Wenn es um ein neues SUV-Modell geht, laufen Marketingpoeten zu großer Form auf. "Komfort heißt auch, nirgends an Grenzen zu stoßen" (Mercedes), lautet eine Formulierung zum Beispiel, oder "die Charakterlinien über den Radläufen erzählen vom Allradantrieb" (BMW). Derartige Linien gibt es beim Subaru Forester nicht - stattdessen hat das ganze Auto Charakter, und zwar einen ziemlich unverwechselbaren: Dieser SUV ist eigenwillig, praktisch, geräumig, optisch ein wenig aus der Zeit gefallen und insgesamt ein prima Auto.
Jedenfalls waren wir jetzt, während des späten, dafür aber umso heftigeren Nachwinters, heilfroh, auf zum Teil tief verschneiten Straßen mit diesem Allradler unterwegs zu sein. Woran liegt es, dass der Subaru-Slogan "Confidence in Motion" (Vertrauen in Bewegung) einem nicht nur als Marketingfloskel erscheint?
Auf jeden Fall am tadellosen Fahrverhalten des Forester gerade auf Schnee und Eis; vielleicht auch am beruhigend grummelnden Boxer-Dieselmotor, den man sicher besser dämpfen könnte, doch gerade das Gebrumm wirkt ja beruhigend; möglicherweise liegt es am schlicht und zugleich praktisch und übersichtlich eingerichteten Innenraum; und bestimmt auch an der guten Übersicht und dem ordentlichen Platzangebot.
Die wichtigste vertrauensbildende Maßnahme jedoch ist es das eigenwillig robuste Fahrgefühl, das am Steuer dieses Autos entsteht. Hiroyuki Kiryuu, Entwicklungschef des Antriebsstrangs des neuen Forester, begründet das mit dem sogenannten symmetrischen Allradantrieb. Denn ausgehend vom Boxermotor über das Getriebe und die Kardanwelle bis zum Hinterachsdifferential sind die technischen Komponenten des Antriebs links und rechts der Mittelachse gleich verteilt - also symmetrisch. Das ergibt eine ausgewogene Gewichtsverteilung und, vor allem dank dem flach bauenden Boxermotor, einen niedrigen Schwerpunkt.
Genau so - ausgewogen, neutral, nüchtern - fährt sich der Wagen. Deplatziertes Sportlichkeitsgetue ist dem Auto ebenso fremd wie ein allzu wattierter Auftritt. Dem Wagen fehlt es gewiss an designerischer Finesse, es fehlt an modernen Assistenz- und Multimediasystemen, mit denen andere SUVs inzwischen überfrachtet werden, es fehlt leider auch an ein paar vernünftigen Spritspartechniken. Ein Start-Stopp-System zum Beispiel gibt es nur für das Benziner-Modell 2.0X. Woran es diesem Auto jedoch nicht fehlt, ist Identität, Charakter und Ausrichtung. "Der Forester Diesel ist unser Arbeitstier", sagt Subar-Sprecherin Andrea Wolf.
Jäger, Förster und Bauern fahren billiger
Nicht selten wird der Forester auch als Arbeitsgerät - also Dienstwagen - genutzt. Zum Beispiel von Jägern und Förstern. "Subaru wird diese Kunden auch künftig besonders intensiv unterstützen", heißt es zum Debüt des neuen Modells. Forst- und Landwirte werden das gerne hören, erhalten doch Mitglieder der Landes-Jagdverbände, des deutschen Bauernverbands oder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung Rabatte von bis zu 15 Prozent bei den Subaru-Händlern.
Man kann den Forester aber auch gut finden, ohne einmal pro Woche auf schlammigen Wegen durchs Gehölz zu pirschen. Die japanische Marke möchte mit dem neuen Modell speziell auch Familien ansprechen, weshalb zum Beispiel an den Fond-Einstiegen rutschfeste Trittbeläge installiert sind, um kleineren Kindern das Einsteigen zu erleichtern. Dazu kommen etliche Ablagemöglichkeiten und Staufächer im Innenraum sowie ein mehrfach unterteiltes "Tiefgeschoss" unter dem herausnehmbaren Kofferraumboden.
Gut gemacht ist übrigens auch der zentral auf dem Armaturenbrett positionierte Bildschirm des Bordcomputers, auf dem in grafisch ansprechender Darstellung zentrale Informationen wie Uhrzeit, Außentemperatur, Reichweite, bisheriger Durchschnittsverbrauch sowie die bisherige Fahrtzeit und die zurückgelegte Strecke angezeigt werden. Es gibt zahlreiche andere Autos, bei denen man erst nach Drücken oder Drehen eines Bedienknopfes an diese Daten gelangt.
Ein Autohersteller, der sich in der Nische pudelwohl fühlt
Vermutlich wird sich auch nach dem neuen Subaru Forester - von den Fans der Marke abgesehen - keiner umdrehen. Doch Autos dieser Art hätten eigentlich etwas mehr Beachtung verdient. Und die Marke übrigens auch. Allein deshalb, weil sie auf überzeugende Weise ein Argument widerlegt, das in der Autowelt als goldene Regel gilt: nämlich, dass Größe alles ist. Subaru hingegen verkaufte im vergangenen Jahr weltweit nicht mehr als 753.000 Fahrzeuge, bleibt beharrlich auf dem Sonderweg mit den Boxermotoren und gilt dennoch als hochprofitabel.
Das ist ein gutes Zeichen. Denn daraus folgt, dass es auch Autokunden gibt, denen der vom Marketing geglättete Mainstream nach wie vor am Heck vorbei geht.
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