Autogramm Toyota Land Cruiser Roh und munter

Seit 1951 rackert sich der Land Cruiser über die Pisten der Welt. Andere Allradler geben sich der Mode hin, der Toyota bleibt ein ehrlicher Arbeiter. Das könnte dem Wagen, trotz Modellpflege, zum Verhängnis werden.

Toyota

Der erste Eindruck: Achtung, jetzt kommt's dicke.

Das sagt der Hersteller: Für Toyota ist der Land Cruiser eine Legende im Gelände. Viele Menschen denken bei Offroad-Dinosauriern erst einmal an den Jeep Wrangler, der zurückgeht auf den Willy's MB von 1942, an den Land Rover Defender von 1948 und - als Deutscher - an die Mercedes G-Klasse von 1979. Doch mit knapp zehn Millionen Exemplaren seit 1951 und einer klassischen Leiterrahmen-Konstruktion gehört der Toyota Land Cruiser unbedingt in den Kreis der Allradhelden.

Wer in Afrika, Arabien oder Südamerika im Gelände unterwegs ist, wird eher den Toyota sehen als einen der anderen Typen. Warum das so ist? "Weil Langlebigkeit und Zuverlässigkeit beim Land Cruiser traditionell höchste Priorität haben", sagt Chefingenieur Sadayoshi Koyari. Der Geländewagen hält schier ewig und kann, wenn er doch mal kaputtgeht, an jedem Wegesrand repariert werden. Auch das ist ein Grund, weshalb der Land Cruiser in 190 Ländern verkauft wird - so vielen, wie kein anderer Toyota.

Dummerweise steht sich Sadayoshi mit diesem Anspruch ein bisschen selbst im Weg. Denn ein Hybridantrieb zum Beispiel, dem es bei Toyota sonst abgesehen vom Sportwagen GT-86 und dem Einstiegsmodell Aygo in jeder Pkw-Baureihe gibt, kommt für den Land Cruiser deshalb nicht infrage.

Tom Grünweg

Das ist uns aufgefallen: Es ist nur eine Nebensächlichkeit, doch sie spricht Bände. Wenn man die schwere Hecktür des Land Cruiser aufschwenkt, ist das ein bisschen, als ob man einen Tresor öffnet. Und dann fällt der Blick auf eine Art Stoßdämpfer. Den gibt es bei den meisten Autos, er soll das schnelle Zufallen der Klappe verhindern. Normalerweise ist dieser Stoßfänger ein fingerdickes Bauteil, beim Land Cruiser jedoch hat er den Durchmesser eines Kinderarmes. Das ist weder elegant noch filigran. Aber es ist stabil - und hält wahrscheinlich ewig.

Diese Philosophie zieht sich durch den ganzen Wagen. Obwohl der Land Cruiser mit kompletter Ausstattung fast so viel kostet wie das Basismodell des Range Rover oder einer G-Klasse, bleibt der Toyota ein rustikaler Arbeiter, wo sich die Konkurrenzmodelle längst vornehm kleiden. Lenkrad und Mittelkonsole wurden zwar neu gestaltet, doch der Lenkradkranz ist immer noch dicker als bei der Konkurrenz und die Bedienelemente sind größer und robuster.

Bei der ersten Begegnung mit dem überarbeiteten Auto fallen die bequemen Sitze auf, das üppige Platzangebot, die souveräne und Dank der optionalen Luftfederung saubequeme Straßenlage und das lässige Gefühl, dass man in diesem Auto der Herr seiner Zeit bleibt und sich nicht hetzen lässt.

Ein potenter Motor wird zur Nebensache. Klassische Leistungsdaten wie der Sprint von null auf Tempo 100 (12,7 Sekunden für die Version mit Automatik), die Höchstgeschwindigkeit (175 km/h) und Geräuschentwicklung sind bei einem Geländewagen, für den das Kürzel SUV eine Beleidigung wäre, herzlich egal. Wichtig ist nur, dass ausreichend Kraft vorhanden ist, um sich überall durchzuwühlen.

Wichtiger sind Extras, die in anderen Geländewagen nur überflüssige Gimmicks wären: elektronische Fahrhilfen für den Offroad-Einsatz. Diese Assistenzsysteme füllen etwaige Kompetenzlücken der Fahrer und ermöglichen es auch Laien, das Auto wenigstens ein bisschen zu fordern, selbst wenn ihn die meisten wohl nie an seine Grenzen bringen werden. Neuerdings helfen dabei unter anderem Rundumkameras, die bis unter den Wagenboden reichen sowie eine sogenannte Crawl Control, die wie ein Tempomat fürs Gelände eine vorher eingestellte Kriechgeschwindigkeit hält. Der Fahrer kann sich ganz aufs Lenken konzentrieren.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Toyota Land Cruiser - mit unserem 360-Grad-Foto:

Und weil sich auch im Land Cruiser nicht jeder in die Wildnis wagt, machen die Assistenten nun auch in der Zivilisation einen besseren Job: So gehört künftig in den gehobenen Varianten das Safety Sense System mit Abstandsregelung, automatischer Notbremse und Spurführungshilfe zum Standard.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Land Cruiser kommt in diesen Tagen zu Preisen ab 40.820 Euro in den Handel und wird auch weiterhin als Drei- oder Fünftürer (ab 43.590 Euro) angeboten. Während man bei Aufbau und Ausstattung wählen kann und so bis auf 67.450 Euro kommt, gibt es beim Antrieb nur eine Wahl: einen 2,8 Liter großen Diesel, der mit einem Schaltgetriebe oder einer Automatik (plus 2200 Euro) mit jeweils sechs Gängen verblockt ist. Der Vierzylinder leistet 177 PS, kommt auf bis zu 450 Nm Drehmoment und verbraucht im Mittel 7,5 Liter. Das ist für ein Auto dieser Größe nicht schlecht, absolut aber zu viel. Wenn der Dauerläufer eine Zukunft haben soll, muss sich Projektleiter Koyari deshalb vielleicht doch noch mit dem Hybridantrieb anfreunden.

Das werden wir nicht vergessen: Die gähnende Leere unter der riesigen Motorhaube. Denn obwohl der Vierzylinder-Diesel 2,8 Liter Hubraum hat, verliert er sich förmlich hinter dem riesigen Kühlergrill, und nur großflächige Kunststoffabdeckungen können die Lücken kaschieren, die dort klaffen. Der Platz würde nicht nur für einen Sechs- oder Achtzylinder reichen, die den Land Cruiser auf ein Niveau mit dem Range Rover oder Mercedes GLS heben könnten. Sondern dort würde auch ein Hybridmodul hinein passen, das den Dinosaurier in die Zukunft bringen könnte.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Land Cruiser (2018)
Karosserie: Geländewagen
Motor: Vierzlinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.755 ccm
Leistung: 177 PS (130 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 12,7 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 7,5 Liter
CO2-Ausstoß: 197 g/km
Kofferraum: 621 Liter
umgebaut: 1.934 Liter
Gewicht: 2.420 kg
Maße: 4840 / 1855 / 1835
Preis: 45.790 EUR
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insgesamt 34 Beiträge
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eineuropaer 20.03.2018
1. Der kleine Bruder vom Land Cruiser
Ihr Artikel erwaehnt nicht dass es sich hier um den Land Cruiser Prado handelt; die kleine Version des richtigen Land Cruisers. Der richtige Land Cruiser ist in allen Belangen groesser und wird zumindest in den VAE nur mit 6 und 8 Zylindern und bis 5,7 Liter Hubraum ausgeliefert. Den kleinen Prado gibt es hier mit 4 und 6 Zylindern.
mazzmazz 20.03.2018
2. Tolles Auto
Der Land Cruiser ist auch in der aktuellen Version ein tolles Auto. Eines der letzten soliden Arbeitsautos mit ausreichend Straßencomfort. Der große Motorraum ist für die Länder außerhalb des EU-CO2-Wahns gedacht. Dort gibt es das Auto dann auch mit Motor. M.W: nach wie vor mit V6 Saugmotoren, als Diesel und Benziner. Unzerstörbar, wenig Wartungsaufwand, hohe Kosteneffizienz auf lange Sicht. Da Mathematik in Deutschland schon seit 50 Jahren Teufelszeug ist, fährt der Deutsche lieber Passat Diesel. Wdenn man schon ein hochgebocktes Auto fahren muss, dann doch gleich "was Richtiges". Und das zum Preis eines aufgemotzten X1.
26Z 20.03.2018
3. 2b
Leider basiert der Bericht auf dem „kleinen“ Landcruiser, international unter dem Namen Landcruiser Prado bekannt. Der „echte“ Landcruiser ist etwas größer, hat in der Regel 8Zylinder Benzinmotoren (4,6L oder 5,7L) und ost deutlich solider gebaut. Fährt sich, im positiven Sinne, wie ein Panzer.
Flying Rain 20.03.2018
4. Naja
Naja der neue Motor mag zwar gute Abgaswerte haben aber leider ist er auch nicht mehr so Reisetauglich wenn es darum geht etwas weiter weg zu fahren da er doch deutlich pingeliger als seine Vorgänder ist wenn es um die Qualität des Diesels geht. Schade dass der V8 nicht mehr in Deutscjland zu haben ist der einfach eine sehr angenehme Laufruhe brachte. Hybrid geht aus meiner Sicht für einen LC einfach nicht. Es würde einfach dem Grundgedanken wiedersprechen da einfach noch mehr Technik die kaputt gehen könnte reingepackt wird. Hybrid für Diesel wäre für mich persönlich eigentlich nur interessant wenn es ein sehr kleiner leichtgewichtiger Hybrid wäre der den Diesel nur auf den ersten Kilometern unterstützt bis dieser warm ist.
janfred 20.03.2018
5. Dort lassen wo er hingehört
Es ist schon bezeichnend, wenn in Deutschland lediglich eine Motorvariante angeboten wird. Toyota legt offensichtlich keinen Wert auf hohe Verkaufszahlen in Deutschland, wo der potentielle Interessent einen Land Cruiser mit einem SUV von Audi oder BMW vergleichen wird, und das Thema Geländetauglichkeit eher unwichtig ist. Ich fahre seit längerem verschiedene Landcruiser Varianten. Bei 100km täglich im Schnitt durchaus 50% im Gelände oder Schotterpiste. Die im Bericht genannten Nebensächlichkeiten sind dort, wo die meisten Landcruiser fahren, sehr wichtige Aspekte. Nichts ist nerviger, als im Gelände quitschende und knarrende Türen. Leistung ist unbedingt wichtig. Mit dem 4-Zylinder ist so ein fast zweieinhalb Tonnen schwerer Wagen definitiv untermotorisiert. Den Landcruiser gibt es Gott sei Dank international mit Benzinern bis 5.7 litern Hubraum und auch mit 4.5 liter als Diesel. Da der Wagen in Deutschland so ein Mauerblümchen ist, braucht Toyota auch keine Kampfpreise. In Arabien kostet der 4 liter 6-Zyl mit 2 Klimaanlagen und Kühlbox und anderen extras inklusiv Steuer 40000 Euro. Ich habe wirklich nie erlebt, dass ich unter 12l/100km verbraucht habe. Selbst auf Langstrecke mit max. 120 km/h nimmt der Wagen sich 15 liter. Die genannten 7,5 liter pro 100 km wären meiner Meinung nach für ein Auto dieser Größe ein wirklich bemerkenswerter Niedrigverbrauch.
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