Neuer Toyota Prius Evolutiönchen

Im Herzen Revoluzzer, aber aussehen wie ein reisender Vertreter - das war bislang das Konzept des Toyota Prius. Die nächste Generation soll das ändern. Wenn auch in kleinen Schritten.

Von

Tom Grünweg

Dass Toyota die vierte Generation des weltweit erfolgreichsten Hybridmodells Prius auf dem Fuji Speedway zwei Stunden südlich von Tokio vorstellt, wirkt erst mal seltsam. Ein Öko-Auto auf einem Rennkurs? Es hat vor allem praktische Gründe: Die Prototypen des neuen Prius, der in Europa im Februar auf den Markt kommen soll, haben noch keine Straßenzulassung.

Es hat aber auch philosophische Gründe: Die Japaner wollen den "Wow"-Faktor entdeckt haben und ausgerechnet bei ihrem ökologischen Aushängeschild beweisen, dass ein Toyota seinen Besitzer nicht nur im räumlichen Sinne bewegen kann. "Wir wollen ein Lachen in die Gesichter unserer Kunden zaubern", beschwört Motoo Kamiya aus der Projektleitung des Prius gute Laune.

Für den Ingenieur manifestiert sich dieser Anspruch bereits am Design, das mit niedrigerem Dach und gestrafften Konturen viel schnittiger und sportlicher geworden ist. Außerdem schlüpft der Prius damit besser durch den Wind. Im Innenraum will Kamiya die Prius-Fahrer in eine neue Welt entführen, in der brillantere Displays bis hin zur Head-up-Projektion ein wenig Glanz à la Apple verströmen, in der neue Assistenzsysteme die Sicherheit erhöhen, die Konsolen mit etwas mehr Liebe zum Detail ausgesucht sind und in der man Telefone kabellos laden kann.

Das Getriebe sägt nicht mehr so an den Nerven

Am größten sei der Fortschritt aber bei der Fahrkultur, versprechen die Entwickler und die zwei Runden auf dem Rennkurs geben ihnen recht: Jetzt, wo man fast sechs Zentimeter tiefer sitzt und der Schwerpunkt ein paar Fingerbreit nach unten gewandert ist, hat man ein besseres Gefühl für das Auto, das beim Lenken nicht mehr ganz so lustlos und beliebig wirkt. Außerdem ist der Prius deutlich leiser geworden.

Vor allem aber sägt das Getriebe nicht mehr bei jedem Tritt auf das Gaspedal an den Nerven. Noch immer stufenlos übersetzt, dreht der Prius beim Beschleunigen zwar auch weiterhin auf wie eine Waschmaschine im Schleudergang. Aber die Drehzahlsprünge sind flotter und sanfter und das Leiden ist deshalb schneller vorbei.

Ansonsten hat sich technisch, so könnte man beim Blick auf das Datenblatt meinen, am Prius eher wenig getan: Die Leistungsdaten entsprechen nahezu dem Vorgänger, wobei der E-Motor sogar noch ein bisschen an Kraft eingebüßt hat. Die Fahrleistungen sollen sich nach Angaben von Antriebsentwickler Fukumara Misumasa nicht nennenswert vom aktuellen Modell unterscheiden, sodass man mit einem Sprintwert von 10,5 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit vom 180 km/h rechnen kann.

Verbrauchsvorteil des Diesel? Aufgeholt!

Und den Verbrauch will Toyota mit Blick auf die ausstehende Zertifizierung in Europa zwar noch nicht nennen, spricht aber von rund 15 Prozent Effizienz-Gewinn: Nach der japanischen Norm reicht ein Liter Sprit deshalb für 40 Kilometer, lässt Misumasa durchblicken. Und bei uns sollten am Ende 3,3 statt 3,9 Liter im Fahrzeugschein stehen.

Feinschliff, wie man es sonst von einem Facelift kennt? Das will Chief-Engineer Koji Toyoshima nicht auf sich sitzen lassen: "Wir haben diesmal so viel geändert wie bei keinem Prius zuvor", sagt der Ingenieur. Nicht umsonst sei der Prius der erste Auto, der die Toyota New Global Architecture (TNGA) nutze. Diese Plattform soll, ähnlich wie der Modulare Querbaukasten von VW, die Produktion vereinfachen. Doch dem Prius selbst bringt das wenig: Wo VW beim Ersteinsatz des MQB in einem Modell gern mal 100 Kilo Gewicht spart, wird der Hybride sogar zehn Kilo schwerer als früher. Und einen nennenswerten Platzgewinn können die Japaner auch nicht aus der neuen Architektur ziehen.

Dass es unter dem Blech überhaupt einen Unterschied zum Vorgänger gibt, liegt deshalb an der geduldigen Optimierung des Antriebs. Der 98 PS starke 1,8-Liter-Motor wurde so lange verbessert, bis er auf einen Wirkungsgrad von 40 Prozent kam und so zu den effizientesten Benzinern der Welt zählt, freut sich Misumasa: "Ein Diesel ist kaum mehr besser." Das Getriebe baut kompakter, der Elektromotor wird leichter und die Steuerelektronik braucht weniger Platz.

Feine Veränderungen

Deswegen passt die normale 12-Volt-Batterie jetzt noch mit unter die Motorhaue. Weil zudem der Hybrid-Akku, der auch künftig nur für maximal zwei Kilometer rein elektrischer Fahrt ausgelegt ist, um zehn Prozent schrumpft und unter die Rückbank rutscht, bietet der Prius nun sichtlich mehr Platz im Kofferraum. Allerdings bleibt es für den Export bei der antiquierten aber etablierten Nickel-Metallhydrid-Technik, die Toyota für eine effizientere Ladung noch einmal verbessert hat. Nur in Japan, wo man öfter im Stau steht, die Klimaanlage mehr leisten muss und der Akku deshalb stärker beansprucht wird, gibt es den neuen Prius nun tatsächlich auch mit Lithium-Ionen-Zellen. Weil die allerdings bei Verbrauch und Performance auf europäischen Straßen keinen Vorteil bringen, werden sie in den Exportmodellen nicht eingebaut, räumt ein Ingenieur ein.

Ein bisschen mehr Platz im Kofferraum, ein paar Gramm weniger CO2, die überfällige Lithium-Ionen-Batterie erst einmal nur für Japan und die Plug-in-Version frühestens 2017 und dann auch wieder nur als Kleinserie - mit Blick auf die Plug-in-Offensive deutscher Hersteller macht es fast den Eindruck, als hätte sich Toyota beim Generationswechsel auf den Lorbeeren von bald zehn Millionen Hybridmodellen ausgeruht.

Doch die Japaner sehen das pragmatischer. "Während die anderen nur reden, verkaufen wir jeden Tag Hunderte Autos", sagt ein Sprecher am Rande der Testfahrten: "Und richten den Blick schon wieder nach vorn." Denn nachdem sie mit dem Prius den Hybridantrieb als dritten Standard neben Benzin- und Dieselmotor etabliert haben, arbeiten sie nun an einer viel größeren Aufgabe als einem schnöden Generationswechsel - dem Durchbruch für ihr Brennstoffzellen-Auto Mirai.

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insgesamt 203 Beiträge
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Seite 1
veitclub 20.11.2015
1. Fragwürdiges Design
Warum sind Elektro-Autos, mit Ausnahme von Tesla, immer hässlich?
ffmfrankfurt 20.11.2015
2.
Schade, dass er so unerträglich hässlich ist. Warum kann man dieses Auto nicht einfach schöner gestalten, dann käme er sogar für mich infrage.
j.w.pepper 20.11.2015
3. Oh Gott, nein.
Der bisherige Prius war zwar stockspießig, aber diese optische Debakel ist ja nun der Gipfel. Warum muss ein ökologisch vernünftiges (oder zumindest diesen Anspruch erhebendes) Fahrzeug aussehen wie ein Batmobil aus der Spielzeugkiste? Grauenhaft.
Birnenpflücker 20.11.2015
4. Naja
Also technisch sicherlich gut! Aber, er ist so hässlich, dass er glatt als modernes Kunstwerk durchgehen würde.
peterpullin 20.11.2015
5. warum ...
... hören die nicht zu: die reaktion auf die brennstoffzellensünde hätte noch zeit gelassen das design etwas zu entschärfen. lieber grotten langweilig als den biedermann im kampfsport dress. als designer mein urteil: innen ok aussen 6...
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