Autogramm Toyota RAV-4 Hybrid Ein SUV, der wenig säuft

SUV fahren ohne Reue? Das verspricht Toyota mit dem neuen Hybrid RAV-4, der deutlich weniger Sprit schluckt als vergleichbare Diesel. Klingt gut, doch Probleme bleiben.

Tom Grünweg

Der erste Eindruck: Der RAV-4 sieht aus, als hätten die Designer ihn mit Messern aus dem Blech geschnitten: Scharfe Linien und Ecken statt Kurven und Wölbungen kennzeichnen den Wagen. Das muss man nicht mögen. Jedenfalls vergisst man dieses Auto nicht so schnell.

Das sagt der Hersteller: Toyota feiert den RAV-4 als Wegbereiter des Kompakt-SUV-Segments. Vor 25 Jahren zählte er zu den ersten Familienkutschen für die Vorstädte, seit Jahren ist er das meistverkaufte SUV der Welt. Nach vier Generationen und mehr als acht Millionen Zulassungen soll der neue RAV-4 bei der Umweltbilanz glänzen: Als eines der ersten Modelle in dieser Liga gibt es den RAV-4 nicht mehr mit einem Dieselantrieb.

Das ist uns aufgefallen: Obwohl noch immer viel Plastik das Cockpit des RAV-4 bekleidet, wirkt der Innenraum wertiger. Die Kunststoffe sind sorgfältiger ausgewählt und nachvollziehbarer geformt. Der Touchscreen ist größer, die Bedienlandschaft aufgeräumter. Im Kombi-Instrument finden sich ein paar große Displays neben den klassischen, analogen Anzeigen wie dem Tacho.

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Autogramm Toyota RAV-4 Hybrid: Klare Kante

Bemerkenswert: Es gibt im RAV-4 mehr Platz, obwohl er ein paar Zentimeter kürzer ist als der Vorgänger. Mit dem Wechsel auf die Plattform des Prius ist der Radstand gewachsen und damit die Beinfreiheit für die Hinterbänkler sowie das Kofferraumvolumen. So wurde die Ladefläche sechs Zentimeter länger. Das Volumen legte um 79 Liter zu. Was dem RAV-4 jetzt noch fehlt, ist eine gewisse Variabilität, etwa durch eine verschiebbare Rückbank. Der jedoch ist die Batterie für den Elektroantrieb im Weg.

Toyota hat auch versucht, den Fahrspaß im RAV-4 zu vergrößern. War das Fahren bei der bisherigen Hybrid-Generation eher eine Pflichtübung, haben die Ingenieure Verbrenner und Stromer nun spürbar harmonisiert, die Systemleistung um zehn Prozent gesteigert und das stufenlose Getriebe verbessert. Zwar nervt das Getriebe beim Beschleunigen noch immer mit hohen Drehzahlen, doch der Gummiband-Effekt wurde verkürzt und die Schaltsprünge kommen früher.

Trotzdem darf man von der Antriebskombination aus einem 177 PS starken Verbrenner und zwei Elektromotoren (bei der Allrad-Version) nicht zu viel erwarten. Das System mit zusammen 222 PS treibt das Auto von 0 auf 100 zwar in soliden 8,1 Sekunden, und beim Überholen hat der RAV-4 keine Mühe. Doch ist der Vortrieb auf 180 km/h beschränkt, was manchen auf der deutschen Autobahn bisweilen zu wenig sein könnte.

Und noch eine Erwartung kann - und will - Toyota nicht erfüllen: rein elektrisches Fahren über lange Strecken. Der RAV-4 fährt meist im Mischbetrieb und lässt sich nur wenige Hundert Meter lautlos bewegen. Die Ingenieure wollen, dass der Wagen so effizient wie möglich unterwegs ist - nicht, dass er besonders cool daherkommt. Von einem Plug-in-Hybridantrieb wollen sie gar nichts wissen. Der sei nur auf dem Papier sparsam und treibe die Kosten in die Höhe.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Toyota RAV-4 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Angesichts der selbst auferlegten Beschränkungen hätte sich Toyota eine Sache sparen können: den Knopf auf der Mittelkonsole, mit dem man die Fahrprofile wechselt. Mit ihm lässt sich zwar effektvoll die Farbe der Instrumentenbeleuchtung und des Drehschalters tauschen. Sonst tut sich nicht viel: "Eco" ist der RAV-4 in jeder Einstellung, richtig sportlich nie.

Das muss man wissen: Die fünfte Generation des RAV-4 kommt Ende Januar in den Handel und wird mit zwei Motorisierungen angeboten. Das Basismodell, für das sich in der Vorgängergeneration lediglich zehn Prozent der Kunden interessierten, fährt mit einem 175 PS starken 2-Liter-Benziner vor und kostet 29.990 Euro. Die Hybridvariante steht ab 32.990 Euro in der Preisliste. Das sind 800 Euro weniger als bisher - dank dem Umstieg auf die günstige Prius-Plattform. Es gibt sie als Fronttriebler mit 218 und als Allradler mit 222 PS. Den Normverbrauch der beiden Modellvarianten gibt Toyota mit 6,0 (Benziner) und 4,4 Litern (Hybrid) an. Letzterer ist deutlich sparsamer als vergleichbare Diesel-SUV wie der VW Tiguan, Audi Q3 oder Opel Grandland X (jeweils ab etwa 4,8 Liter).

Auch bei der Ausstattung hat Toyota nachgelegt. Der RAV-4 erkennt als erstes Toyota-Modell mehr Verkehrsschilder, unterstützt den Fahrer aktiv bei der Spurführung und bremst nicht nur für Fußgänger, sondern auch für Radfahrer.

Das werden wir nicht vergessen: den Blick in den Rückspiegel. Als eines der ersten Autos nutzt der RAV-4 zusätzlich eine Kamera für den Blick nach hinten. Man kann zwischen optischer und elektronischer Rücksicht wechseln und sieht selbst dann etwas, wenn Köpfe oder Koffer die Blickachse blockieren. Dank diesem Detail weist beim RAV-4 selbst der Blick zurück ein wenig in die Zukunft.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: RAV-4 Hybrid
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner + 2 Elektromotoren
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.500 ccm
Leistung: 222 PS (163 kW)
Drehmoment: 221 Nm
Von 0 auf 100: 8,1 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 100 g/km
Kofferraum: 580 Liter
umgebaut: 1.690 Liter
Gewicht: 1.700 kg
Maße: 4600 / 1855 / 1685
Preis: 37.990 EUR
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insgesamt 184 Beiträge
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Seite 1
snoopit 23.01.2019
1. Herrje!
Mon dieu! Ob der bei den Käufern ankommt? Von der Seite sieht der Wagen aus wie ein Erlkönig (Bild 3). Irgendwie wild zusammengeschustert. Ich finde ihn potthässlich.
Oetzmann 23.01.2019
2. Probleme?
Was genau sind denn jetzt die Probleme, die bleiben? Die nicht verschiebbare Rückbank? Braucht man die wirklich? Dass bei 180 Schluss ist? Reicht völlig. Wir diskutieren gerade über Tempo 130 - da reichen 180 doch dicke aus...
Korken 23.01.2019
3. Hervorragend
Das mag ich so sehr bei Toyota, es geht um Effizienz, nicht um Coolness und Angeberei. Der Artikel versucht ja mit Müh und Not irgendwas schlechtes an diesem Auto zu finden oder sogar herbeizureden. Trotz alledem, wieder ein nachbarparkplatzvernichtenes, abbiegespursichtverhinderndes und somit für andere Verkehrsteilnehmer gefahrheraufsetzendes Auto mehr auf den Straßen. Früher konnte man problemlos weite Teile der Straße überblicken, heute versperren einem die Ein-Mann/Frau-Ego Trip Karren die Sicht.
eugler 23.01.2019
4. sinnfreie Technik
Ähnlich wie bei Elektrofahrzeugen wird die Verschmutzung und der Verbrauch auf den Herstellungs- und Entsorgungsprozess verschoben. Rechnet man die Themen Fahrspaß und Motoreigenschaften mit ein, dann erzeugt Toyota einen Rückschritt. Auch an dieser Stelle versagen die Medien erneut vollständig. Blenderpresse müsste man es nennen.
observerlbg 23.01.2019
5. Ein SUV ist ein SUV
Auch wenn der RAV4 kaum mehr Stellfläche als ein Kompaktauto benötigt. Und obwohl er weniger Sprit verbraucht als ein Basis-Golf. Und obwohl man/frau bequem einsteigen und sitzen kann. Und obwohl er mehr Rundumsicht als moderne Klein- und Kompaktfahrzeuge bietet. Es ist ein SUV und wird hier wieder seine Feinde finden. Ich bin da mal gespannt.
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