Toyota Auris: Das Durchhalte-Auto

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Klemmende Gaspedale und problematisch Bremsen - bei Toyota ist derzeit vor allem Krisenmanagement gefragt. Zugleich läuft das normale Geschäft weiter, aktuell mit dem Debüt des runderneuerten Kompaktwagens Auris. SPIEGEL ONLINE fuhr das Auto bereits.

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Toyota Auris: Viele Korrekturen
Toyota, der größte Autokonzern der Welt, steckt derzeit auch in der wohl größten Krise seit 1936, als das Unternehmen mit dem Automobilbau begann. Die Qualität, bislang das höchste Gut der sonst ein wenig farblosen Produkte, seht in Frage, gigantische Rückrufaktionen erschüttern die Marke. Jetzt allerdings hat Toyota mal wieder eine erfreuliche Nachricht zu verbreiten. In diesen Tagen nämlich bringt die Firma den runderneuerten Kompaktwagen Auris in Stellung, der mit ausdrucksstärkerem Design und verfeinertem Fahrwerk die Kundschaft überzeugen soll.

Knapp 16.000 Exemplare des Auris wurden im vergangenen Jahr neu in Deutschland zugelassen. 14 andere Modelle in dieser Klasse - natürlich der VW Golf und der Opel Astra, aber auch der Peugeot 308 oder der Kia Cee'd - verkauften sich laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg besser; das kann Toyota nicht gefallen. Jetzt reagierte das Unternehmen. "Das ist eine der umfangreichsten Modellüberarbeitungen, die wir je gemacht haben", sagt Toyota-Sprecher Henning Meyer über den neuen Auris, der ab 15. März zu Preisen ab 16.650 Euro in den Handel kommen wird. Während bei solchen Gelegenheiten sonst meist nur Kunststoffteile oder Scheinwerfer überarbeitet werden, wurden in diesem Fall sogar teure Blechteile wie beispielsweise die Motorhaube verändert.

Die gründliche Renovierung war offenbar nötig. In den vergangenen drei Jahren verkaufte Toyota insgesamt rund 54.000 Auris-Modelle hierzulande - damit schlug sich der Nachfolger des früheren Dauerbrenners Corolla gar nicht so schlecht. Doch angesichts des gigantischen Reklamefeldzugs, der die Markteinführung des Toyota Auris im Jahr 2007 begleitete, ist die Präsenz des Autos dann doch eine Enttäuschung. "Da haben wir vielleicht zu große Erwartungen geweckt", räumt Produktmanager Markus Burgmer ein. Dazu kommt: Der durchschnittliche Auris-Kunde zählt 54 Lenze. Für Toyota ist das wohl zu alt.

Die Variante "Club" soll speziell jüngere Autokäufer ansprechen

Mit der Überarbeitung soll das anders werden. Es gibt beispielsweise eine neue Ausstattungsvariante namens Club, die dem Auto mit Hilfe von orangefarbenen Ziernähten, einem kleinen Dachspoiler sowie getönten Scheiben und Scheinwerfern einen etwas jugendlicheren Anstrich geben soll. Und die neue Frontpartie des Wagens mit einer stärker konturierten Motorhaube und wuchtigeren Stoßfängern und das straffer gestaltete Heck sollen dem Vehikel mehr Charakter verleihen. Ein cooles Auto wird der 4,25 Meter lange Auris dadurch nicht, aber ein bisschen mehr Pepp bekommt er durchaus.

Im Innenraum haben die Designer die Einwände von Kunden und Kritikern ernst genommen und vor allem die weit in den Raum ragende Mittelkonsole verändert. Das von Spöttern als Knackwurst verulkte Gebilde wurde deutlich gekürzt, frisch lackiert und so geformt, dass der Handbremshebel sehr viel besser zu erreichen ist. Es bleibt allerdings beim hoch gesetzten Schaltknauf, weil der ergonomisch sinnvoll ist. Leider bleibt es auch bei dem eklatanten Mangel an Ablagen, über die andere Autos an dieser Stelle verfügen. Erneuert wurden jedoch die Oberflächen rund ums Cockpit; dort kommt nun eine sogenannte Soft-Touch-Beschichtung zum Einsatz, die sich gut anfühlt und gut aussieht.

Die Motoren sind alte Bekannte - im Herbst folgt ein Hybridantrieb

Unter der Haube bleibt alles beim Alten. Dort sind auch künftig ein 1,33-Liter-Benziner mit Start-Stopp-Automatik und 90 PS erhältlich, ein 1,6-Liter-Benziner mit 132 PS und außerdem drei Dieselmotoren, die aus 1,4 bis 2,2 Litern Hubraum zwischen 90 und 177 PS schöpfen. Vor allem der mittlere Diesel machte bei der Testfahrt von SPIEGEL ONLINE eine ordentliche Figur. Das Aggregat mit zwei Liter Hubraum leistet 126 PS und 310 Nm, arbeitet kultiviert und kraftvoll, harmoniert prima mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe, beschleunigt in 10,3 Sekunden auf Tempo 100 und kommt auf 195 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Normverbrauch liegt bei 5,2 Liter je 100 Kilometer.

Der kleinere Diesel ist noch genügsamer, dieser Motor kommt nämlich mit durchschnittlich 4,8 Liter aus, was einem CO2-Ausstoß von 127 Gramm pro Kilometer entspricht. Darauf will sich Toyota aber nicht ausruhen: Als eigentliches Highlight der Frischzellenkur soll nämlich im Herbst ein Hybridantrieb - Toyota spricht vom ersten Hybridauto in der Kompaktklasse - verfügbar sein. Dann erhält der Auris den Antrieb des Prius mit 136 PS Gesamtleistung. Dieses Auto kann auch einige Kilometer rein elektrisch fahren - und es soll im Schnitt lediglich 93 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen.

Aus technischer Sicht wurden außerdem noch Fahrwerk und Lenkung korrigiert. Ersteres wurde komfortabler abgestimmt, letztere geht nun spürbar direkter ans Werk. Ach ja, noch etwas. "Natürlich erhält der Auris ein überarbeitetes Gaspedal", sagt Toyota-Sprecher Meyer. Böse Überraschungen sollen damit ausgeschlossen sein.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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1. Warum Toyota
cymbidium 19.02.2010
Eine freie Kaufentscheidung wird durch Emotionen gesteuert. Emotionen und Image aufzubauen kostet Geld. Und umgekehrt führt ein beschädigtes Image zu Kaufzurückhaltung. Dass der Toyota-Absatz in Deutschland und USA über längere Zeit einbrechen wird, beweist dies. (Beispiel: Audi hat sich bis heute noch nicht vom Automatik-Schock in USA erholt) Ansonsten ist der Toyota Auris ein Auto wie alle anderen auch. Am Auris ist mit Sicherheit nichts wirklich schlechter als am Golf oder Astra oder etc. Ich denke Toyota wird sich anstrengen, aus dem Imageschaden lernen und mit guten Produkten antworten. Vieleicht profitiert ja zunächst Opel davon? Opel müsste jetzt ebenfalls mehr für sein Image tun...
2. Also der Auris 2007
franklinber 19.02.2010
hat mehr Platz als der GolfVI und der Diesel ist erheblich leiser als das VW Aggregat und vom Preisunterschied braucht man ja überhaupt nicht reden, insbesondere von der Ausstattung. Ich empfehle jedem, der sich eine Golfklasse mit Dieselaggregat zulegen will seine Entscheidung nach einer Probefahrt mit mehreren Wettbewerbern zu fällen, und den Auris D-4D kann ich da als Probefahrzeug nur empfehlen!
3. Warum kein Kombi?
sliasthorp 19.02.2010
Ich fahre seit 6 Jahren den Corolla Kombi und bin insgesamt zufrieden. Damals habe ich Tests, auch Crashtests, verglichen und mich zum Schluss zwischen dem Octavia, dem Focus und dem Corolla entschieden. Man sollte nicht nur die Emotionen beim Autokauf zu Wort kommen lassen, lieber Vorredner. Der Wagen ist sparsam, mit 110 PS für mich flott genug und hat wesentlich weniger ungeplante Werkstattaufenthalte als die zwei neuen VWs, die ich vorher hatte. Ich genieße es auch, mit einem Understatement-Auto unterwegs zu sein. Aber jetzt zum Auris: 90% der Corollas der letzten Bauart auf deutschen Straßen sind Kombis. Warum hat man den Kundenwunsch so deutlich ignoriert und streicht gerade dieses Modell? Der Verso ersetzt diese Lücke nicht. Es hat schon einen Grund, dass VW den Golf Kombi nach kurzer Pause schnell wieder eingeführt hat. Fazit: Toyota ist immer eine gute Wahl, aber die ausgedünnte Modellpalette stellt mich nicht zufrieden.
4. viel besser
lmike 19.02.2010
"neue Ausstattungsvariante namens Club, die dem Auto mit Hilfe von orangefarbenen Ziernähten, einem kleinen Dachspoiler sowie getönten Scheiben und Scheinwerfern einen etwas jugendlicheren Anstrich geben soll" na da sind die Antenne mit Fuchschwanz, der Tieferlegungssatz und die verchromten Auspuffendstücken nicht mehr weit. Das kesselt....
5. Konkurrenzkampf
Hubert Rudnick 19.02.2010
Zitat von sysopKlemmende Gaspedale und problematisch Bremsen - bei Toyota ist derzeit vor allem Krisenmanagement gefragt. Zugleich läuft das normale Geschäft weiter, aktuell mit dem Debüt des runderneuerten Kompaktwagens Auris. SPIEGEL ONLINE fuhr das Auto bereits. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,678705,00.html
------------------------------------------------------- All die in der letzten Zeit angefallenen Mängel zeigen uns doch sehr deutlich, dass man im Konkurrenzkampf steht und einige hier Federn lassen müssen. Der Käufer steht doch nie im Vordergrund, es wird um jede Mark/€uro, Dollar gekämpft und so ist dann auch die Pannenserie zu erklären, selbt große deutsche Konzerne erleben das zur Zeit auch mit dem Vorzeigezug ICE. HR
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Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Auris (2010)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 126 PS (93 kW)
Drehmoment: 310 Nm
Von 0 auf 100: 10,3 s
Höchstgeschw.: 195 km/h
Verbrauch (ECE): 5,2 Liter
CO2-Ausstoß: 138 g/km
Kofferraum: 354 Liter
umgebaut: 1.335 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 22 (TK) / 22 (VK)
Preis: 22.100 EUR

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Toyota Auris

Einsteigen: ...weil der Auris im besten Sinne unauffällig ist, viel Platz bietet und solide fährt.

Aussteigen: ...weil der Auris streberhaft wirkt – im Prinzip tadellos, aber auch ohne Leidenschaft.

Umsteigen: ...aus aus der kompletten Kompaktklasse von VW Golf bis Hyundai i30, von Opel Astra bis Renault Mégane.


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