen halbwegs erfahrenen Autofahrer überraschen. Eine Baustelle, ein Stau oder auch nur eine zusätzliche Tankpause ruinieren jede Fahrzeit. Zumal der großteil der Straßen ohnehin mit einem Tempolimit "ausbremst", ein Bleifuß dementsprechend nur wenig Strecke hat sich auf die Zeit auszuwirken. Was ich sagen will, netter Text, aber neues oder gar überraschendes liefert das nicht. Aber es ist ja Wochenende ;)
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Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: X3 20d (2011)
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.995 ccm
Leistung: 184 PS (135 kW)
Drehmoment: 380 Nm
Von 0 auf 100: 8,5 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 550 Liter
umgebaut: 1.600 Liter
Versicherung: 20 (HP) / 24 (TK) / 23 (VK)
Preis: 37.600 EUR


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