Autogramm Ssangyong Musso Nashorn zum Kampfpreis

Von außen gibt er den Malocher, doch drinnen ist der neue Ssangyong Musso überraschend komfortabel. Das macht den Pick-up aus Südkorea nicht nur für Bau- und Waldarbeiter interessant, sondern auch für Familien.

Ssangyong

Der erste Eindruck: Yippieyeah! Der Ssangyong Musso kommt zwar aus Südkorea, sieht aber nicht nach Fernost aus, sondern vielmehr wie ein klassisches Cowboy-Auto aus dem Wilden Westen.

Das sagt der Hersteller: "Robust, authentisch, vielseitig" - für Ulrich Mehling, Chef von Ssangyong in Deutschland, ist der Musso vor allem ein Arbeitstier. Doch das Auto solle nicht nur Tiefbauingenieure oder Landschaftsgärtner ansprechen, sondern auch Familien. Nach dem Motto "außen funktional, innen geräumig" biete das Nutzfahrzeug die Anmutung und den Komfort eines Pkw, sagt Mehling. Wer nicht - wie alle anderen - ein gewöhnliches SUV fahren will, kann sich durch den Pick-up von den Nachbarn abheben.

Tom Grünweg

Das ist uns aufgefallen: Der Musso steckt voller Überraschungen, und das beginnt bereits beim Zündschlüssel. Denn der liegt so schwer und edel in der Hand wie der einer Luxuslimousine. Dass er die Türen zu einem schnöden Nutzfahrzeug öffnen soll, mag man deshalb kaum glauben. Aber dieser Pick-up ist anders. Nützlich, ja klar: Die Ladefläche ist 1,30 Meter lang, die Ladekapazität legte gegenüber jener des Vorgängermodells Actyon Sports um 112 auf 1011 Liter zu, die Zuladung beträgt 850 Kilogramm und mit zuschaltbarem Allradantrieb samt Geländeuntersetzung sowie der erhöhten Bodenfreiheit ist der Aktionsradius des Musso deutlich größer als bei den meisten SUV.

Zugleich ist der Musso alles andere als schlicht, zumindest, wenn man auf dem Bestellzettel die richtigen Extras ankreuzt. Dann erhält man nämlich ein Auto mit feinen Ledersitzen, mit beheizbarem Lenkrad und beheizbaren Sitzlehnen und sogar mit einer Sitzbelüftung. Das ist ein Extra, bei dem viele Standard-SUV passen müssen. Dazu gibt es schmucke Konsolen aus Chrom und Karbon-Imitat, eine solide Touchscreen-Navigation und ein Cockpit mit hübschen Animationen auf dem Bildschirm zwischen den analogen Instrumenten. Man wähnt sich also durchaus in einem Lifestyle-Auto, nicht in einem Lastwagen. Das gilt zumindest für die erste Reihe, wo Sitzkomfort und Platzverhältnisse eher an ein nobles SUV als an ein Nutzfahrzeug erinnern. Auf der Dreier-Sitzbank im Fond des Viertürers geht es etwas nüchterner und auch nicht ganz so geräumig zu.

Allerdings kann der Musso sein wahres Wesen mithilfe der komfortablen Ausstattung nur kaschieren, nicht völlig verbergen. Denn beim Fahren merkt man dann doch, dass man in einem zivilisierten Lastwagen sitzt. Zwar kommt man mit dem 5,10 Meter langen Koloss gut durch die Stadt, doch der Dieselmotor knurrt laut, das rustikale Fahrwerk unter dem Leiterrahmen ist eher auf schwere Lasten als auf kuscheligen Luxus ausgelegt und beim Beschleunigen braucht man Geduld. Andererseits hat der Musso ein Extra, das man sonst nur aus der Oberklasse kennt, und das hier zwar unfreiwillig, dafür aber serienmäßig an Bord ist: eine Massagefunktion. Lässt man nämlich die Hand auf dem Schaltknauf liegen, schütteln die Vibrationen aus dem Getriebe sanft und beständig das gesamte Skelett durch und lockern manche Verspannung.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Ssangyong Musso - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der Musso beerbt das Vorgängermodell Actyon Sports und kommt in den nächsten Wochen zunächst mit viertüriger Doppelkabine in den Handel, später soll es noch eine Version mit längerer Pritsche geben. Technisch abgeleitet ist der Pick-up vom im letzten Jahr erneuerten Rexton. Der Grundpreis liegt bei 23.990 Euro und lässt sich selbst mit allen Extras kaum über 40.000 Euro treiben. Da fangen die Preislisten von Konkurrenzmodellen wie dem Mercedes X-Klasse oder dem VW Amarok gerade erst an. Aber der Musso ist nicht nur deutlich billiger als die meisten anderen Pritschenwagen, sondern auch eine Alternative zu Geländewagen. Vor allem, wenn es um hartgesottene Autos wie den Land Rover Discovery oder gar die Mercedes G-Klasse geht.

Angetrieben wird der Musso von einem 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, der aus seinem Brennverfahren - auch das ist irgendwie authentisch - keinen Hehl macht und sich beim Anlassen schüttelt wie ein verärgertes Nashorn, das dem Auto den Namen gegeben hat (Musso ist das koreanische Wort für Nashorn). Der Motor treibt normalerweise die Hinterräder an, für 2000 Euro Aufpreis gibt es einen zuschaltbaren Allradantrieb. Geschaltet wird das Sechsganggetriebe von Hand - für weitere 2000 Euro Aufpreis auch automatisch. Die Höchstgeschwindigkeit des Kleinlasters liegt bei strammen 195 km/h und gemessen am Format ist der Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern sehr gering.

Das werden wir nicht vergessen: Die Ironie, mit der die Ssangyong-Designer beim Musso ans Werk gingen. Nicht wegen des Chromgrills, des LED-Tagfahrlichts oder den leicht taillierten Flanken, denn diese Details lassen den Pritschenwagen tatsächlich ein bisschen nach Premium aussehen. Aber die geriffelte Oberseite der Außenspiegel (gegen Fahrtwindverwirbelungen) oder die strömungsgünstige Antenne in Form einer Haifisch-Rückenflosse auf dem Dach wirken ein bisschen albern bei einem durchaus kolossalen Pick-up.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ssangyong
Typ: Musso
Karosserie: Pick-up
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.157 ccm
Leistung: 181 PS (133 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Höchstgeschw.: 195 km/h
Verbrauch (ECE): 7,9 Liter
CO2-Ausstoß: 211 g/km
Kofferraum: 1.011 Liter
Gewicht: 2.155 kg
Maße: 5095 / 1950 / 1849
Preis: 25.990 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hzj 28.08.2018
1. KO durch zu kurze Pritsche bei zu hohem Preis
1,30m Pritschenlänge ist entscheidende 25 cm weniger, als bei der ähnlich ausgestatteten Konkurrenz. Bei Ford, Fiat Mitsubishi, Isuzu, Toyota, Nissan starten die Preise zwischen 20 und 25000€. Ob ein PU im Stadtverkehr 5m oder 5,30m lang ist, macht keinen großen Unterschied in Parkhäusern und auf Parkplätzen. Aber der Längenunterschied der Pritsche ist je nach Ladung entscheidend. Die Pritschen der Konkurrenten sind mit 90 Grad geöffneter Heckklappe rund 2m lang, das reicht auch für eine Wohnkabine oder unterwegs zum Schlafen unterm Hardtop. Die Konkurrenten gibt es auch noch als 1,5 Kabienr mit Pritschenlängen von 180 bis 1,90m und als Single Cab mit rund 2,30m Pritschenlänge. Wenn man die Alternativen nicht kennt und der Stellplatz wirklich nur 5m lang ist, dann wäre das vielleicht ein Grund, auch den Musso mal anzusehen. Aber überzeugend ist der nicht.
fehleinschätzung 28.08.2018
2. Leute Leute
Das hat mein VW Bus vollausgebaut mit lecker 50 PS von 1984 auch gebraucht! Zitat: "gemessen am Format ist der Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern sehr gering." Gemessen an einem Uraltauto mit dem cw Wert einer Schrankwand bei ähnlichem Gewicht, würde ich eher sagen: katastrophal. mit der Länge von über 5m und wahrscheinlich 2m Breite, macht das 10m2 Blech für meist eine Person da drin, also nix für die Stadt oder Deutschland. Mit dem Ding kriegen Sie in der Stadt keine Parklücke mehr oder belegen unsozial 2.
Oli-offen,liberal,inform. 28.08.2018
3. Langzeitqualitäten?
Wie lange gibt es denn Garantie(n) auf den Günstig-Premium? Bisher fielen Ssang-Yongs ja eher mit bösen Korrosions- und Technik- und Assemblymängeln auf, zT schon in den ersten 1, 2 Jahren. Steht dem rustikalen Image der Wagen, die immer noch mit ihren Mercedes Genen werben, irgendwie entgegen.... Paßt sehr zu meiner Schrauber-Erfahrung, daß es eben doch einen (sehr) großen Einfluß hat, WO eine Konstruktion zusammengeschraubt wird - böse Beispiele sind u.a. die (eigentlich vorbildlichen) Hondas, die von Austin Rover nach BMW gebaut wurden, die Chrysler Autos mit Mercedes-Technik oder auch die jeweiligen frühen Serien von BMW US. Gegenbeispiele gibt es allerdings auch, was das jeweils hohe KnowHow der Hersteller belegt, insbesondere Toyota: Die Autos aus Sunderland/UK oder auch der Camry, offiziell das Auto mit den meisten Teilen amerikanischen Ursprungs(!), zählen zu den zuverlässigsten und langlebigsten der Welt. Bis es soweit ist, hat Ssang Yong noch einen sehr langen Weg vor sich.
frenchie3 28.08.2018
4. Optisch OK
Aber die Ladefläche fällt bei mir unter die Rubrik Balkonkasten
rucksacksepp 29.08.2018
5. Dämlicher Trend
Ich hoffe wirklich dass nach SUVs nicht auch noch Pick-Ups die neue Trendrichtung werden wird. Leider sehe ich immer mehr im Straßenverkehr, gefahren von Leuten die mal in Amerika nen Pick-Up Truck gesehen haben und das total cool fanden. Leider sind in Deutschland die Straßen und Parklücken wesentlich kleiner und es ist total unsinnig Pick-up zu fahren, wenn man nicht gerade Landschaftsgärtner ist oder in seiner Freizeit Häuser renoviert. Aber nein, man muss sich ja mit immer größeren Karren von den Nachbarn abheben, egal wie viel Sprit die Karre schluckt. Kleiner Tipp: Ich würde mir schon mal einen Monster-Truck vorbestellen, 2019 wird das der absolute Renner. Hat auch garantiert kein Nachbar.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.