Autogramm Suzuki SX4: Gewachsen, aber nicht gereift

Von Tom Grünweg

Suzuki SX4: Außen modern, innen altmodisch Fotos
Suzuki

Der neue Suzuki SX4 ist eine große Überraschung - im Vergleich zum Vorgänger ist die zweite Baureihe des Geländewagens mächtig gewachsen. Das macht ihn bequem und praktisch. Allerdings haben die Japaner nicht überall eine Schippe draufgelegt.

Der erste Eindruck: Ups, ist der groß geworden. Wo die Konkurrenz ihre neuen Autos gerade eifrig eindampft und mit Fahrzeugen wie Opel Mokka, Ford EcoSport oder Peugeot 2008 auch Geländewagen immer kleiner werden, legt der Suzuki SX4 beim Generationswechsel ordentlich zu. Das ist vielleicht nicht gerade wegweisend, aber dafür hat man jetzt innen endlich richtig Platz.

Das sagt der Hersteller: "Als wir 2006 den SX4 auf den Weg gebracht haben, gehörten wir zu den ersten in diesem Segment und haben es mit der Kombination aus SUV-Technik und Kleinwagenformat einmal mehr zum Trendsetter gebracht", sagt Europa-Chef Takanori Suzuki. Doch für den Familienausflug war das Auto vielen Käufern bislang zu klein. "Wir wollten den potentiellen Kundenkreis vergrößern und zum Beispiel auch junge Paare mit Kindern ansprechen. Deshalb heben wir den SX4 mit dem Generationswechsel in die volumenträchtige Kompaktklasse."

Das ist uns aufgefallen: Dass es die Japaner mit Wachstum und Familientauglichkeit beim SX4 ernst meinen. Denn durch die Vergrößerung von Radstand (plus 10 Zentimeter) und Länge der Karosserie (plus 15 Zentimeter Länge) haben Erwachsene vorne und hinten reichlich Platz. Und trotz größerer Beinfreiheit wächst auch der Kofferraum. Er fasst jetzt 430 statt zuvor 270 Liter.

Mehr Raum bedeutet allerdings nicht automatisch mehr Klasse: Vor allem innen wirkt der nagelneue Wagen ziemlich gestrig. Das liegt nicht nur an der tristen, grauen Plastiklandschaft, die auch mit unterschäumten Kunststoffen und Lederpolstern nicht farbenfroher wird. Sondern schuld sind auch schmucklose Instrumente und monochrome Bildschirme mit grobschlächtigen Grafiken, die so gar nicht in die Zeit von Tabletcomputern und Smartphones passen.

Auch bei den Assistenzsystemen hinken die Japaner hinterher. Wo bei der Konkurrenz mittlerweile schon Kleinwagen eine automatische Notbremse haben und die Überwachung von Abstand und Fahrspur zum guten Ton gehören, hat der Suzuki nicht viel mehr als einen Tempomaten und eine Berganfahrhilfe zu bieten.

Das muss man wissen: Wenn der neue SX4 im September in den Handel kommt, müssen die Suzuki-Kunden deutlich tiefer als beim ersten Modell in die Tasche greifen. Denn so, wie das Format wächst, steigt auch der Preis - er beginnt künftig bei 19.490 Euro. Das sind rund 2500 Euro mehr als bisher.

Dafür gibt es den SX4 mit Frontantrieb, Fünfgang-Schaltung und einem 1,6-Liter-Benziner, der es auf 120 PS bringt. Für 1700 Euro bietet Suzuki einen Allradantrieb mit vier unterschiedlichen Fahrprogrammen an, für weitere 2200 Euro gibt es einen ebenfalls 1,6 Liter großen und 120 PS starken Diesel samt zeitgemäßem Sechsgang-Getriebe.

Für 3900 Euro Aufpreis bekommt man den SX4 wie das hier getestete Exemplar auch als Selbstzünder mit 4x4-Technik. Diese Kombination macht einen ganz ordentlichen Eindruck: Der Diesel ist zwar ein bisschen brummig und das Fahrwerk für eine Familienkutsche überraschend stramm. Aber die Lenkung ist angenehm direkt und wenn man den Vierzylinder ordentlich auf Trab hält, kommt man mit den maximal 320 Nm ganz flott vom Fleck. Überholen gelingt dann sogar auf einer kurvigen Landstraße und das Spurtvermögen ist besser, als eine Sprintzeit von 13 Sekunden erwarten lässt.

Wer sich mit dem neuen Format nicht anfreunden möchte, kann übrigens den alten SX4 als Benziner oder Diesel vorerst weiter kaufen. Die alten Modelle starten zwar bei 17.490 Euro ohne und 18.990 Euro mit Allradantrieb. Aber dank der üppigen Serienausstattung beziffert Suzuki den Preisvorteil auf fast 10.000 Euro.

Das werden wir nicht vergessen: Die Suche nach dem Bordcomputer. Und die doppelte Überraschung, die man dabei erlebt. Erstens eine böse: Es gibt elf Tasten am Lenkrad, aber mit keiner wird der Kilometerzähler bedient - dafür ist es schon nötig, mühsam am Lenkkranz vorbei auf einen Knopf zu drücken. Und zweitens eine gute: Denn nach einer zügigen Fahrt mit viel Autobahn und noch mehr kurvigen Mittelgebirgsstraßen zeigt der Computer einen Wert von 6,5 Litern Durchschnittsverbrauch an. Relativ betrachtet sind das zwar fast 50 Prozent mehr als der Normwert von 4,4 Litern. Aber absolut ist das für ein Auto dieses Formats ein respektables Ergebnis.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Meine Güte...
MarkInTosh 17.06.2013
Meine Güte, was für eine hässliche Schaukel! Und das von der Firma, die Modelle, wie LJ, SJ und Jmny ersonnen hatte. Allerweltsdesign trifft billigstes Plastik und Null Offroad-Tauglichkeit. - Hinsetzen, Sechs!
2. optional
Rinax 17.06.2013
Ich mag große Autos, aber für so ein Schiff sind 120 PS einfach viel zu schlapp. Das gleiche Problem kommt zum Beispiel beim Mitusbishi ASX auf, ein Möchtegern SUV mit viel zu wenig Leistung um damit dann wirklich Mitfahren und nicht nur hinterherfahren zu können.
3. Bunte Displays? Assistenzsysteme?
Xan1973 17.06.2013
Es soll auch Leute geben, die ohne diesen Firlefanz auskommen... Andererseits gibts aber sicher auch welche, die sich ein neues Auto kaufen, weil da jetzt ein buntes Display drin ist.
4.
MarkInTosh 17.06.2013
Zitat von Xan1973Es soll auch Leute geben, die ohne diesen Firlefanz auskommen...
Aber diese Leute fahren dann auch z.B. Subaru Forester oder echte Offroad-Modelle. Das hier ist ein ziemlich hausbacken gestaltetes Mittelklasse-Wägelchen ohne besondere Bodenfreiheit und Unterbodenschutz, dafür aber mit viel billigst aussehendem Plastik (wenn man das schon auf den Bildern sehen kann) und einer Minimalst-Ausstattung. Na ja, wer's braucht...
5. Wenn es
Rockaxe 17.06.2013
Zitat von sysopDer neue Suzuki SX4 ist eine große Überraschung - im Vergleich zum Vorgänger ist die zweite Baureihe des Geländewagens mächtig gewachsen. Das macht ihn bequem und praktisch. Allerdings haben die Japaner nicht überall eine Schippe draufgelegt. Suzuki SX4: Aufgefrischter Kompakt-SUV mit Schwächen im Innenraum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/suzuki-sx4-aufgefrischter-kompakt-suv-mit-schwaechen-im-innenraum-a-905015.html)
im Prinzip nichts zu meckern gibt muss man wohl krampfhaft danach suchen: Als ob das soooooo schlimm ist, wie oft macht man dies denn entweder einmal am Tag, oder nachdem man das Fahrzeug vollgetankt hat. Eine Taste dafür am Lenkrad sorgt eher dafür, dass man versehentlich diese betätigt. Dann noch bei Bild 7 ---Zitat--- Von gestern: Das Plastik des Armaturenbrett wirkt billig und die Anzeigen im Cockpit wirken wie aus einer anderen Zeit. Monochrome Displays sind einfach nicht mehr zeitgemäß. ---Zitatende--- Ist eine reine Ansichtssache. Warum braucht man ein Display welches in "7000" verschiedenen Farben leuchten soll? Lenkt nur unterbewußt ab. Leider ist das Größenverhältnis nicht gut zu erkennen, denn auf diesem Bild kommen mir Drehzahlmesser und Tachometer recht klein vor. Aber ansonsten, gut gelungen, bis auf den Kofferraum, aber die Gitarre oder der Bass käme bei mir sowieso auf den Rücksitz.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Suzuki
Typ: SX4 (2013)
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Handschaltung
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 120 PS (88 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 13,0 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kofferraum: 430 Liter
umgebaut: 1.269 Liter
Gewicht: 1.305 kg
Maße: 4300/1765/1575
Preis: 25.190 EUR


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