Von Tom Grünweg
Suzuki hat es in den letzten Jahren vom belächelten Nischenanbieter zum anerkannten Kleinwagenspezialisten gebracht - und geriet so ins Visier von VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Seit einigen Monaten sind die Wolfsburger an Suzuki beteiligt. Der Aufstieg der Japaner basiert vor allem auf dem Kleinwagen Swift, dem erfolgreichsten Auto der Firmengeschichte. Seit 1983 wurden von drei Generationen des Modells mehr als vier Millionen Exemplare gebaut, davon gut 250.000 für den deutschen Markt.
Der Suzuki Swift wird in 150 Ländern verkauft, wichtigster Markt ist Europa. Im ungarischen Esztergom lief vor wenigen Tagen das erste Modell der vierten Generation vom Band. Das Überraschungsmoment des neuen Modells: Es sieht aus wie das bisherige. "Das sagt durchaus gewollt. Uns ging es um Evolution statt Revolution", sagt Designchef Tetsuya Ozasa. Dann beeilt er sich, auf die wenigen Änderungen hinzuweisen, die etwas weiter ausgestellten Kotflügel zum Beispiel, die stärkeren Konturen im Kühlergrill und die größeren Scheinwerfer an Front- und Heckpartie.
Die ästhetische Zaghaftigkeit hat einen nachvollziehbaren Grund, und der liegt in der Beliebtheit des bisherigen Modells begründet. "Warum sollten wir einen Siegertypen mehr verändern als nötig?", fragt Minoru Amano, der Europachef von Suzuki. "Das Design war schließlich für viele Kunden der wichtigste Kaufgrund."
Kaum verändern wird sich nach Angabe der Suzuki-Verantwortlichen auch der Preis des Autos. Das billigste aktuelle Swift-Modell ist für 12.700 Euro zu haben, und auch der günstigste Typ der neuen Generation wird, wenn er demnächst bei den Händlern stehen wird, weniger als 13.000 Euro kosten. Ausgestattet sein wird die Basisversion unter anderem mit sieben Airbags und ESP. Wie es heißt, plant Suzuki für die kommenden Jahre auch noch ein Einstiegsmodell mit abgespeckter Komfortausstattung, das "deutlich unter 12.000 Euro" kosten soll.
Der Chefentwickler bemüht sich, das Auto als wirklich neu anzupreisen
Altbekannter Look, kaum veränderte Preise - ist der neue Swift wirklich ein neues Auto? Chefentwickler Naoyuki Takeuchi ahnt, dass er diese Frage künftig häufig beantworten muss. Er sagt: "Wir haben tatsächlich fast jedes Teil geändert." Schon die Plattform wurde neu entwickelt. Sie verfügt über fünf Zentimeter mehr Radstand, ist um ein paar Millimeter breiter geworden. Das Auto wurde insgesamt- dank einer neuen Karosseriestruktur - um immerhin 20 Kilo leichter. Außerdem sind Lenkung und Fahrwerk neu. Letzteres fühlt sich aufgrund der strafferen Auslegung auch etwas sportlicher an.
Im Innenraum hingegen merkt man vom Generationswechsel nicht viel. Die Platzverhältnisse sind ausreichend, aber trotz dem auf 2,43 Meter gestreckten Radstand und der Länge von 3,85 Meter natürlich nicht üppig. Und der Kofferraum ist mit 211 Liter Fassungsvermögen allenfalls durchschnittlich, zumal das Gepäck über eine hohe Ladekante gewuchtet werden muss und beim Umlegen der Rückbank eine hinderliche Stufe im Ladeboden entsteht; immerhin wächst das Volumen dann auf 512 Liter.
Blühende Plastiklandschaften, sparsamere Motoren
Immerhin, es gibt im Interieur einige neue, schmissige Linien, frisch glänzende Metallkonsolen, neue Cockpit-Instrumente mit schmucken Skalen und ein einige Displays, die nun nicht mehr an Backwecker oder frühe Digitaluhren erinnern, sondern modern und schwungvoll aussehen. Dennoch herrscht insgesamt der Eindruck einer etwas tristen Plastiklandschaft vor.
Erlebbar wird der Fortschritt der jüngsten Swift-Generation vor allem an der Tankstelle. Denn erneuert wurde der wichtigste Motor im Swift-Angebot - und bei dieser Gelegenheit gleich ein wenig geschrumpft. Statt 1,3 hat der Vierzylinder-Benziner nun 1,2 Liter Hubraum, verfügt über eine variable Ventilsteuerung sowie eine optimierte Verbrennung - und kommt daher mit 20 Prozent weniger Treibstoff klar. Der Durchschnittsverbrauch sank von vormals 5,8 auf nun 5,0 Liter.
In Japan gibt es den Swift auch schon als Plug-in-Hybrid
An den Leistungsdaten änderte sich allerdings kaum etwas. Mit jetzt 94 PS und 118 Nm Drehmoment braucht der Swift 12,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100, und bei 165 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Wem das nicht reicht, der muss auf den Sommer 2011 warten, wenn wieder einen Swift Sport mit rund 130 PS, und dann vielleicht endlich auch einer Sechsgang-Schaltung, antreten soll.
Wer den Swift als Sparmobil fahren möchte, kann (ausschließlich für die Top-Ausstattung) eine Start-Stopp-Automatik bestellen - oder zum Modell mit Dieselmotor greifen. Das bleibt in den Kennziffern nahezu unverändert bei 1,3 Litern Hubraum, 75 PS Leistung, 180 Nm Drehmoment - und verbraucht jetzt nur noch 4,2 Liter.
Auch wenn es momentan in Europa nicht danach aussieht - der Swift ist Suzukis Innovationsträger. In Japan wird das Auto demnächst mit Hybridantrieb und Plug-In-Technik angeboten, zunächst jedoch ausschließlich für einen Flottentest. Geht der glatt, könnte der Wagen mit elektrisch unterstütztem Antrieb durchaus in Serie gehen.
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