Subaru Forester Diesel: Exotische Mischung

Von Jürgen Pander

Subaru tanzt seit Jahrzehnten konsequent aus der Reihe: Die japanische Marke schwört auf Boxermotoren und Allradantrieb. Noch exotischer wurde das Angebot mit dem ersten Diesel-Boxer, der im Frühling debütierte. Nun wird die Maschine im Bestseller Forester eingesetzt.

Als vor elf Jahren der erste Subaru Forester auf den Markt kam, war das Auto eines der ersten Crossover-Modelle überhaupt. Zu einer Zeit, da viele Hersteller noch nicht einmal einen SUV im Angebot hatten, mixte die japanische Marke bereits Ingredienzien aus Limousine, Geländewagen und Kombi zu einem eigenwilligen Pkw-Cocktail. Inzwischen gilt der Crossover-Mischmasch in der Autoindustrie als Erfolgsrezept und der Forester avancierte – mittlerweile in der dritten Generation – zum erfolgreichsten Subaru-Modell auf dem deutschen Markt.

Das klingt gut, doch in absoluten Zahlen ausgedrückt relativiert sich die Formulierung schnell. Rund 3300 Forester verkaufte Subaru im vergangenen Jahr, was bei insgesamt lediglich 8500 Fahrzeugen knapp 40 Prozent waren. Der Anteil könnte künftig noch steigen, denn ab sofort gibt es den geräumigen und durchaus gefälligen Wagen erstmals auch mit einem Dieselmotor.

Subaru nämlich hat den weltweit ersten Selbstzünder nach dem Boxermotor-Prinzip entwickelt. Das Triebwerk debütierte vor einigen Monaten in den Auslaufmodellen Legacy und Outback (der neue Legacy wird im Herbst 2009 vorgestellt), tritt nun aber auch im Forester an. Hier leistet der Zweiliter-Vierzylinder-Vierventiler 147 PS, entwickelt ein Drehmoment von maximal 350 Nm und kommt im Durchschnitt mit 6,3 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer aus. Das ist kein schlechter Wert für einen 1,5 Tonnen schweren Allradler, der viel Platz und ordentlichen Komfort bietet.

Technisch ist das Triebwerk auf der Höhe der Zeit. Der Motorblock ist aus Leichtmetall, der Kraftstoff wird durch spezielle Acht-Loch-Einspritzdüsen mit elektromagnetischer Steuerung in die Brennkammern injiziert, das Common-Rail-System arbeitet mit einem Druck bis zu 1800 bar, und der Turbolader verfügt über eine variable Turbinengeometrie. Bedingt durch das Boxer-Bauprinzip benötigt das Aggregat keine Ausgleichswellen – die Maschine läuft im Vergleich zu herkömmlichen Vierzylinder-Selbstzündern angenehm vibrationsarm und leise. Erfreulich auch, dass Subaru dem Motor im Forester ein geregelten Rußpartikelfilter spendiert.

Allradantrieb auch dann, wenn er gar nicht nötig wäre

Neu ist auch das Sechsgang-Schaltgetriebe, das bei ersten Fahrtests einen harmonischen Eindruck hinterließ. Wie überhaupt der Forester ein gutmütiger, freundlicher und im besten Sinne unspektakulärer Begleiter ist. Der permanente Allradantrieb sorgt für prima Traktion in fast allen Straßenlagen, treibt aber auch permanent den Verbrauch nach oben; das Gepäckraumvolumen lässt sich auf 1660 Liter erweitern, und die Ausstattung ist bereits in der Basisvariante Active recht ansprechend. Sechs Airbags, ABS und ESP, elektrische Servolenkung, Niveauregulierung, CD-Musikanlage, Lederlenkrad, beheizbare Vordersitze und Scheibenwischer-Enteiser gehören beispielsweise zum Serienumfang.

"Der Dieselmotor war überfällig", sagt Jens Becker, Geschäftsführer von Subaru Deutschland. "Wir gehen von 3000 Forester-Modellen mit Selbstzünder im nächsten Jahr aus." Allerdings räumt er ein, dass kein Mensch derzeit wisse, wie sich der Automarkt in den kommenden Monaten entwickeln werde. Entsprechend vage seien Kennziffern wie die ursprünglich angepeilten 11.000 Neuzulassungen, die Subaru im kommenden Jahr in Deutschland erreichen wollte. Vor allem mit Hilfe des Dieselmotors im Forester, aber auch weil der Ölbrenner ab Januar auch im Kompaktwagen Impreza verfügbar sein wird.

Dem Stückzahlzuwachs wurde der Allradantrieb geopfert

Dem Ziel, höhere Verkaufszahlen zu erreichen, opfert Subaru sogar das unbedingte Festhalten am Allradantrieb. Seit der Kleinwagen Justy vor gut einem Jahr abgespeckt und mit Frontantrieb angeboten wurde, griffen bereits 2200 Kunden in Deutschland zu. Immerhin 70 Prozent aller potentiellen Autokäufer hierzulande sind nach Subaru-Erkenntnissen nicht willens, sich jemals ein Allradauto zu kaufen. "Diese Kunden haben wir bislang nicht erreicht, jetzt aber ist ein Anfang gemacht."

"Natürlich", schiebt Becker hinterher, "bleiben wir der größte und erfolgreichste Allradhersteller der Welt." Für Subaru wäre es fatal, diese Ausnahmestellung ernsthaft zu gefährden, denn anderes Profilierungspotential hat die Marke nicht. Becker sagt aber auch, dass er an dem mittelfristigen Ziel festhalte, 18.000 Subaru-Modelle pro Jahr in Deutschland zu verkaufen, was eine recht kühne Prognose ist. Um die jemals erreichen zu können, wäre durchaus mehr Flexibilität in der Modellpalette erforderlich. Etwa durch einen Forester mit Frontantrieb. Kommt so ein Auto? Becker: "Wenn der Trend der Kunden zum Frontantrieb anhält, wird es wohl irgendwann dazu kommen."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fahrzeugschein
Hersteller: Subaru
Typ: Forester 2.0 D
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel-Boxer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 147 PS (108 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 10,4 s
Höchstgeschw.: 186 km/h
Verbrauch (ECE): 6,3 Liter
CO2-Ausstoß: 167 g/km
Kofferraum: 450 Liter
umgebaut: 1.660 Liter
Versicherung: 19 (HP) / 23 (TK) / 24 (VK)
Preis: 29.900 EUR

Fotostrecke
Subaru Forester Diesel: K.o. der Motor-Monokultur

Aktuelles zu