Toyota Auris Hybrid: Am falschen Ende gespart

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In gewisser Hinsicht nervt der Toyota Auris Hybrid. Gibt man in dem Auto Gas, hört es sich an, als führe man mit schleifender Kupplung. Hat man sich daran gewöhnt, kann man sich über die Bedienung des Navigationssystems wundern. Trotzdem ist es ein überzeugender Wagen.

Toyota Auris Hybrid: Beeindruckend schlicht Fotos

Von außen ansehnlich, aber schlicht, innen nüchtern und technisch überzeugend - so kann man den Toyota Auris Hybrid umschreiben; nach Angaben des Herstellers das erste Hybridauto in der Kompaktklasse. Zwar zählen manche den im Antriebsstrang identischen Prius auch zu diesem Fahrzeugsegment, allerdings ist der Wagen deutlich wuchtiger, im Design eigenwilliger und vor allem teurer.

Wer sich einen Auris Hybrid kauft, trifft im Prinzip eine gute Wahl. Allerdings sollte man sich bei dem Teilzeitstromer auf einige Nachteile einstellen. Die erste Überraschung gibt es wohl beim Händler. Dort steht das Auto zu Preisen ab 22.950 Euro. Für die Ausstattungsvariante Executive, mit der wir unterwegs waren, ist ein Aufschlag in Höhe von 2000 Euro fällig.

Wer sich das Auto im Internet über den Konfigurator bestellt, dürfte dagegen die Aufpreisliste mit wachsendem Erstaunen zur Kenntnis nehmen, auf der selbst kleine Selbstverständlichkeiten wie etwa ein Warndreieck für 7,50 Euro aufgelistet sind. Ein Verbandkissen mit rotem Hersteller-Logo schlägt mit 18 Euro zu Buche. Hintergrund: Toyota liefert die Fahrzeuge ab Werk ohne dieses Sicherheitszubehör aus. Weil aber ein Auto in Deutschland damit ausgerüstet sein muss, stattet der Händler die Wagen damit aus und versteckt die Beträge in den Überführungskosten.

Reichweite und Kofferraumvolumen enttäuschen

Zugegeben, diese Preispolitik entscheidet sicher nicht über den Kauf des Autos. Andere Umstände jedoch schon. Auch von einem Kompaktwagen erwartet man ein gewisses Kofferraumvolumen. Wegen der unter dem Boden des Gepäckabteils untergebrachten Nickel-Metallhydrid-Akkus reduziert sich der Stauraum im Vergleich zum konventionellen Auris um 44 Liter auf jetzt 310 Liter. Wegen der ungünstigen Aufteilung passt ein etwas größerer Rucksack hinein, viel mehr aber nicht.

Außerdem ist die Reichweite des Autos enttäuschend. Wer von einem anderen Wagen - vor allem einem der modernen Diesel - wechselt, muss sich mit einem 45-Liter-Tank begnügen. Zum Vergleich: Im Standardmodell sind es zehn Liter mehr. Wer mit dem Hybrid unterwegs ist, muss also wesentlich häufiger nachtanken.

Davon abgesehen, ist der Auris Hybrid ein Wagen mit zeitgemäßem Antrieb, der vor allem in der Stadt viele Vorteile bietet. Mit einer Länge von rund 4,2 Metern und der Rückfahrkamera sind auch enge Parkplätze kein Problem. Viel entscheidender ist natürlich der Spritkonsum. Zwar ist der angegebene Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern wohl nur auf dem Prüfstand zu erreichen, aber in der Stadt kam der SPIEGEL-ONLINE-Auris mit 4,2 Liter aus. Allerdings war dazu ein äußerst sensibler Gasfuß und eine sehr vorausschauende Fahrweise nötig, die nicht allen Verkehrsteilnehmern gefallen hat.

Positives Fazit trotz kleinerer Schwächen

Der Fahrzeuglenker hingegen kann das ruhige Dahingleiten im Elektrobetrieb genießen - wobei schon etwas Aufmerksamkeit nötig ist, um den Wechsel zum Verbrennungsmodus zu registrieren, so unauffällig geht er vonstatten. Aber das leise Summen beim Anrollen animiert geradezu, das Gaspedal nicht allzu sehr durchzudrücken.

Schon der Beginn einer Fahrt ist wohltuend ruhig. Dank des schlüssellosen Zugangs- und Startsystems reicht ein Berühren des Türgriffs und der Wagen gibt des Zugang frei. Dann genügt ein Druck auf den Startknopf und Sekunden später kann es losgehen. Wie bei Autos mit Voll-Hybrid-Antrieb üblich, treibt meist der 81 PS starke Elektromotor den Wagen nahezu lautlos voran. Erst bei höherer Geschwindigkeit oder stärkerer Beschleunigung schaltet sich der 1,8-Liter-Benziner mit 99 PS hinzu - zusammen leistet das Duett maximal 136 PS.

Die Leistung reicht vollkommen aus, um auf der Autobahn zügig voranzukommen. Zwar ist eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h nicht überragend, aber für die üblichen Straßenverhältnisse oft flott genug. Allerdings macht sich dann die Besonderheit des sogenannten stufenlosen CVT-Getriebes bemerkbar. Meist dreht der Ottomotor recht hoch, dass sorgt für Lärm im Innenraum. Außerdem hat man das Gefühl, als führe man ständig mit schleifender Kupplung.

Doch die Technik hat auch Vorteile. Denn die Maschine läuft häufig im optimalen Drehzahlbereich und somit effizienter als bei herkömmlichen Automatikgetrieben. Hat man die maximale Geschwindigkeit erreicht, regelt die Elektronik ab, und die Drehzahl des Motors geht deutlich zurück. Deshalb hat man das Gefühl, als seien noch ein paar zusätzliche km/h drin. Klar, bei der Vollgashatz steigt der Spritverbrauch rapide an. Bei einer Fahrt von Hamburg über Berlin nach Köln lag er bei 6,7 Litern. Das hört sich erst mal recht viel an. Allerdings war der Vollgasanteil auf der Autobahn recht hoch.

Insgesamt hinterlässt der Toyota Auris Hybrid jedoch einen positiven Eindruck. Wie so oft gibt es über Details etwas zu meckern. Katastrophal ist die Bedienung des Navigationssystems. So muss man zum Beispiel erst den Straßennamen eingeben und dann die Stadt, die Grafik wirkt antiquiert und die Benutzerführung ist alles andere als intuitiv. Hier gibt es also Verbesserungsbedarf. Während die Hybridtechnik einen ausgereiften Eindruck hinterlässt, hat man beim Infotainment-System das Gefühl, als hätte die Entwickler hier etwas mehr investieren können. Aber ein gutes Auto braucht ja kein Navigationssystem.

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Toyota-Historie: Ein Autohersteller mit IQ

Schnellcheck
Toyota Auris Hybrid

Einsteigen: ...weil der Wagen vor allem in der Stadt wenig verbraucht.

Aussteigen: ...weil man die spritsparende Technik teuer bezahlen muss. Außerdem wirkt das Infotainment-System nicht ausgereift.

Umsteigen: ...aus aus der kompletten Kompaktklasse von VW Golf bis Hyundai i30, von Opel Astra bis Renault Mégane.
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