Toyota Tundra V8: Pick-up im XXXL-Format

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Dank des Hybridautos Prius genießt Toyota den Ruf, umweltfreundlich und innovativ zu sein. Doch gibt es noch eine andere Seite der Marke. Die wird in den USA vom Modell Tundra repräsentiert. Der Wagen ist so groß und schwer, dass Händler teilweise neue Hebebühnen installieren mussten.

Toyota Tundra: Pick-up Maximus Fotos
Tom Grünweg

In der Krise des vergangenen Jahres bröckelten die Verkaufszahlen für Pick-up-Modelle in den USA, jetzt fahren die uramerikanischen Pritschenwagen wieder vorneweg. Die drei US-Konzerne Ford, General Motors und Chrysler verkauften in den ersten zehn Monaten des Jahres mehr als eine Million dieser Fahrzeuge. Und Toyota, in diesem Segment die erfolgreichste Importmarke in den USA, meldet ebenfalls üppige Zuwächse. Laut Toyota-Sprecher Greg Thome wurden in diesem Jahr bereits 75.832 Exemplare des Typs Tundra verkauft. Das Auto ist vor allem: riesig - fast sechs Meter lang, hoch wie ein Kleinbus und ähnlich geräumig wie ein Wohnmobil.

In normale Autos steigt man ein, den Tundra muss man erklimmen. Über einige Stufen geht es hinauf auf den Fahrersitz. Oben angekommen, schweift der Blick über eine weite Landschaft aus Hartplastik und Kunstleder, die Schalter haben Streichholzschachtel-Format und das gesamte Cockpit wirkt so, als könne man es auch mal mit dem Dampfstrahler reinigen. Kommod ist es auch im Tundra, denn in der größten Version Crew Max bietet das Auto mehr Platz als eine Mercedes S-Klasse.

Ein Auto wie gemacht für Rinderbarone oder Bautrupps - meint man. Sobald man aber in Fahrt kommt mit dem Trumm, stellt sich ein recht angenehmes Gefühl der Erhabenheit ein. Unter der gewaltigen Haube steckt ein V8-Motor. Das Aggregat schöpft aus 5,7 Litern Hubraum eine Leistung von 381 PS und mobilisiert ein maximales Drehmoment von 544 Nm.

Verwaltet wird die Kraft von einer entspannt agierenden Sechsgang-Automatik. Der Allradantrieb ist zuschaltbar. Wer beim Start das Gaspedal durchtritt, rauscht in kaum mehr als sechs Sekunden auf Tempo 100. Als Höchstgeschwindigkeit sind 170 km/h möglich, was durchaus spektakulär ist für ein Auto dieses Ausmaßes und mit Blattfedern an der Hinterachse. Es gibt zwar einen 100 Liter fassenden Tank, doch dieses Volumen relativiert sich angesichts eines realen Durchschnittsverbrauchs von etwa 20 Liter je 100 Kilometer.

Ein Toyota, der nur in den USA gebaut und offiziell verkauft wird

Obwohl mit Toyota ein japanischer Markenname auf dem Auto steht, ist der Tundra ein durch und durch amerikanischer Wagen. "Das Modell wird ausschließlich in der texanischen Toyota-Fabrik in San Antonio produziert und nur in Amerika verkauft", sagt Thome. Die einfachste Variante kostet umgerechnet rund 16.000 Euro, und selbst die von uns gefahrene Luxusversion mit V8-Motor und Doppelkabine kostet mit etwa 30.000 Euro weniger als hierzulande ein gut ausgestatteter Kompakt-SUV Toyota RAV-4. In Deutschland gibt es das Auto dann übrigens doch. Es gibt einige freie Importeure, die das Auto für hiesige Kunden besorgen. Allerdings werden dann beinahe 50.000 Euro fällig.

In den USA gilt der Toyota Tundra als automobile Idealbesetzung für Familien mit raumgreifenden Freizeitverhalten. "Wer gerne jagen geht, fischt, klettert oder sonst ein Outdoor-Hobby hat, schwört auf große Pick-ups", erklärt Thome die Beweggründe für die Kundschaft. Übrigens greifen auch amerikanische Großstadtbewohner gerne zum übergroßen Pritschenlaster. In Los Angeles beispielsweise, wo Toyota die meisten Hybridmodelle in den USA absetzt, werden zugleich auch die meisten Tundra-Typen verkauft.

Zu groß für Europas Städte - zu schwer für manche Hebebühne

In Europa wäre ein Tundra im Stadtverkehr ohne Zweifel fehl am Platz. Das Auto ist für die hiesige Verkehrsinfrastruktur einfach eine Nummer zu groß. In Santa Monica oder Beverly Hills jedoch schwimmt man mit dem Pick-up ganz locker und lässig mit im Verkehrsfluss. Man genießt die grandiose Übersicht und erkennt von hier oben auch gut die passenden Lücken, falls der Tundra geparkt werden muss. Das Rangieren dann allerdings verlangt - der Wendekreis des Autos beträgt 15 Meter - Übung und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

Für die Toyota-Händler in den USA war die Einführung der aktuellen, zweiten Tundra übrigens mit gewichtigen Umstellungen verbunden. Toyota-Mann Thome berichtet: "Die üblichen Hebebühnen in den Werkstätten waren mit einer Traglast von drei bis vier Tonnen zu schwach, um einen vollbeladenen Tundra zu stemmen." Händler, die also den neuen Tundra verkaufen wollten, mussten in vielen Fällen erst einmal in eine stärkere Hebebühne investieren. Angesichts des gegenwärtigen Pick-up-Booms dürfte sich die Anschaffung bereits amortisiert haben.

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Aktuelles zu

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Tundra
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 5.663 ccm
Leistung: 381 PS (280 kW)
Drehmoment: 544 Nm
Von 0 auf 100: 6,3 s
Höchstgeschw.: 170 km/h
Preis: 48.000 EUR


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