Autogramm Toyota Prius Plug-in-Hybrid Lädt doch!

Bislang schwor Toyota dem Elektroauto kategorisch ab und setzte auf Hybrid und Brennstoffzelle. Und jetzt? Bringen die Japaner einen Plug-in - und wollen damit Tesla angreifen.

Toyota

Der erste Eindruck: Beim Plug-in-Hybridmodell hat Toyota nochmal eine Schippe schräge Optik draufgelegt.

Das sagt der Hersteller: Jahrelang argumentierte Toyota gegen reine Elektroautos. Noch im Oktober erklärte der europäische Marketingchef Karl Schlichtauf dem Autosalon in Paris, die Akkutechnik sei zu teuer und E-Autos ohne Subventionen praktisch unverkäuflich. "Wir lassen uns von der elektrischen Euphorie nicht anstecken", so lautete sein Mantra. Doch jetzt gibt es offenbar neue Erkenntnisse. Eine Taskforce bei Toyota soll möglichst schnell ein reines Elektroauto entwickeln. Spätestens 2020 soll es fertig sein, hieß es vor ein paar Tagen aus Tokio.

Eine Folge dieses Umdenkens ist, dass aus dem früher nur in kleinen Stückzahlen verkauften Prius mit Plug-in-Hybridantrieb mit dem Generationswechsel ein Brückenkopf in die elektrische Zukunft werden soll. Im Marketingsprech klingt das so: Weil schon der normale Prius das beste Hybrid-Auto der Welt sei, werde es mit der Plug-in-Hybridtechnik noch besser, sagt Bill Fay, der Chef von Toyota in den USA, wo der Steckdosen-Hybrid bereits im Verkauf ist.

Das ist uns aufgefallen: Flott und flüsterleise - was in anderen Hybridmodellen beim Ampelstart normal ist, klappt dank der Plug-in-Hybridtechnik jetzt auch im Prius. Denn dank der größeren Batterie und einer neuen Steuerung kann man nun erstmals kräftig aufs Fahrpedal treten, ohne gleich den lärmenden Verbrenner zu wecken und die lähmende CVT-Automatik zu bemühen. Stattdessen schnurrt das Auto, angetrieben von den beiden zusammen 53 kW starken E-Motoren, los.

Tom Grünweg

Zudem kann der neue Plug-in-Prius - logisch - länger rein elektrisch fahren. Der Grund ist ein Lithium-Ionen-Akku statt der beim normalen Prius üblichen Nickel-Metall-Hydridbatterie; zudem wurde die Akkukapazität gegenüber dem Vorgängermodell nahezu verdoppelt auf jetzt 8,8 kWh. Das reicht für maximal 50 Kilometer rein elektrische Fahrt. Selbst wenn daraus im Alltag 40 oder lediglich 35 Kilometer werden, dürften viele Berufspendler den Verbrenner nur noch beim Wochenendausflug hören.

So entspannt man mit dem Plug-in-Prius nun durch den Stadtverkehr kurvt, so mühsam wird es, wenn die Straße frei ist. Zwar hat Toyota auch die elektrische Höchstgeschwindigkeit angehoben und erlaubt jetzt 135 statt 85 km/h. Doch weil bei hurtiger Fahrt die Reichweite rasend schnell schmilzt, kommt man jenseits der Stadtgrenzen kaum um den Parallelbetrieb von E-Maschinen plus Benziner herum - fortan ist man begleitet vom knurrigen Klang des Verbrenners und dem immer noch gewöhnungsbedürftigem Getriebe.

Das muss man wissen: In den USA und in Japan ist der Wagen schon im Handel, doch nach Europa kommt der Plug-in-Prius erst im Frühjahr 2017. Deshalb will Toyota auch noch keine finalen Preise nennen. Der Aufschlag für die große Batterie soll dem Vernehmen nach bei rund 6500 Euro liegen, sodass am Ende etwa 35.000 Euro auf dem Preisschild stehen dürften.

Dafür gibt es zum 1,8-Liter-Benziner mit 98 PS und den beiden E-Maschinen aus dem konventionellen Prius einen Lithium-Ionen-Akku, der unterm Kofferraum platziert ist. Während man deren 120 Kilo Gewicht beim Spurten nicht spürt, stolpert man spätestens beim Einladen buchstäblich über die größere Batterie, denn es gibt eine unansehnliche Stufe im Kofferraum, die einige Liter Ladevolumen schluckt.

Zwar kann der Plug-in-Prius genauso rekuperieren wie das normale Modell, und auf einer längeren Bergabpassage generiert die Technik Strom für ein paar Kilometer. Doch Sinn und Zweck der Plug-in-Technik ist natürlich das Laden an der Steckdose, das jetzt zwei bis drei Stunden dauert. Erhältlich ist auch ein Solardach, mit dessen Hilfe das Auto elektrische Energie aus Sonnenlicht gewinnt. Allerdings braucht man dafür Geduld: Zehn Tage, so haben es US-Kollegen ausgerechnet, müsste man den Prius in der Sonne parken, um einmal den Akku zu füllen.

Auf die Betriebskosten haben weder Akku noch Solardach einen nennenswerten Einfluss. Denn der spektakulär niedrige Verbrauch von 1,4 Litern gilt nur für die ersten 100 Kilometer mit vollem Akku, und auch dann nur unter Laborbedingungen. Danach muss man mit den gleichen Verbrauchswerten rechnen wie beim konventionellen Prius - also rund 3,0 Liter je 100 Kilometer, aber das ist ja auch nicht schlecht.

Das werden wir nicht vergessen: Elektrisch fahren - und das nicht nur für ein paar Minuten, sondern auf alltäglichen Distanzen - so sägt der Plug-in-Prius am eigenen Ast und lässt das Ende des konventionellen Hybrids erahnen. Das soll die Generation Tesla locken, die darüber hinaus auch im Innenraum umgarnt wird. Denn Toyota tauscht beim Plug-in-Modell den winzigen Touchscreen des normalen Prius gegen einen Tablet-Computer, so ähnlich wie man ihn aus Teslas Modell S und Modell X kennt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Prius Plug-in-Hybrid
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 98 PS (72 kW)
Leistung (E-Motor): 72 PS (53 kW)
Drehmoment: 142 Nm
Drehmoment (E-Motor): 163 Nm
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 1,4 Liter
CO2-Ausstoß: 32 g/km
Kraftstoff: 4540 / 1760 / 1470
Gewicht: 1.530 kg
Maße: 4540 / 1760 / 1470
Preis: 35.000 EUR
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jakker 06.12.2016
1. Am Potenzial meilenweit vorbei
Ich kann nicht verstehen, wie man ein Auto so unglaublich hässlich gestalten kann. Die einzige plausible Erklärung hörte ich vor Jahren von einem, der es wissen könnte: "Wir können nicht mehr liefern, also machen wir in hässlich, damit ihn nicht alle haben wollen...." Schade, dass immer noch der fürchterlich schlechte Benzinantrieb mit diesem "Hilfsgetriebe" verbaut ist. Wer ihn mal gefahren hat, dem vergeht der Spaß oder es ist soviel Enthusiasmus vorhanden um Design und Benzinantrieb zu "ignorieren". Ein gefälliges Design, ein ordentlicher Benziner mit richtigem Automaten kombiniert und das Teil wäre tatsächlich ein Millionenseller.
mazzmazz 06.12.2016
2. Mein Gott....
35.000 Eur für diese potthässliche, lahme Gurke. Das wird in Europa wieder nix. Wenn ich im Alltag 3-4 L mit diesem Auto verbrauche und es zudem noch an der Steckdose kostenpflichtig aufladen muss, erkenne ich den Vorteil zu einem Fiat Tipo nicht, der keine 15.000 Eur kostet, besser aussieht, mehr Platz und Fahrkomfort bietet und auch nur 7 L Benzin verbraucht. Rechnen Sie selbst nach, wie lange Sie den Prius im Vergleich fahren müssten, um allein den break-even Punkt zu erreichen, ab welchem Sie beginnen würden zu sparen. Unter 150.000 Km werden es nicht sein. Deshalb ist das Hybridkonzept witzlos für kleine Autos. Auch als Plug-In. Die Kisten dürften nciht viel teurer als ein Benziner sein.
vulkaneifler 06.12.2016
3. Nichts ist unmöglich Toyota
Warum auch nicht Toyota hat den Vollhybrid immer als Übergangslösung betrachtet, wenn sie jetzt auch auf den rein elektrischen weg langsam umschwenken ist es immer noch besser als Diesel. Es sollte auch erwähnt werden das er von einem Atkins Motor angetrieben wird, der nun mal mit den Abgaswerten, um ein vielfaches besser ist als der Direkteinspritzer.
opinio... 06.12.2016
4. Erstaunlich untechnisch
Auch an diesem Artikel zeigt sich mit wie wenig Vernunft das Verhältnis zum Auto beseelt ist. Ganz so als sei es kein technisches Fortbewegungsmittel, sonder eher ein rollender Halter für dentouch screen?
mikaiser 06.12.2016
5. Nach endlich!
Das Plug-In-Konzept hat neben der Lademöglichkeit weitere Vorteile: 1. Der Verbrenner wird beim Kaltstart nicht zwangs-warmgelaufen, sondern bleibt einfach aus. Das gibt einen deutlichen Verbrauchsvorteil auch bei längeren Strecken, da der Verbrenner erst auf der Autobahn angeht, wo er sehr schnell warm ist. 2. In bergiger Gegend reicht der Akku endlich, eine komplette Abfahrt in die Batterie zu bremsen. Das senkt auch den Langstreckenverbrauch gegenüber dem Normal-Hybrid. Kritisch sehe ich die - wohl unvermeidbare - Verwendung von LI- Akkus gegenüber den wesentlich langlebigeren NM-Batterien aus dem klassischen Modell. Auch gefällt mir nicht, dad Ladebuchse und Tankstutzen unter einer Klappe sind. Wer möchte schon sein Auto in der Stadt stundenlang mit offener Tankklappe an der Ladesäule stehen haben?
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