Suzuki Alto: Ein Japaner in Delhi

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Suzuki poliert sein Image als Kleinwagenprofi und wird das Modellprogramm im kommenden April mit dem neuen Modell Alto nach unten abrunden. Gebaut wird der 3,50-Meter-Viersitzer in Indien, wo ein Drittel aller Suzuki vom Band laufen. SPIEGEL ONLINE war auf Testfahrt.

Das wird Ratan Tata nicht gefallen. Während der indische Multimilliardär noch immer einen Standort für die Produktion des Billigautos Tata Nano sucht, hat Suzuki seinen in Indien produzierte Kleinwagen schon fertig. Vorgestellt wurde der neue Alto nicht etwa in Tokio - sondern in Indien, wo die Japaner mit weitem Abstand Marktführer sind. Ab April 2009 soll das Auto auch in Deutschland angeboten werden.

Suzuki-Europa-Chef Minoru Amano nennt den Winzling eine Wahl der Vernunft: Der neue Alto koste deutlich weniger als 10.000 Euro und sei mit 4,5 Litern Durchschnittsverbrauch sparsamer als jeder andere Benziner in dieser Klasse, versprechen die Japaner. Wurden vom letzten Alto-Modell in guten Jahren in Deutschland rund 4000 Autos verkauft, sollen es künftig bis zu 6000 werden.

Damit der Elefantenrollschuh in Detmold genauso gut ankommt wie in Delhi, hat Suzuki den ehemaligen Langweiler zum Sympathieträger aufgehübscht. Zwar ist das jetzt vorgestellte Serienmodell nicht so schwungvoll und dynamisch wie die Studie A-Star, die auf Autosalons gezeigt wurde.

Dennoch sieht der neue Alto flott aus. An der Frontpartie lachen ein kleiner Kühlermund und große Scheinwerfer-Kulleraugen, die Flanke trägt zumindest einen Hauch von Muskeln, und das Heck wirkt dank des bulligen Stoßfängers kräftig und solide - trotz der schmalen 14-Zoll-Reifen.

Auch das Fahrverhalten kann sich sehen lassen. Ein Liter Hubraum, 69 PS und 90 Nm sind nicht die Welt. Aber weil der Alto keine 900 Kilogramm wiegt, ist er damit zumindest bis Tempo 50 recht agil. Außerdem ist der Winzling wunderbar handlich, hat einen Wendekreis von nur neun Metern und erträgt auch auf schlechten Straßen klaglos Hiebe und Stöße. Fürs Stadtgewühl ist er deshalb hier wie dort bestens gerüstet. Überlandfahrten sollte man dagegen zweimal bedenken. Schließlich vergehen bis Tempo 100 immerhin 14 Sekunden, und bei einer Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h wird aus einem Ausflug ruck, zuck eine richtige Reise.

Tristes Interieur, aber einer ordentliche Ausstattung

So schick die Karosserie, so schlicht das Innenleben. Die Verarbeitung ist allerdings tadellos, es gibt genügend Ablagen, und alle Schalter und Hebel findet man genau dort, wo man sie sucht. Aber von Liebe zum Detail, Esprit oder pfiffigen Ideen ist nichts zu erkennen: Die Kunststofflandschaft ist grau wie der Himmel über Delhi, das Cockpit zerklüftet wie die Straßen der Altstadt, und die Sitzpolster sind so fad wie ein Dritte-Klasse-Abteil im Zug nach Kalkutta. Dafür jedoch ist die Ausstattung in Ordnung: Vier Airbags sind immer Standard, und ESP gehört - anders als etwa beim ebenfalls neuen und ein bisschen teureren Ford Ka - zumindest bei den gehobenen Varianten zum Serienumfang. Außerdem gibt es auf Wunsch Klimaanlage, CD-Radio und iPod-Anschluss.

Natürlich darf man bei 2,36 Metern Radstand und 3,50 Metern Länge keine Wunder erwarten. Doch bietet der Alto zumindest in der ersten Reihe genügend Raum für Beine und Schultern. Nur die Kopffreiheit ist sparsam bemessen. Bescheiden fällt mit 129 Litern Fassungsvermögen auch das Kofferraumvolumen aus - und der Platz im Fond ebenfalls. Selbst für große Kinder wird es da knapp. Außerdem geizt Suzuki dort an Frischluft und baut wegen der kleinen hinteren Türen dort nur Ausstellfenster ein.

Der Suzuki Alto wird von Nissan als Pixo adaptiert

Um den Alto für einen Kampfpreis anbieten zu können, der im Wunschdenken von Europa-Manager Amano unter 9000 Euro liegen soll, musste sich Suzuki einen Kooperationspartner suchen. Der Alto wird deshalb auch an Nissan verkauft, wo der Winzling mit neuem Design unter dem Namen Pixo an den Start gehen wird. Außerdem wurde die Alto-Produktion in ein Billigland verlegt. So läuft der Kleinwagen nicht in Japan oder in Ungarn vom Band, wo etwa die Modelle Splash und Swift gefertigt werden, sondern vor den Toren von Delhi.

Außer den kürzeren Wegen nach Japan wie nach Europa und der großen Nachfrage im Land selbst hat dieser Standort vor allem den Vorteil der "geringen Lohnkosten", wie H.D. Singh aus dem lokalen Management erklärt. Selbst ein gut ausgebildeter Arbeiter verdient lediglich 200 Dollar im Monat.

Doch von Ausbeutung könne keine Rede sein, wehrt Singh Kritik ab: "Schließlich zählen unsere Mitarbeiter damit zum Arbeiteradel." Statt mit dem Fahrrad kämen sie mit dem Motorrad zur Arbeit, ihre Kinder gingen auf englischsprachige Schulen, und in ihrem Haushalt gebe es sogar eine Mikrowelle, berichtet der Firmensprecher. Nur für einen Suzuki Alto wird es nicht reichen. Denn der kostet auch in Indien umgerechnet rund 8000 Dollar.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Suzuki
Typ: Alto
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 996 ccm
Leistung: 69 PS (51 kW)
Drehmoment: 90 Nm
Von 0 auf 100: 14,0 s
Höchstgeschw.: 155 km/h
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 103 g/km
Kofferraum: 129 Liter
umgebaut: 3.000 Liter
Preis: 9.300 EUR

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