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Tesla Roadster 2.5 Sport: Wer rasen will, muss planen

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Als der Tesla Roadster 2008 auf den Markt kam, war er ein Unikum. Mittlerweile stehen mehrere Nachahmer in den Startlöchern - der Audi E-tron oder der Mercedes SLS E-Cell. Derweil holt der US-Elektro-Pionier schon zum nächsten Schlag aus - mit einer faszinierenden Familienlimousine.

Tesla Roadster 2.5 Sport: Pfadfinder einer neuen Zeit Fotos
Tom Grünweg

Die Leute von Tesla haben dazugelernt: "Klar können Sie einen Testwagen haben." Öffentlichkeitsarbeit, das weiß man inzwischen bei dem Stromer-Pionier, ist wichtig, wenn man im großen Automobilgeschäft mitmischen möchte. Doch einfach so rücken die Amerikaner ihre Autos dann doch nicht heraus. Wo soll es hingehen? Wie weit wollen Sie fahren? Und: Gibt es da auch eine Steckdose? Das sind die Fragen, die vor einer Ausfahrt mit dem elektrischen Roadster geklärt werden müssen. Sie verdeutlichen ein Problem, dass sich weder durch die ersten tausend E-Autos auf deutschen Straßen noch durch die Diskussionen der Nationalen Plattform Elektromobilität bislang lösen ließ: Wer mit Strom fährt, muss die Reise genau planen. Individuell mobil ist man so durchaus, aber automobile Unabhängigkeit sieht anders aus.

Das ist einer der Gründe, weshalb der Elektroantrieb bislang ein Nischendasein fristet. Verfügbar ist er entweder in Kleinwagen, die im Stadtverkehr nur kurze Strecken fahren, oder in Sportwagen, die nie Erstauto sind und nur als Spaßmobile genutzt werden. Bei E-Sportwagen kommt noch ein Aspekt hinzu: Da auch herkömmlich motorisierte Sportwagen häufig sechsstellige Summen kosten, lässt sich der immense Aufwand für die Akkus besser verstecken. Auch einige deutsche Hersteller werden als erstes E-Modell einen Sportwagen anbieten. Bei Mercedes-AMG wird es der SLS E-Cell sein, bei Audi der R8 E-Tron.

Während die Spannung bei den Großkonzernen im Windschatten von Pionieren wie Nissan, Renault und Mitsubishi eher bedächtig steigt, ist bei Tesla das Ende der ersten Generation E-Roadster schon wieder absehbar. 1700 der insgesamt geplanten 2400 Strom-Roadster sind bereits ausgeliefert.

Nach den USA ist Deutschland übrigens der wichtigste Markt, sagt Tesla-Sprecherin Sarah Zimmermann. Etwa 130 Autos wurden über den bislang einzigen deutschen Händler in München sowie einen Agenten für Hamburg und Berlin verkauft. Bislang wurde das Tesla-Modell in 30 Ländern abgesetzt, insgesamt kommen alle Fahrzeuge zusammen auf mehr als 16 Millionen Kilometer. Anders gerechnet: Sie sparten rund 1,9 Millionen Liter Sprit oder 2,4 Millionen Kilogramm CO2. Das rettet nicht die Welt, ist aber ein Anfang.

Bei Tesla Motors wird bereits an der zweiten E-Auto-Generation gearbeitet

Derzeit wird bei Tesla Motors bereits an der nächsten Stufe gearbeitet. Noch bevor hiesige Elektroautos wie der VW Golf eMotion oder der BMW i3 anrollen, will das US-Unternehmen mit dem Modell Tesla S, einer familientauglichen Limousine mit bis zu 480 Kilometern Reichweite, ins Massengeschäft einsteigen und einmal mehr den Markt verändern.

Aus dem Pioniermodell, das auf dem Lotus Elise basiert, hat Tesla in den vergangenen Jahren ein richtig ordentliches Auto gemacht. Das Interieur ist inzwischen veredelt und die Qualität auf einem Niveau, das man bei Preisen jenseits von 100.000 Euro erwarten kann - selbst wenn das Gros der Summe für die 6831 Lithium-Ionen-Zellen draufgehen dürfte, die in einer Metallbox im Kofferraum in Reihe geschaltet wurden.

Zu erkennen ist die jüngste Evolutionsstufe Tesla Roadster an einer neuen Mittelkonsole, auf der ein Touchscreen platziert ist. Die Position auf Höhe des Schienbeins ist ungünstig zu erreichen und auch nicht optimal einsehbar, doch wird dort die aktuelle Reichweite und die über die gesamte Betriebsdauer eingesparte Kraftstoffmenge - bei gut 6000 Kilometern immerhin schon 465 Liter Sprit oder 6,4 Barrel Rohöl - angezeigt. Per Fingertipp lassen sich auch die Betriebsmodi wechseln. Neben dem Standardprogramm gibt es eines, das die Leistung drosselt und dadurch den Aktionsradius erweitert, und eines, das ohne Rücksicht auf die Reichweite den Fahrspaß maximiert.

Auch wenn sich Einiges am Tesla geändert hat - das Fahrgefühl ist und bleibt unvergleichlich. Vor allem, wer die 117.800 Euro teure Sportversion des Roadsters 2.5 bestellt, erlebt eine Bescheunigung, wie man sie sonst nur von Supersportwagen kennt. 400 Nm, die quasi ab der ersten Umdrehung bereit stehen, führen zu einem Sprintwert von 3,7 Sekunden. Zum Vergleich: Der Mercedes SLS mit AMG-Achtzylinder braucht eine Zehntel mehr.

Anschleichen, vorbeizischen und Verblüffung hinterlassen

Im Performance-Modus stürmt der Tesla so vehement voran, dass man im Stop-and-go-Verkehr einen feinfühligen Gasfuß braucht, wenn man nicht als notorischer Kavalierstarter dastehen will. Als Höchstgeschwindigkeit sind übrigens bis zu 212 km/h möglich. Auch dann pfeift nur der Wind in den Ohren - vom Motor ist nichts zu hören. Andere Autofahrer gucken verdutzt und irritiert. Irgendetwas stimmt hier nicht, sagt ihr Blick und liefert einen weiteren Beweis dafür, dass die Elektromobilität in der Gedankenwelt der deutschen Autofahrer noch nicht angekommen ist.

Auch als Fahrer muss man sich immer wieder der Eigenheiten des Elektroautos bewusst werden. Zwar liegt die Reichweite beim Tesla mit einem vollen Akku bei maximal 340 Kilometern, doch verkürzt ein flotter Fahrstil den Aktionsradius erheblich. Jeder Sprint, das muss einem klar sein, verringert die Reichweite. Wenn man die Batterieanzeige im Eiltempo fallen sieht, erinnert man sich wieder an die Fragen zu Beginn der Testfahrt. Ja, bis jetzt hat es eine Menge Spaß gemacht. Doch ab sofort ist nur eines wichtig: Wo ist die nächste Ladesäule?

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insgesamt 85 Beiträge
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1. Gähn ...
Trivalent 26.05.2011
Zitat von sysopAls der Tesla Roadster 2008 auf den Markt kam, war er ein Unikum. Mittlerweile stehen mehrere Nachahmer in den Startlöchern - der Audi E-tron oder der Mercedes SLS E-Cell. Derweil holt der US-Elektro-Pionier schon zum nächsten Schlag aus - mit einer faszinierenden*Familienlimousine. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,763868,00.html
Hat sich etwas geändert am Pseudoökospielzeug Namens Tesla??? Nö, nicht wirklich. Schön, dass wieder mal daran erinnert wurde.
2. Völlig zwecklos
Michael KaiRo 26.05.2011
---Zitat von SPON--- Würde man die Akkus ausschließlich mit regenerativ erzeugtem Ökostrom laden, führe man tatsächlich CO2-neutral, wenn man von der Produktion des Wagens einmal absieht. ---Zitatende--- einem Motorjournalisten klar zumachen, dass es neben CO2- Emissionen, welche übrigens die Umwelt gar nicht schädigen (im Gegenteil, unabdingbar für die Natur sind) sehr viel gesundheitsgefährlichere Fahrzeug-/Kraftwerks-Emissionen gibt wie Kohlenmonoxide, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide sowie Rußpartikel. Alle diese Emissionen entstehen auch bei der Produktion von Windkraftanlagen sowie PV-Anlagen und vor allem bei der Herstellung und Entsorgung der Akkus. Aber dieser ganze CO2-Quatsch zeigt bei einigen schon Wirkung. Zum Thema Tesla Roadster 2.5 Sport: Gibt es denn inzwischen überhaupt schon Kunden, die nicht zu PR-Zwecken fahren? Gibt es denn überhaupt schon Erfahrungsberichte / Langzeitstudien z.B. die ersten 100.000 km damit? Gibt es denn überhaupt schon Erfahrungsberichte mit den Li-Ion-Akkus des Tesla Roadsters?
3. mehr CO2 für alle
JBond 26.05.2011
Zitat von Michael KaiRoeinem Motorjournalisten klar zumachen, dass es neben CO2- Emissionen, welche übrigens die Umwelt gar nicht schädigen (im Gegenteil, unabdingbar für die Natur sind) sehr viel gesundheitsgefährlichere Fahrzeug-/Kraftwerks-Emissionen gibt wie Kohlenmonoxide, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide sowie Rußpartikel. Alle diese Emissionen entstehen auch bei der Produktion von Windkraftanlagen sowie PV-Anlagen und vor allem bei der Herstellung und Entsorgung der Akkus. Aber dieser ganze CO2-Quatsch zeigt bei einigen schon Wirkung. Zum Thema Tesla Roadster 2.5 Sport: Gibt es denn inzwischen überhaupt schon Kunden, die nicht zu PR-Zwecken fahren? Gibt es denn überhaupt schon Erfahrungsberichte / Langzeitstudien z.B. die ersten 100.000 km damit? Gibt es denn überhaupt schon Erfahrungsberichte mit den Li-Ion-Akkus des Tesla Roadsters?
is klar...deshalb ging es der Natur ja auch so furchtbar schlecht, als es noch keine Autos, Kraftwerke, ... gibt. Sicher benötigt die Natur CO2 zur Fotosynthese...davon ist aber mehr als genug vorhanden, dass man dieses nicht noch zusätzlich "produzieren" muss. Ich denke der Wagen ist gut fürs Gewissen der Käufer - ökologisch bringt er natürlich wenig. Aber wenn es die ganze Elektromobilität einen Schritt weiter nach vorn bringt und das Image verbessert, bringt es vielleicht doch was.
4. aha
lalelu, 26.05.2011
Völlig richtig! Nur verschlechtern sie anscheinend die Lebensbedingungen für Homo Sapiens auf der derzeitigen Evolutions- und Zivilisationsstufe. So what. In 200.000 Jahren kräht kein Hahn mehr danach.
5. Wenn ich hier so einige Kommentare ...
citizen_kane 26.05.2011
... lese, da sind so einige ideologisch in den 70'ern hängengeblieben, wo man beim Wort "Ökologie" sofort an irgendwelche linken Spinner dachte. Und wieder sind uns die US-Amerikaner um einiges voraus: Während hier noch ideologische Grabenkämpfe gefochten werden ("Ökologie? Ist das nicht was böses Linkes?") packen die US-Amerikaner die Sache schon ganz pragmatisch und völlig unideologisch an.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Tesla
Typ: Roadster 2.5 Sport
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Elektromotor
Getriebe: Eingang-Getriebe
Antrieb: Heck
Leistung (E-Motor): 292 PS (215 kW)
Drehmoment (E-Motor): 400 Nm
Von 0 auf 100: 3,7 s
Höchstgeschw.: 212 km/h
CO2-Ausstoß: 0 g/km
Preis: 117.800 EUR

Schnellcheck

Tesla Roadster 2.5 Sport

Einsteigen: ...weil man endlich mit gutem Gewissen rasen und dabei sogar manchen Porsche abhängen kann.

Aussteigen: ...weil Strom aus der Steckdose nicht immer sauberer ist als Benzin und wegen des horrenden Preises.

Umsteigen: ...ist kaum möglich. Mitsubishi iMiEV oder Nissan Leaf sind zu langsam und Mercedes SLS E-Cell oder Audi E-Tron noch nicht auf dem Markt.


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