Von Tom Grünweg
Osamu Suzuki will endlich ernst genommen werden im Kreis der Automobilhersteller. Der Seniorchef das japanischen Unternehmens, das nach Honda der zweitgrößte Motorradhersteller der Welt ist, würde gerne auch im Autogeschäft ganz groß mitmischen. Bislang konzentrierte sich Suzuki zu diesem Zweck auf pfiffige Kleinwagen und kleine Geländefahrzeuge, und tat das immerhin derart überzeugend, dass unlängst der VW-Konzern bei den Japanern einstieg.
Jetzt aber soll endlich einmal ein "richtiges" Auto beweisen, dass Suzuki auch bei vierrädrigen Fahrzeugen zur Weltspitze gehört. Das zumindest ist die indirekte Botschaft des neuen Kizashi. "Mit dem neuen Modell bewegen uns im Feld der Mittelklasselimousinen", sagt Minoru Amano, Deutschlandchef von Suzuki. Zum Konkurrenzumfeld zählt er Autos wie den Peugeot 407, den Seat Exeo, den Skoda Octavia oder den VW Jetta.
In Japan und in den USA kann man den Kizashi schon seit ein paar Monaten kaufen, und auch in einigen europäischen Ländern wie der Schweiz steht er bereits bei den Händlern. Die Dependance in Deutschland dagegen zögerte lange, ob das Auto überhaupt angeboten werden soll. Aber nachdem Suzuki zu den großen Gewinnern der Abwrackprämie zählte und im vergangenen Jahr um gut 60 Prozent zulegte, obsiegten die Optimisten. Ab dem Spätherbst wird es soweit sein.
"Sicherlich ist eine unserer Kernkompetenzen der Bau von Klein- und Kompaktwagen", räumt Amano ein. "Aber mit dem Kizashi geben wir unseren Kunden die Möglichkeit, mit der Marke zu wachsen." Das japanische Wort Kizashi bedeutet übrigens Zeichen oder Omen. Suzuki nennt den Wagen deshalb einen "Vorboten großer Dinge".
Aber das große Ding wird das Auto in Deutschland wohl nicht.
Optisch macht der Viertürer zwar einiges her. Die ersten Designstudien waren naturgemäß schmissiger, doch auch das Serienmodell wirkt durch den großen Kühlergrill, die hoch angesetzte Schulterpartie und das knackig-kurze Heck durchaus markant. Die Ernüchterung folgt jedoch nach dem Einsteigen: Das Innenleben kann mit dem vergleichsweise engagierten Karosserie-Design kaum mithalten. Billig wirkende Kunststoffe auf den Konsolen, schlechte Aluminium-Imitate als Zierstreifen, ziemlich kurze Sitzflächen und ein schlichtes Kombiinstrument zeugen vom Kostendruck, der auf dem Auto lastet.
Reichhaltige Ausstattung, aber keine Überraschungen
Außerdem fehlt es an innovativen Ausstattungsmerkmalen. Wo die Konkurrenz mit modernen Systemen wie etwa Spurführungsassistenten oder Totwinkel-Überwachung aufwartet, muss Suzuki passen. Stattdessen soll schon bald ein zuschaltbarer Allradantrieb verfügbar sein, der allerdings mit einem in Europa nicht sonderlich beliebten stufenlosen Automatikgetriebe gekoppelt wird.
Die Serienausstattung zumindest ist umfangreich: Sieben Airbags, ein schlüsselloses Startsystem, Ledersitze, Klimaautomatik und 18-Zoll-Räder gehören dazu. Ordentlich sind auch die Platzverhältnisse. Mit 4,65 Metern Länge etwa überragt der Kizashi eine Mercedes C-Klasse oder einen VW Jetta um ein paar Zentimeter. Und bei 2,80 Metern Radstand kann man auf den Vordersitzen sehr bequem und im Fond auch noch ganz kommod sitzen. Der Kofferraum fasst 461 Liter und eine Durchreiche hinter der Mittelarmlehne erleichtert den Transport von Skiern oder anderen langen Gepäckstücken.
Moderne Spritspartechnik? Fehlanzeige
Ein Missverhältnis gibt es wiederum zwischen dem sportlichen Auftritt des Autos und der Antriebstechnik. Die Eckwerte des Vierzylinder-Benziners - 2,4 Liter Hubraum, 178 PS und 230 Nm - sind durchaus beeindruckend. Aber in der Praxis fehlt es dem 1,6 Tonnen schweren Auto an Leistung. Man muss schon oft zum Knauf des Sechsgangetriebes greifen, wenn man flüssig im Verkehr mitschwimmen will.
Vor allem auf langgezogenen Steigungen wirkt der Wagen ein wenig überfordert. Was ihm da fehlt, sind zum Beispiel zwei zusätzliche Zylinder oder moderne Techniken wie Aufladung und Direkteinspritzung, mit denen mancher Konkurrent am Start ist. Damit (oder mit einer Start-Stopp-Automatik) ließe sich wohl auch der zu hohe Normverbrauch von 7,9 Litern senken.
Ob und wie der Kizashi bei uns ankommt, wird am Ende wohl vor allem davon abhängen, ob der Einstiegspreis der Kundschaft akzeptabel erscheint. Leider sind die aufgerufenen 26.900 Euro ein eher - Verzeihung - böses Omen: Denn den Mazda 6 etwa gibt es ab 24.190 Euro, der billigste Peugeot 407 kostet 5000 Euro weniger als der Kizashi und das Einstiegsmodell des Skoda Octavia ist gar ab 15.190 Euro zu haben.
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