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Toyota Prius: Bitte verschön mich

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Autogramm Toyota Prius: Schon schräg Fotos
Toyota

Beim neuen Prius hat Toyota einen großen Schritt nach vorn gemacht: Der Hybrid-Pionier ist nicht nur sparsam, sondern fährt sich auch richtig gut. Leider wurden beim Design keine Rettungsversuche unternommen.

Der erste Eindruck: Ein Space-Shuttle auf Rädern. Immer noch, leider. Bei der ersten Generation war das futuristische Design noch ein taktischer Glücksgriff: Weil man sofort erkannte, dass dieses Auto besonders ist. Mittlerweile sind aber sowohl der Prius als auch Hybridantriebe etabliert. Die Japaner könnten sich also getrost dem Äußeren widmen. Denn bei den vielen Preisen, die Toyotas Öko-Bestseller gewonnen hat, muss er ja nicht auch noch den für das hässlichste Auto einheimsen.

Das sagt der Hersteller: Chefingenieur Kouji Toyoshima nennt die vierte Generation des Prius "die Wiedergeburt des Pioniers". Er erinnert an den Einfluss, den Toyotas erstes Hybridfahrzeug auf die Autowelt hatte. Seit der Premiere vor 18 Jahren sind Hybrid-Pkw inzwischen fast so normal wie Benziner oder Diesel. Nicht umsonst kommen sie bei Toyota je nach Modellreihe in Europa auf einen Zulassungsanteil von mehr als 60 Prozent. Allein vom Prius wurden bislang 3,5 Millionen Exemplare weltweit verkauft.

Die Konkurrenz ist längst darauf aufmerksam geworden und hat reagiert, weshalb der neue Prius laut Toyoshima "eine attraktive Verwandlung" erfahren habe. Das neue Auto soll weiterhin Sprit sparen, dabei allerdings mehr Spaß machen als bislang.

Das ist uns aufgefallen: Toyoshima hat nicht zu viel versprochen. Je länger man mit dem Prius unterwegs ist, desto mehr spürt man den Feinschliff, den Toyota beim Generationswechsel erzielt hat. Das gilt zum einen für das bessere Platzangebot für die Insassen und den größeren Kofferraum (die Batterie ist jetzt unter der Sitzbank platziert), zum anderen für das engagiertere Fahrverhalten des Autos.

Zwar ist die Systemleistung des Tandem-Antriebs gleich wie beim Vorgänger, die E-Maschine entwickelt sogar ein paar Kilowatt weniger. Dennoch wirkt der Antrieb nun harmonischer und spricht feinfühliger an. Außerdem ist es an Bord jetzt wegen des deutlich geringeren Luftwiderstands viel leiser als früher: Der Prius wurde aerodynamisch optimiert, der cW-Wert ist auf 0,24 gesunken. Das ist ausgesprochen windschnittig. Einen Beitrag zu einem frischeren Fahrgefühl leisten auch das neue Fahrwerk, eine steifere Struktur, der um 2,5 Zentimeter abgesenkte Schwerpunkt und die tiefere Sitzposition.

Man kann die Reife des Prius spüren. Und man kann auf dem Bordcomputer ablesen, dass der neue Hauch von Fahrvergnügen nicht zulasten des Sparens geht. Im Gegenteil. Die 3,0 Liter Durchschnittsverbrauch, die Toyota offiziell angibt, sind in der Praxis zwar nicht zu schaffen. Aber nachdem sich der Schnitt bei unserer Testfahrt auf einer Überlandrunde mit einigen Autobahnetappen bei knapp sechs Litern eingependelt hat, fällt er während der gut einstündigen Stadtfahrt im Anschluss auf einen Wert um 4,5 Liter. Das kann sich sehen lassen.

Im Innenraum bietet der neue Prius jetzt mehr Platz Zur Großansicht
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Im Innenraum bietet der neue Prius jetzt mehr Platz

Im Innenraum sorgen jetzt weiße Konsolen für einen Hauch von Apple-Ambiente, der Bildschirm ist brillanter, es gibt weniger Hartplastik-Oberflächen und nette Details wie den Prius-Schriftzug auf den Lüftungsgittern. Doch wie gewohnt ist das Auto eher asketisch. Die Instrumente sind nüchterne Anzeigen in der Mitte des Armaturenbretts. Das Lenkrad ist vergleichsweise dünn und der Schaltknauf ein Stummel, der mit spitzen Fingern angefasst werden will. Spaß, so die Botschaft, steht hier nicht im Vordergrund.

Das muss man wissen: Rund 30 Prozent weniger Verbrauch als das Vorgängermodell - das ist die Ansage, mit der Toyota den Prius ab 20. Februar in Deutschland vermarktet. Erreicht wurde dies mit der bekannten Kombination aus einem 1,8 Liter großen Benziner mit 98 PS sowie einer im Planetengetriebe installierten E-Maschine mit 72 PS. Toyota behauptet, der Benziner sei der Ottomotor mit dem weltweit höchsten thermischen Wirkungsgrad, nämlich einem Wert von 40 Prozent. Der E-Motor für den Antrieb ist kleiner und leichter geworden, zudem benötigt das Energiemanagement 33 Prozent weniger Platz als bislang und die Leistungsdichte des Nickel-Metall-Hydrid-Akkus wurde gesteigert.

Kaum etwas geändert hat sich am Gewicht: Obwohl der Prius auf einer komplett neuen Plattform steht, die künftig ähnlich wie der modulare Querbaukasten (MQB) bei VW das Gros der mehr als hundert Konzernmodelle tragen soll, ist er sogar um zehn Kilogramm schwerer geworden. Und bis auf eine Kleinserie gegen Ende des Jahres wird es keine Plug-in-Variante des Autos geben. "Der Erfolg gibt unserem Konzept recht", verteidigt Projektleiter Toyoshima die Entscheidung gegen Stecker. "Wenn der Markt für Plug-in-Modelle anzieht, werden wir darauf ganz sicher reagieren."

Beim neuen Prius stand, wie sollte es bei einem Öko-Auto anders sein, die Effizienz ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch bei allem Feinschliff an Antrieb und Aerodynamik reichte es auch noch für ein paar andere Finessen. So strahlt der Prius künftig aus LED-Scheinwerfern, hält mit einem Safety-Sense-System nicht nur die Spur oder den Abstand zum Vorausfahrenden, sondern bremst auch automatisch für Fußgänger. Zudem gibt es ein Head-up-Display, und in der Mittelkonsole lässt sich künftig kabellos das Smartphone laden - sofern es mit dem sogenannten Qi-Standard arbeitet.

Das werden wir nicht vergessen: Endlich hat das Gejaule ein Ende! Wie viele Hybridmodelle von Toyota litt auch der Prius unter dem Gummibandeffekt: Drückte man aufs Gas, schossen die Drehzahlen des Motors mit lautem Wiehern in die Höhe, ohne dass man viel Schub spürte - eine lästige Eigenart des Planetengetriebes. Bei den Vorgängermodellen wirkte das richtig abschreckend. Dass der Wagen jetzt deutlich leiser ist, macht einem den Umstieg nicht mehr ganz so schwer.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 272 Beiträge
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1. Häßlichkeit liegt im Auge des Betrachters,
nuramnoergeln 10.02.2016
ich fand den Prius schon immer ein gelungenes Auto gerade optisch, da es sich vom Einheitsbrei absetzt. Verglichen mit den Spritmonstern SUV's ist er sogar eine Augenweide. Auch gegenüber der C-Klasse von Mercedes um Lichtjahre schöner. Der Autor bzw. die Autotester können sich nur nicht von der gewohnten Formensprache beim Auto lösen, wo das Design protzen muss und das Auto als Penisersatz dient.
2. Nicht der erste Design-Fauxpass von Toyota
reader01 10.02.2016
Die Design-Abteilung ist bei Toyota eindeutig die größte Schwachstelle. Zerklüftete Fronten und Cockpits und eine fehlende durchgängige Designsprache. Bis zur Hässlichkeit, denkt man nur an frühere Corollamodelle mit runden Froschaugen vorn und sargförmig eckigem Heck hinten. Die Auswahl der teilweise billigen Materialien und Stoffe verströmten entweder den kitschig bunten Charme eines preiswerten Kindersofas oder den langweilig grauen Esprit eines Seniorenreisebusses. Nur mühselig lassen sich geringe Tendenzen der Verbesserung erkennen.
3.
pauschaltourist 10.02.2016
Leider wirkt die komplette Toyota-Modellpalette wie von einem 8-Jährigen designt. Kann man bei Toyota bei 15 Milliarden Dollar Gewinn nicht auch ein paar fähige Designer einstellen? Dann würden sie 30 Milliarden Gewinn einstreichen und der Konkurrenz würde es bitter ergehen... Manchmal beschleicht mich das Gefühl, Toyota-Designer sind als Schläfer im Dienste der Konkurrenz dort eingeschleust worden und verfolgen auftragsgemäß das Ziel, möglichst unattraktive Modelle zu entwerfen, um Toyota nicht noch mächtiger und erfolgreicher zu machen als sie es ohnehin sind.
4. Wow endlich
vulkaneifler 10.02.2016
endlich ist er da ich habe diesen Wagen auf der IAA gesehen und war begeistert, eine sehr gelungenes Design und die Technik einfach super, eben Toyota.
5. Quark
fehleinschätzung 10.02.2016
Toyota behauptet, der Benziner sei der Ottomotor mit dem weltweit höchsten thermischen Wirkungsgrad, nämlich einem Wert von 40 Prozent. Was für ein Blödsinn, ist das ein Auto oder eine Heizung?
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Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Prius (4. Generation)
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 98 PS (72 kW)
Leistung (E-Motor): 72 PS (53 kW)
Drehmoment: 142 Nm
Drehmoment (E-Motor): 163 Nm
Von 0 auf 100: 10,6 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 3,0 Liter
CO2-Ausstoß: 70 g/km
Kofferraum: 501 Liter
Gewicht: 1.450 kg
Maße: 4540 / 1760 / 1470
Preis: 28.150 EUR


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