Toyota Avensis D-CAT Saubere Leistung

Deutsche Diesel-Fahrer dürstet es nach Motorleistung. Vor fünf Jahren noch entschieden sich 80 Prozent der Käufer eines Mittelklassemodells mit Dieselmotor für eine Version mit weniger als 130 PS. Heute bevorzugen 80 Prozent der Kunden einen Diesel mit mehr als 130 PS. Darauf reagiert nun Toyota.

Von Jürgen Pander


Toyota Avensis: Aufwändige Technik in unscheinbarem Design

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Avensis heißt das Modell, mit dem die japanische Marke seit 2003 hierzulande in der Mittelklasse antritt. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 27.000 Modelle neu zugelassen, womit Toyota einerseits sehr zufrieden war, andererseits aber auch wieder nicht. Denn bislang gab es nur einen Dieselmotor im Angebot, einen 2-Liter-Vierzylinder mit 116 PS, und mit dem allein gelang es nach Ansicht der Verantwortlichen keineswegs, das Selbstzünderpotential in dieser Klasse auszuschöpfen. Inzwischen aber ist man guter Dinge in der deutschen Toyota-Zentrale in Köln: In diesen Tagen startet der Verkauf des Avensis D-CAT, dessen 2,2-Liter-Turbodiesel satte 177 PS (130 kW) leistet; und im Oktober ergänzt ein zweiter 2,2-Liter-Selbstzünder mit 150 PS (110 kW) die Dieselpalette.

Toyota hat sein Diesel-Defizit beim Avensis also ausgeglichen. Bei ersten Testfahrten überzeugte der Avensis D-CAT durch seinen wuchtigen Antritt auf einem sehr niedrigen Geräuschniveau. Die Maschine wirkt fast schon spritzig, auf jeden Fall aber kommt sie sehr gut mit dem gut 1,5 Tonnen schweren Auto klar. Flottes Überholen auf der Landstraße oder hohe Dauergeschwindigkeiten auf der Autobahn sind kaum Herausforderungen für den Fahrer. Hinter das Entwicklungsziel Fahrspaß darf also getrost ein Häkchen gemacht werden.

Toyota Avensis: Im riesigen Kofferraum verschwinden 520 Liter Gepäck

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Doch die Ingenieure hatten ein zweites, ebenso wichtiges Ziel: Umweltverträglichkeit. Bei einem Dieselmotor bedeutet dies in erster Linie, die schädlichen Abgase zu reduzieren. Der neue Dieselmotor steht auch in dieser Disziplin sehr ordentlich da. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,1 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer liegt der CO2-Ausstoß bei 161 Gramm pro Kilometer. Außerdem werden die Abgase im so genannten D-CAT (Diesel Clean Advanced Technology) nachbehandelt. Das System schafft zweierlei: Es senkt den Ausstoß von Rußpartikeln und mindert zugleich die Stickoxid-Emission (NOX).

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Avensis D-CAT
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 2.231 ccm
Leistung: 177 PS (130 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 8,6 s
Höchstgeschw.: 222 km/h
Verbrauch (ECE): 6,1 Liter
CO2-Ausstoß: 162 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 520 Liter
Preis: 26.050 EUR
Derzeit ist die D-CAT-Technik das einzige System auf dem Markt, das Rußpartikel und Stickoxide reduziert. Mit Blick auf künftige Abgasgrenzwerte könnte dies wichtig werden. Denn nach der Euro-4-Norm, die im kommenden Jahr in Kraft treten wird, erwartet die Autobranche voraussichtlich 2010 die Abgasnorm Euro 5. Es gilt als sicher, dass in diesem künftigen Reglement ein strengerer Grenzwert für NOX gelten wird. Der aktuelle D-CAT-Motor stößt nach Angaben von Toyota bereits jetzt bis zu 50 Prozent weniger Stickoxide und bis zu 80 Prozent weniger Rußpartikel aus, als in der Euro-4-Norm festgelegt sind. Die neuartige Abgasreinigung funktioniert übrigens additiv- und wartungsfrei.

Toyota Avensis: Kraftwerk mit 177 PS und 400 Nm

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Herzstück im Abgasstrang des Avensis ist der DPNR-Speicherkatalysator (Diesel Particulate NOX Reduction), in dessen poröser, mit Edelmetall beschichteter Struktur sich die Schadstoffe ablagern. Über eine fünfte Einspritzdüse, die im Auslasstrakt platziert ist, wird der Abgasstrom bei Bedarf mit Kraftstoff versetzt - Fachleute nennen das "anfetten" -, wodurch die Umwandlung der im Katalysator gespeicherten Schadstoffe in ungiftiges Kohlendioxid und Stickstoff eingeleitet wird.

Toyota Avensis: Ein Cockpit aus dem Konzernbaukasten

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Generell ist der 2,2-Liter-Dieselmotor mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt, über das die Kraft auf die Vorderräder übertragen wird. Das Fahrwerk ist neutral und komfortabel abgestimmt, die Lenkung vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße. Andere Mittelklassemodelle sind deutlich straffer und sportlicher eingestellt, doch der Avensis hält sich aus dem Wettbewerb um Dynamik fein heraus.

Bei der Ausstattung jedoch sind die Japaner in diese Klasse dann wieder vorne dabei. Serienmäßig bietet das Auto, das beim Euro-NCAP-Crashtest die Bestnote von fünf Sternen erzielte, ABS, ESP (das bei Toyota VSC heißt, für Vehicle Stability Control) sowie sieben Airbags, darunter einen Knieairbag für den Beifahrer. Der Avensis wird als Vier- und Fünftürer oder als Kombi angeboten; grundsätzlich gehören Klima- und Musikanlage mit CD-Spieler, elektrische Fensterheber vorne sowie ein Multifunktionslenkrad zur Ausstattung. Der billigste Avensis mit 1,8-Liter-Benziner kostet 21.400 Euro, das günstigste Modell mit dem neuen D-CAT-Dieselmotor steht für 26.050 Euro in der Preisliste. Toyota erwartet, dass diese Variante künftig rund ein Drittel aller Avensis-Verkäufe in Deutschland ausmachen wird. Das dürfte die Japaner dann vollends zufrieden machen.



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