Toyota Urban Cruiser: Liebling, ich habe den SUV geschrumpft

Von Jürgen Pander

Übergroß, übergewichtig, überflüssig - Allradler sind Autos, die eigentlich keiner braucht. Weil der Offroad-Look aber nach wie vor Fans hat, versucht Toyota sich am ökologisch korrekten SUV: Herausgekommen ist der Urban Cruiser, ein Mini-Geländegänger mit moderatem CO2-Ausstoß.

Die Nachfrage nach kleinen Autos wird größer. Das ist bekannt, und vermutlich wird sich dieser Trend auch nicht mehr so schnell ändern. Wohl aber ändern sich die Ansprüche der vielen neuen Kleinwagenkunden. Denn die wollen das ganze Programm vom rudimentär ausgestatteten Billigauto bis zum luxuriösen Modemodell, vom ultrakompakten Kombi über clevere Minivans bis hin zu peppigen Cabrio-Coupés. Und natürlich wächst somit auch die Klientel, die einen möglichst kleines Sport Utility Vehicle (SUV) fahren möchte. Toyota hat seit dieser Woche ein passendes Auto im Angebot.

Urban Cruiser heißt das neue Modell, das mit 3,93 Meter Länge noch ins Segment der Kleinwagen passt, dass aber zugleich eine halbe Nummer größer erscheint. Eben wegen der SUV-Stilistik, die auf klare Kanten, deutlich ausgestellte Radhäuser, breitschultrig anmutende Proportionen und angedeutete Unterfahrschutzbleche vertraut. Die optische Täuschung funktioniert: Ähnlich wie die Kleinwagen Daihatsu Materia oder Kia Soul, die durch modisches Box-Design auffallen, tritt auch der Urban Cruiser auf, als wolle er gleich noch ein paar Bäume plattwalzen.

Bei der ersten Testfahrt von SPIEGEL ONLINE mit dem Auto fiel auf, dass sich zahlreiche Passanten und Autofahrer in sehr viel größeren Modellen offenbar für die knackige Form interessieren. Immer wieder ließen sich andere Pkw-Lenker auf der Autobahn zurückfallen, um das Auto eingehender betrachten zu können. Vermutlich ist es die Kombination aus kompakten Abmessungen und robustem Gesamteindruck, der den Wagen aus der automobilen Masse hervor hebt.

Der Vorwurf der SUV-Dreckschleuder trifft hier nicht

Technisch jedenfalls bietet der Urban Cruiser keine besonderen Auffälligkeiten - wohl aber einen Superlativ: Das Modell mit dem 1,4-Liter-Dieselmotor mit 90 PS, Rußpartikelfilter und einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter sowie einem CO2-Ausstoß von 130 Gramm je Kilometer ist nach Toyota-Angaben der schadstoffärmste Allradler der Welt. Damit entfalle, so Produktmanager Markus Ames, "das für viele Kunden, die gern ein SUV-Modell fahren möchten, bisher maßgebliche Gegenargument, dass diese Autos oft nicht besonders umweltfreundlich sind". Ob ein Kleinwagen tatsächlich Allradantrieb braucht, ist damit natürlich noch nicht beantwortet. Selbst Toyota ist da skeptisch.

In Deutschland, so schätzt Ames, werden sich etwa drei Viertel der Käufer eines Urban Cruiser nicht für die allradgetriebene Selbstzünder-Version entscheiden, sondern für das Modell mit Frontantrieb und einem 1,33-Liter-Vierzylinder-Benziner unter der Haube. Dieser Motor ist noch einen Tick umweltverträglicher, denn bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter Sprit je 100 Kilometer emittiert das Aggregat 129 Gramm CO2 je Kilometer. Und mit einer Leistung von 101 PS ist der Wagen flott motorisiert - bei unserer ersten Testfahrt mit dieser Variante jedenfalls gab sich die Maschine spritzig und drehfreudig.

Benziner serienmäßig mit Start-Stopp-Automatik

Zudem sorgt eine Start-Stopp-Automatik, die den Motor bei Stillstand des Fahrzeugs und ausgekuppelten Gängen automatisch abstellt, vor allem im Stadtverkehr für eine deutliche Kraftstoffeinsparung. Neu ist die Konstruktion des an sich bekannten Systems, denn in diesem Fall ist der Anlasser über eine Verzahnung und einen Freilauf direkt und permanent mit der Schwungscheibe verbunden. Das Resultat ist ein besonders leises und schnelles Anlassen des Motors, sobald die Kupplung getreten wird. Und noch einen kleinen Gag haben sich die Toyota-Entwickler ausgedacht: Über ein Display kann man sich den Anteil der Fahrtzeit anzeigen lassen, während der der Motor abgeschaltet war.

Wer das Auto vornehmlich in der Stadt einsetzen und es als Familien- und Einkaufswagen nutzen möchte, ist noch aus einem weiteren Grund mit dem Fronttriebler besser bedient: Der Kofferraum nämlich fasst hier mindestens 314 Liter (Allradler: 305 Liter) und die Rücksitze lassen sich nur im benzingetriebenen Fronttriebler auch in Längsrichtung verstellen, was die Variabilität zwischen Fond und Gepäckraum erhöht. Maximal fasst der Laderaum, dessen Zugang übrigens durch eine wuchtige und recht hohe Ladekante eingeschränkt wird, in diesem Modell 749 Liter (Allradler: 673 Liter).

Nur mit weißen Lack ist das Auto aufpreisfrei

Ordentlich ist die Sicherheitsausstattung mit serienmäßig sieben Airbags, darunter ein Knie-Airbag am Fahrerplatz, ESP und ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung. Die günstigste Variante kostet 16.950 Euro, allerdings gibt es in dieser Version weder Klimaanlage (Aufpreis 1200 Euro) noch einen USB-Anschluss (Aufpreis 230 Euro); und wer eine andere Außenfarbe als weiß wünscht, muss sowieso 450 Euro drauflegen. Die billigste Allradversion bietet Toyota ab 22.950 Euro an.

Ob es die Dieselvariante auch mit Frontantrieb geben wird, ob neben dem Sechsgang-Schaltgetriebe auch eine Automatik ins Angebot genommen wird oder ob demnächst auch ein Hybrid-Modell folgen wird - die Toyota-Verantwortlichen mögen das derzeit noch nicht beantworten. Vorerst plant Toyota in Deutschland mit noch 2500 verkauften Urban Cruiser in diesem Jahr, und da wäre eine weitere Varianz des Angebots unrentabel. Sollte das Auto jedoch auf größeres Interesse stoßen, sei "vieles vorstellbar".

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Urban Cruiser
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.329 ccm
Leistung: 101 PS (74 kW)
Drehmoment: 132 Nm
Von 0 auf 100: 12,5 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 5,5 Liter
CO2-Ausstoß: 129 g/km
Kofferraum: 314 Liter
umgebaut: 749 Liter
Preis: 16.950 EUR

Fotostrecke
Toyota Urban Cruiser: Der andere Kleinwagen

Aktuelles zu