Suzuki Ignis Allgrip Bis zur Vernunft geschrumpft

Wer das Gefühl für Proportionen noch nicht ganz verloren hat, weiß, dass die meisten aktuellen Autos viel zu groß sind. Es gibt jedoch Ausnahmen, etwa den Suzuki Ignis. Der Knirps versöhnt sogar mit der SUV-Plage.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Mönche wissen es, Rucksacktouristen wissen es, und Espressotrinker wissen es auch: Man kann auch mit wenig prima auskommen und bestens bedient sein. Diesem Grundsatz folgt auch der Suzuki Ignis - und bildet damit einen wohltuenden Kontrapunkt in der oft überdrehten Autowelt, in der schon Kleinwagen manchmal aufgebrezelt werden, als müssten sie die Rallye Dakar gewinnen.

Auch wenn er jede Aufdringlichkeit vermeidet, der Suzuki Ignis macht sich nicht klein - im Gegenteil. Das Auto fällt durch ein ungewöhnliches Format auf: 3,70 Meter lang und jeweils 1,60 Meter hoch und breit. Damit überragt der Ignis die meisten anderen Autoknirpse, beansprucht aber dennoch weniger Grundfläche als etliche Konkurrenten und bietet, das ist das Entscheidende, dennoch mehr Innenraum. Aufgrund der Dimensionen können vier Erwachsene (der Ignis ist als Viersitzer konzipiert) sehr aufrecht und damit ziemlich bequem im Auto sitzen, und auch verrenkungsfrei ein- und aussteigen, denn der Wagen ist ausschließlich als Fünftürer verfügbar.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Suzuki Ignis - mit unserem 360-Grad-Foto:

Es sind nur ein paar Zentimeter, die von den Suzuki-Entwicklern hier gekappt und dort hinzugefügt wurden, doch sie verändern die Anmutung des Autos komplett, und vor allem sorgen sie für Pluspunkte beim Alltagsnutzen. Apropos Anmutung: Aus mancher Perspektive wirkt der Ignis, der als Mini-SUV beworben wird, ziemlich ulkig. Das aber liegt vor allem an den Sehgewohnheiten der Betrachter, denen die Autoindustrie seit Jahren immer breitere und dazu oft auch immer flachere Autos vorsetzt. Selbst SUVs müssen zumindest möglichst gedrungen wirken, um deren angebliche Sportlichkeit zu betonen. Diesem Trend verweigert sich der Ignis, und siehe da: Das Auto tritt dadurch erfrischend eigenständig und vor allem erfreulich nutzerorientiert auf.

Der Trick mit den Farbtupfern

In diesem Stil ist auch der Innenraum gehalten. Es gibt einen zentralen Touchscreen, eine schmale Mittelkonsole und dazwischen eine hübsch gestaltete Tastenleiste, mit der die Klimafunktionen und ein paar Assistenzsysteme bedient werden. Das alles bieten andere Kleinwagen so ähnlich auch. Dass der Ignis dennoch etwas temperamentvoller wirkt, liegt an der Zweifarbigkeit der Armaturentafel und den orangefarbenen Akzenten der Mittelkonsolenverkleidung oder der Zuziehgriffe der Türen. Leder- oder Karbonimitat sind gar nicht nötig, es genügen ein paar Farbtupfer, um einen Autoinnenraum so zu gestalten, dass man sich gern in ihm aufhält.

Beim Antrieb macht es Suzuki den Ignis-Interessenten einfach, es gibt nämlich nur einen Motor für dieses Auto, basta. Der 1,2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 90 PS tut genau das, was man von so einem Aggregat erwartet: Es bringt den 945 Kilogramm schweren Knirps fidel voran, ohne groß aufzufallen. Man will mit so einem Auto ja vor allem stressfrei ankommen, und keine Bestzeiten aufstellen oder gar in physikalische Grenzbereiche vorstoßen. Obwohl man unserem Testwagen, einem Ignis Allgrip, durchaus etwas zutrauen dürfte, denn das Allgrip steht für einen Allradantrieb, der über eine Viskokupplung die Hinterräder immer dann mit Drehmoment versorgt, sobald an den Vorderrädern Schlupf auftritt. Das Allradsystem kostet 1500 Euro Aufpreis und bedeutet 60 Kilogramm Mehrgewicht.

Entscheidung: Allradantrieb oder Mild-Hybrid

Den Durchschnittsverbrauch für das von uns gefahrene Auto gibt Suzuki mit fünf Litern je 100 Kilometer an, unser Testwagen schluckte im Schnitt 6,4 Liter. Im Angebot ist das Auto auch mit einem Mild-Hybrid-System mit zusätzlichem Elektromotor und Lithium-Ionen-Akku, das den Durchschnittsverbrauch auf 4,3 Liter senkt - und den Neupreis auf 17.240 Euro treibt; im "ADAC-Ecotest 2017" erreichte der Suzuki Ignis Hybrid die Bestwertung unter allen Autos mit Benzinmotor. Mehr Grip oder weniger Verbrauch und Schadstoffe - Ignis-Interessenten müssen sich entscheiden zwischen dem Auto mit Hybrid- (Frontantrieb) oder Allradantrieb; eine Kombination aus beidem ist nicht verfügbar.

Fährt man mit dem Ignis, fallen vor allem zwei Dinge auf: Erstens ist es in diesem Auto tatsächlich sehr angenehm, etwas höher zu sitzen, denn so wird der Vorteil der geringen Abmessungen durch die gute Übersicht noch verstärkt. Die zweite Auffälligkeit ist jedoch ein Manko, denn aufgrund der breiten C-Säulen bringt der Schulterblick nach rechts hinten kaum neue Erkenntnisse. Beim Rechtsabbiegen mit dem Ignis sollte man also immer einmal mehr hinschauen.

Soll es ein Kleinwagen sein, der hohen Alltagsnutzen, problemloses Handling und ein gewisses Maß an Originalität bietet, dürfte der Suzuki Ignis in die engere Wahl kommen. Das Auto lässt durch seine muntere Bescheidenheit sogar die SUV-Idee sympathisch erscheinen. Weniger ist eben doch mehr - zumindest öfter, als man denkt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Suzuki
Typ: Ingis 1.2 Dualjet Allgrip
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.242 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 120 Nm
Von 0 auf 100: 11,9 s
Höchstgeschw.: 165 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kofferraum: 204 Liter
umgebaut: 1.086 Liter
Gewicht: 945 kg
Maße: 3700 / 1660 / 1595
Preis: 16.190 EUR
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insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
observerlbg 16.07.2018
1. Ähm, ja....
Wo sind sie alle hin, die regelmäßigen Nörgler:"aber es muss doch auch mal endlich wieder was Kleines geben, als immer nur diese Luxus-SUVs." Nun, hier isser ;-) Ich möchte wetten, dass wir von diesem typischen Asia-Mikro-VAN hier in Deutschland so gut wie keinen zu Gesicht bekommen, bei dem Preis?
timber_ulf 16.07.2018
2. Man staune... Es geht ja doch!
Ich frage mich nur warum wieder die Japaner solch sinnvolles sparsames Auto auf den Markt bringen. Verkaufen wird es sich wahrscheinlich nur an Leute die sparsam sind und auf innere Werte achten. Gut so! so kann man wahrscheinlich 90% der Besitzern einen gesunden Menschenverstand und keine Oberflächlichkeit suggerieren. Ein Frau die damit die Kinder zum Kindergarten fährt würde ich wahrscheinlich auf einen Kaffee einladen.
lobivia 16.07.2018
3. Endlich!
Der Blicker hat doch recht! SUV sind platzsparend und effizient. Suzuki sei Dank!
chrismuc2011 16.07.2018
4.
Diese aufgesetzten Touchscreens mag ich überhaupt nicht. Aber besser hier als in einem 4mal so teuren Mercedes. Wieso schafft er mit 90 PS ( Gott sei Dank 4 Zylinder) nur 165km/h? Die C-Säule und das Heck sehen grauenvoll aus. Hätte man sich den Bruder Swift ab 2005 als Muster genommen, wäre ein pfiffiges Design dabei herausgekommen.
Pickle_Rick 16.07.2018
5.
Zitat von timber_ulfIch frage mich nur warum wieder die Japaner solch sinnvolles sparsames Auto auf den Markt bringen. Verkaufen wird es sich wahrscheinlich nur an Leute die sparsam sind und auf innere Werte achten. Gut so! so kann man wahrscheinlich 90% der Besitzern einen gesunden Menschenverstand und keine Oberflächlichkeit suggerieren. Ein Frau die damit die Kinder zum Kindergarten fährt würde ich wahrscheinlich auf einen Kaffee einladen.
Dazu gibt es noch das passende Designpaket. Dabei handelt es sich um Aufkleber auf Frontscheibe, Heckscheibe und den Türen mit der Aufschrift "Bitte schaut mich an! Ich bin so kluk!" Ich würde allerdings nicht empfehlen den Wagen mit weißem Lack zu bestellen. Sonst kommt der Fuchsschwanz des Bildungsbürgers (Apple Aufkleber) nicht mehr zur Geltung.
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