Toyota Auris Hybrid: Mach Dich mal locker

Von Jürgen Pander

Toyota Auris Hybrid: Öfter mal vom Gas gehen Fotos
Jürgen Pander

Obwohl sie mit Hightech vollgestopft sind, gelten Hybridautos nach wie vor als irgendwie unvollständig, als Wagen zweiter Klasse. Dabei muss man sich ihnen nur mit einer grundsätzlich anderen Einstellung nähern, dann entfalten sie ihren ganzen Charme.

Acht waagerechte Striche passen in das Batteriesymbol in der Mitte des Cockpits. Und wer nur einen Funken Ehrgeiz im Leib hat, der möchte natürlich, dass auch mal alle acht Striche aufleuchten und einen vollen Akku anzeigen. Das aber ist eine knifflige Sache und erfordert einen gefühlvollen Gasfuß sowie eine vorausschauende Fahrweise. Wenn es dann passiert, etwa nach einer Gefällstrecke und mehrmaligem Ausrollen des Autos vor einer roten Ampel oder einer Kreuzung, fühlt es sich einfach gut an. Wie ein klitzekleiner Triumph gegen das alltägliche Energieverschwenden.

Genau dieses Gefühl ist es, auf das man sich einlassen muss, wenn man ein Hybridauto artgerecht fahren möchte. Wer sich hingegegen in den Toyota Auris Hybrid setzt, aufs Gas tritt und einfach nur genau das tut, was er immer tut, wenn er mit einem Auto fährt, sollte es besser sein lassen. Denn weder wird dabei ein niedriger Verbrauchswert herausspringen, noch wird so etwas wie Fahrfreude aufkommen. Ein Hybridantrieb erfordert nunmal eine Umstellung des Fahrstils, damit die Technik ihre Vorteile ausspielen kann. Wer Essstäbchen benutzt, tut dies ja auch anders, als wenn er eine Gabel in der Hand hätte.

Es braucht also ein wenig Übung, ehe man den Auris Hybrid so fährt, wie es dem komplexen Zusammenspiel von Benziner, E-Maschine und der Möglichkeit der Bremsenergierückgewinnung entspricht. Das ist das eine. Und das andere ist die Tatsache, dass ein Hybridantrieb nur dann seine Vorteile gegenüber einem konventionell motorisierten Auto ausspielen kann, wenn die Fahrt unstet ist, wenn immer wieder beschleunigt und verzögert werden muss - und eben nicht auf langen Etappen bei gleichmäßiger Geschwindigkeit.

Wir waren in der Stadt und über Land unterwegs mit dem Auris Hybrid; die üblichen Fahrten im Alltag einer Großstadt haben wir damit ebenso erledigt wie den Wochenendausflug aufs Land - und zwar fast immer mit vier Personen im Auto. Resultat: Ein Durchschnittsverbrauch von 5,2 Liter je 100 Kilometer.

Toyota gibt als Durchschnittswert 3,8 Liter an. Der ermittelte Unterschied kann bedeuten, dass die Normwerte von Hybridautos ebenso unrealistisch sind wie die der meisten Benzin- und Dieselmodelle; es kann aber auch bedeuten, dass man noch deutlich sparsamer unterwegs sein könnte, wenn man nur die Vorteile des Hybridsystems konsequenter nutzen würde. Vermutlich trifft beides zu.

Der Benziner ist eigentlich ein Schlaffi

Der Antrieb im Auris Hybrid koppelt einen 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit einer Elektromaschine, was zu einer Systemleistung von 136 PS führt. Dabei arbeitet der Verbrenner nach dem sogenannten Atkinson-Prinzip: Die Einlassventile schließen später als üblich, die Kompression im Zylinder setzt dadurch später ein. Das Verfahren erhöht den Wirkungsgrad, was im Sinne der Spriteffizienz erwünscht ist; im Gegenzug sinken Leistung und Drehmoment, was ein schlafferes Fahrgefühl bedeuten würde. Damit dies nicht aufkommt, gibt es den Elektromotor, der zusätzlich Leistung und Drehmoment liefert. Unser Eindruck nach einigen hundert Testkilometern: Der Auris Hybrid ist kein Dynamiker, wohl aber ein harmonisch und angemessen motorisierter Kompaktwagen.

Überhaupt ist das Fahrgefühl in diesem Auto extrem ruhig und friedlich. Dazu trägt die üppige Geräuschdämmung ebenso bei wie das stufenlose Getriebe des Hybridantriebs und die sehr leichtgängige, elektrische Servolenkung. Man hat den Eindruck, über die Straße zu surfen. Und es ist kein Problem, die Eco-Mode-Anzeige im schicken Cockpit im Auge zu behalten. Dort sind die Kraft- und Energieströme des Antriebs dargestellt. Und man sieht sofort, wenn man mal wieder hybridgerecht reagiert hat und die Rekuperation einsetzt, also Bewegungsenergie über den dann als Generator fungierenden E-Motor zurück in die Nickel-Metall-Hydrid-Batterie gespeist wird.

Das Akkupaket wurde im neuen Auris Hybrid erstmals komplett unter der hinteren Sitzbank untergebracht. Die Folge ist ein 360 Liter fassender Kofferraum; das Gepäckabteil hat damit die gleiche Größe wie bei allen anderen Auris-Varianten auch. Die Ausrede, das Hybridmodell komme nicht in Frage, weil der Kofferraum zu klein sei, zieht nicht also mehr.

Schwache Klimaanlage, starke Nachfrage

Während das sogenannte Package weiter verbessert wurde und der Auris Hybrid damit noch einen Tick alltagstauglicher wurde, gibt es bei der Innenreinrichtung nach wie vor Steigerungspotenzial. Die Materialauswahl wirkt an vielen Stellen wie zufällig getroffen, es gibt allein auf der Armaturentafel mindestens vier verschiedenen Oberflächen, und die Einrichtung könnte ein paar mehr Ablagen vertragen. Außerdem ist die Klimaanlage an wirklich warmen Tagen ruckzuck überfordert. Selbst auf der Maximal-Stellung kam kein wirklich erfrischender Luftzug aus den Gebläseöffnungen.

Die Kunden lassen sich davon offenbar nicht beeindrucken. Der Auris Hybrid ist in Deutschland gefragt wie nie, wer den Wagen bestellt, muss derzeit mit sieben Monaten Lieferzeit rechnen. Das mag auch daran liegen, dass der Auris extrem zuverlässig ist: Im Dauertest der "Auto, Motor+Sport" absolvierte er jüngst als erstes Fahrzeug seit Einführung dieser Prüfung die 100.000 Kilometer ohne einen einzigen Mangel oder eine einzige Panne.

Rund ein Drittel aller Auris-Typen hierzulande wird inzwischen mit einem Hybridantrieb ausgeliefert. Toyota Deutschland verdoppelte im vergangenen Jahr den Absatz von Hybridautos auf rund 15.000 Exemplare. Und es sollen noch deutlich mehr werden. Offenbar erkennen mehr und mehr Autofahrer, dass Fahrspaß auch bedeuten kann, endlich einmal alle acht Balken im Batteriesymbol zum Leuchten zu bringen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hybrid Autos
mann30 29.06.2013
sind doch nur Autos Zweiter Klasse, und werden nur deshalb hergestellt, weil die Oil Industrie das so will da sonst Pleite, und die förderstaaten dazu. denn wo ein wille da auch ein weg für Elektro Autos.
2. die Hinweise
laxness 29.06.2013
in dem Artikel haben nix mit Hybrid zu tun. So fährt man spritsparend mit einem ganz normalen Verbrenner. Das "ausrollenlassen" verhindert genau die gewünschte "Rekuperation". Meinesachtens ware bei einem Hybrid gefühlvolles Bremsen angesagt, und zwar so viel, dass der Motor/Generator generatorisch im Bremsbetrieb abreitet, die Scheibenbremsen aber grade noch nicht zupacken. aber was weiss ich schon....
3.
peddersen 29.06.2013
..tja, das ursächliche Problem des Hybridautos ist doch wohl, daß es keinen Sprit spart. Die genannten Verbrauchswerte erreiche ich auch mit nem stinknormalen Diesel. Zwar ist das auch dank Umwelttechnik kein einfaches Triebwerk mehr, aber trotzdem. Der Spruch: "man muß sich drauf einstellen" mag vielleicht richtig sein - aber man kann sich auch drauf einstellen, daß man zum Fahren nur ein Auto unter 1 Tonne bewegt mit unter 100 PS - und dann brauchts keinen zweiten Antriebsstrang. Man kann sich vielleicht an der Tatsache freuen, daß es gelingt, große, hochmotorisierte, schwere Autos mit annehmbaren Verbrauch zu bewegen - aber ich täusche mich -denke ich- nicht, wenn ich behaupte, DAS ist nicht die Aufgabe.
4. Sparsam?
lobin 29.06.2013
Also ich konnte mit meinem alten Prius auch schon mit 3.5 l/100 km Schnitt fahren. Aber wenn das Ziel eine volle Batterie ist muss man sich nicht wundern dass der Verbrauch so hoch liegt. Die Batterie sollte nie voll sein, sonst kann sie keine Energie mehr aufnehmen. Die Regeln für Sparsamkeit: - Der Benzinmotor sollte möglichst selten laufen - Der Antrieb sollte aber auch nicht übermässig elektrisch erfolgen - also möglichst lange ausrollen lassen ohne dass rekuperiert wird oder der Benziner läuft.
5. optional
pauschaltourist 29.06.2013
"Das mag auch daran liegen, dass der Auris extrem zuverlässig ist: Im Dauertest der "Auto, Motor+Sport" absolvierte er jüngst als erstes Fahrzeug seit Einführung dieser Prüfung die 100.000 Kilometer ohne einen einzigen Mangel oder eine einzige Panne." Eine Konkurrenzzeitschrift führte vor einigen Jahren ebenfalls einen 100k-Dauertest mit dem Auris durch und stellte eklatante und auf unzureichende Konservierung zurückzuführende Rostprobleme fest. Übrigens staune ich noch immer über Toyotas Strategen, welche den etablierten und unschätzbar wertvollen Typennamen "Corolla" beerdigten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Fahrberichte
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 173 Kommentare
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Auris Hybrid (2013)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 142 Nm
Drehmoment (E-Motor): 207 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 3,8 Liter
CO2-Ausstoß: 87 g/km
Kofferraum: 360 Liter
umgebaut: 1.200 Liter
Gewicht: 1.385 kg
Maße: 4275 / 1760 / 1460
Preis: 23.750 EUR


Aktuelles zu