Von Tom Grünweg
Knapp 16.000 Exemplare des Auris wurden im vergangenen Jahr neu in Deutschland zugelassen. 14 andere Modelle in dieser Klasse - natürlich der VW Golf und der Opel Astra, aber auch der Peugeot 308 oder der Kia Cee'd - verkauften sich laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg besser; das kann Toyota nicht gefallen. Jetzt reagierte das Unternehmen. "Das ist eine der umfangreichsten Modellüberarbeitungen, die wir je gemacht haben", sagt Toyota-Sprecher Henning Meyer über den neuen Auris, der ab 15. März zu Preisen ab 16.650 Euro in den Handel kommen wird. Während bei solchen Gelegenheiten sonst meist nur Kunststoffteile oder Scheinwerfer überarbeitet werden, wurden in diesem Fall sogar teure Blechteile wie beispielsweise die Motorhaube verändert.
Die gründliche Renovierung war offenbar nötig. In den vergangenen drei Jahren verkaufte Toyota insgesamt rund 54.000 Auris-Modelle hierzulande - damit schlug sich der Nachfolger des früheren Dauerbrenners Corolla gar nicht so schlecht. Doch angesichts des gigantischen Reklamefeldzugs, der die Markteinführung des Toyota Auris im Jahr 2007 begleitete, ist die Präsenz des Autos dann doch eine Enttäuschung. "Da haben wir vielleicht zu große Erwartungen geweckt", räumt Produktmanager Markus Burgmer ein. Dazu kommt: Der durchschnittliche Auris-Kunde zählt 54 Lenze. Für Toyota ist das wohl zu alt.
Die Variante "Club" soll speziell jüngere Autokäufer ansprechen
Mit der Überarbeitung soll das anders werden. Es gibt beispielsweise eine neue Ausstattungsvariante namens Club, die dem Auto mit Hilfe von orangefarbenen Ziernähten, einem kleinen Dachspoiler sowie getönten Scheiben und Scheinwerfern einen etwas jugendlicheren Anstrich geben soll. Und die neue Frontpartie des Wagens mit einer stärker konturierten Motorhaube und wuchtigeren Stoßfängern und das straffer gestaltete Heck sollen dem Vehikel mehr Charakter verleihen. Ein cooles Auto wird der 4,25 Meter lange Auris dadurch nicht, aber ein bisschen mehr Pepp bekommt er durchaus.
Im Innenraum haben die Designer die Einwände von Kunden und Kritikern ernst genommen und vor allem die weit in den Raum ragende Mittelkonsole verändert. Das von Spöttern als Knackwurst verulkte Gebilde wurde deutlich gekürzt, frisch lackiert und so geformt, dass der Handbremshebel sehr viel besser zu erreichen ist. Es bleibt allerdings beim hoch gesetzten Schaltknauf, weil der ergonomisch sinnvoll ist. Leider bleibt es auch bei dem eklatanten Mangel an Ablagen, über die andere Autos an dieser Stelle verfügen. Erneuert wurden jedoch die Oberflächen rund ums Cockpit; dort kommt nun eine sogenannte Soft-Touch-Beschichtung zum Einsatz, die sich gut anfühlt und gut aussieht.
Die Motoren sind alte Bekannte - im Herbst folgt ein Hybridantrieb
Unter der Haube bleibt alles beim Alten. Dort sind auch künftig ein 1,33-Liter-Benziner mit Start-Stopp-Automatik und 90 PS erhältlich, ein 1,6-Liter-Benziner mit 132 PS und außerdem drei Dieselmotoren, die aus 1,4 bis 2,2 Litern Hubraum zwischen 90 und 177 PS schöpfen. Vor allem der mittlere Diesel machte bei der Testfahrt von SPIEGEL ONLINE eine ordentliche Figur. Das Aggregat mit zwei Liter Hubraum leistet 126 PS und 310 Nm, arbeitet kultiviert und kraftvoll, harmoniert prima mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe, beschleunigt in 10,3 Sekunden auf Tempo 100 und kommt auf 195 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Normverbrauch liegt bei 5,2 Liter je 100 Kilometer.
Der kleinere Diesel ist noch genügsamer, dieser Motor kommt nämlich mit durchschnittlich 4,8 Liter aus, was einem CO2-Ausstoß von 127 Gramm pro Kilometer entspricht. Darauf will sich Toyota aber nicht ausruhen: Als eigentliches Highlight der Frischzellenkur soll nämlich im Herbst ein Hybridantrieb - Toyota spricht vom ersten Hybridauto in der Kompaktklasse - verfügbar sein. Dann erhält der Auris den Antrieb des Prius mit 136 PS Gesamtleistung. Dieses Auto kann auch einige Kilometer rein elektrisch fahren - und es soll im Schnitt lediglich 93 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen.
Aus technischer Sicht wurden außerdem noch Fahrwerk und Lenkung korrigiert. Ersteres wurde komfortabler abgestimmt, letztere geht nun spürbar direkter ans Werk. Ach ja, noch etwas. "Natürlich erhält der Auris ein überarbeitetes Gaspedal", sagt Toyota-Sprecher Meyer. Böse Überraschungen sollen damit ausgeschlossen sein.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tests | RSS |
| alles zum Thema Fahrberichte | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH