Suzuki XL-7: Unter fremder Flagge

Von Tom Grünweg

Bis 2010 das neue Mittelklasse-Modell Kizashi kommt, müssen Suzuki-Kunden hierzulande mit kleineren Autos Vorlieb nehmen. In den USA dagegen gehört auch der geräumige XL-7 zur Modellpalette. Der Geländewagen würde auch gut nach Europa passen.

Suzuki hat ein Problem. Der Marke fehlen die richtigen Autos. An attraktiven Kleinwagen herrscht dank der Modelle Swift, Splash und des kommenden Minimobils A-Star kein Mangel. Doch wer mehr Geld fürs Fahrzeug ausgeben möchte oder mehr Platz braucht, muss zu einer anderen Marke wechseln. Selbst bei den Geländewagen ist mit dem Grand Vitara Schluss.

Der hat zwar einen großen Namen, ist aber mit einer Länge von 4,45 Metern recht bescheiden bemessen. Mittelfristig soll daher eine neue Limousine helfen, die 2010 an den Start gehen wird. Aber selbst wenn das Design so forsch wird wie bei den bisherigen Studien – der Viertürer wird in einem für Importeure schwierigen Segment antreten.

Was Suzuki dringender bräuchte, wäre ein größerer Geländewagen. Anders als die Entscheidungsträger in Europa haben das die Manager in den USA erkannt, vor sieben Jahren schon einen gestreckten Grand Vitara aufgelegt und diesen als XL-7 im vergangenen Jahr erneuert. Zwar fährt die zweite Generation des Flaggschiffs unter falscher Flagge, weil das neumodische Sport Utility Vehicle (SUV) eigentlich ein Chevrolet Equinox ist. Doch dem Erfolg des Wagens tut das keinen Abbruch. Allein für 2007 wies die US-Statistik rund 23.000 Zulassungen aus.

Für deutsche Autobahnen taugt der XL-7 mit seiner aktuellen Abstimmung freilich ebenso wenig wie für schweres Gelände. Die Federung könnte etwas härter sein, die Bremsen dürften mehr Biss haben, und für einen echten Offroader ist ein aufpreispflichtiger Allradantrieb, der maximal 50 Prozent der Kraft nach hinten leitet, natürlich zu wenig. Aber in der New Yorker Rushhour machte der 5,01 Meter lange Boulevard-Abenteurer mit der glänzenden Frontpartie, den spitz zugeschnittenen Scheinwerfern und der glatt geschliffenen Karosserie bei einer kurzen Testfahrt von SPIEGEL ONLINE eine gute Figur.

Angetrieben von einem 3,6 Liter großen V6-Motor mit 255 PS und maximal 329 Nm sowie dirigiert von einer ordentlichen Fünf-Stufen-Automatik ist der XL-7 beim Ampelstart vorne mit dabei. Obwohl man sich fragt, wo genau ein Teil der 255 PS eigentlich versickert, reicht das Spurtvermögen von weniger als neun Sekunden von 0 bis 100 für den Auto-Alltag allemal. Und wenn es raus auf die Schnellstraße geht, schwimmt der Wagen locker mit.

Wichtiger als Motorleistung und Fahrverhalten sind den US-Kunden die Platzverhältnisse und die Komfortausstattung. Gemessen an den üblichen Full-Size-SUV wirkt der XL-7 da freilich wie ein Armhäusler. Aber den Vergleich mit einem Honda CR-V oder einem Hyundai Veracruz muss er nicht scheuen. Denn in der ersten Reihe könnten wahrscheinlich selbst Profis der Harlem Globetrotters bequem auf Reisen gehen.

Gutes Platzangebot, ordentliche Ausstattung

Auch die zweite Reihe ist für Erwachsene keine Zumutung. Nur auf den Plätzen sechs und sieben fällt die Sitzprobe jenseits des Highschool-Alters etwas schwerer. Doch kann man die dritte Bank ja auch im Wagenboden verstauen und dann den größeren Kofferraum nutzen. Fasst er bei voller Bestuhlung nur 400 Liter, wächst er dann auf 1,4 Kubikmeter – das Geheimfach im Unterboden nicht mitgerechnet.

Dazu gibt es eine Ausstattung und eine Materialauswahl, für die sich Suzuki auch in Europa nicht schämen müsste. Natürlich wird niemand ernsthaft glauben, dass die Vinyl-Eiche im Cockpit jemals in einem Wald stand. Und auch die Kunststoffe in der Mittelkonsole wirken bei anderen Herstellern feiner. Doch tritt der XL-7 vornehmer als manch anderes Fernost-SUV auf, und die Ausstattungsliste ist von stattlicher Länge. Neben ESP und vier Airbags sind auch Klimaautomatik, Aluräder, CD-Radio sowie zahlreiche elektrische Helfer serienmäßig.

Und das bei einem Grundpreis von 21.349 Dollar, für die es umgerechnet in Euro bei uns gerade einmal einen Suzuki Jimny geben würde. Wer mehr zahlt, bekommt sogar einen Hauch von Luxus. Denn im Flaggschiff für 27.299 Dollar gehören Lederpolster, Sonnendach, Sitzheizung, DVD-Entertainment und eine pfiffige Rückfahrkamera, deren Bilder direkt in den Rückspiegel übertragen werden, zur Serienausstattung.

Ob der XL-7 auch nach Europa kommt?

"Sicher könnten wir uns ein SUV in der Größe eines XL-7 mit sieben Sitzplätzen auch in Europa gut vorstellen, nicht nur weil es ein wachsendes Segment ist", sagt Suzuki-Europachef Minoru Amano. 2007 habe Suzuki in ganz Europa rund 334.000 Autos verkauft, davon etwa ein Viertel Grand Vitara. Der stärkste Grand-Vitara-Markt war Russland mit 15.000 Einheiten, Deutschland lag mit fast 7000 Grand Vitara auf Platz vier. "Eigentlich Argumente für einen XL-7", sagt Amano.

Nur eines müsse man beachten: In Deutschland hab das SUV-Segment eine Dieselquote von mehr als 75 Prozen, doch leider gibt es für den XL-7 keinen passenden Selbstzünder. Deshalb wäre dieses Auto in Europa derzeit wohl chancenlos, sagt der Manager. "Aber warten wir mal auf die nächste Generation des Grand Vitara in wenigen Jahren. Vielleich können wir dann ja stärkere Motoren anbieten."

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Fahrzeugschein
Hersteller: Suzuki
Typ: XL-7
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 3.600 ccm
Leistung: 255 PS (188 kW)
Drehmoment: 329 Nm
Von 0 auf 100: 8,9 s
Kraftstoff: Normalbenzin
Kofferraum: 396 Liter
umgebaut: 2.696 Liter
Preis: 15.800 EUR

Fotostrecke
Suzuki XL-7: Der große Onkel aus Amerika

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