Autogramm Toyota Verso Unscheinbar wunderbar

Der Toyota Verso gehört nicht zu den Autos, die sich irgendwie aufdrängen. Man muss schon nach einem Kompakt-Van suchen, um auf das Modell zu stoßen, das soeben rundum erneuert wurde. Was dem Wagen fehlt, ist ein allzeit einsatzbereiter Fährtensucher.

Von Jürgen Pander

Jürgen Pander

Der erste Eindruck: Gut sieht der aus. Nicht in dem Sinne gut, dass man gleich mit den Händen das Blech tätschelt oder erst einmal ums Auto tigert, sondern ganz unauffällig gut. Das ist nicht selbstverständlich, denn erstens handelt es sich um einen Toyota, und zweitens um einen Kompakt-Van. Die japanische Marke fiel in der Vergangenheit nur selten durch ihr Design auf, sondern pflegte einen geradezu unscheinbaren Stil; und Vans mit sieben Sitzen wirken immer ein bisschen zu voluminös und unelegant. Der Toyota Verso hingegen kaschiert sein Platzangebot recht ansehnlich, und das steht ihm: gut.

Das sagt der Hersteller: Das Auto debütierte 2009, nun wurde es einer gründlichen Renovierung unterzogen. 470 Teile, sagt Toyota, wurden gegenüber dem bisherigen Modell erneuert, die Verantwortung dafür lag bei Toyota Motor Europe - das gab es noch nie in der Firmengeschichte des japanischen Konzerns. Auch in die Rohbaustruktur wurde eingegriffen, es gibt zum Beispiel neue Schweißpunkte im Bereich von Heckklappenöffnung und C-Säule, die für eine höhere Karosseriesteifigkeit sorgen sollen. Gebaut wird der Verso, den Toyota ausschließlich in Europa anbietet, im Werk Adapazari in der Türkei.

Das ist uns aufgefallen: Dass der überarbeitete Verso vergleichsweise flott aussieht, hängt mit dem neuen, sogenannten keen look von Toyota zusammen, den die Gestalter im europäischen Designzentrum nahe Nizza entwickelt haben. Nun, "keen", also "begeisternd" oder "leidenschaftlich", ist die Formensprache nicht, aber viele Details der Frontpartie und die flotte Linienführung an den Seiten lassen die Karosserie vergleichsweise flach und dynamisch erscheinen.

Im Innenraum fällt das etwas zur Mitte gerückte, dem Fahrer zugewandte Cockpit auf, in dem zwei große, zylindrische Gehäuse Tacho und Drehzahlmesser beherbergen. Das ist zunächst ungewohnt und man blickt anfangs mehrmals in Leere direkt vor dem Lenkrad, doch es lockert das Interieur zugleich auf, eben weil es mit der Gewohnheit bricht.

Praktisch sind die zahlreichen Ablagen und Staufächer, darunter das zweigeteilte Handschuhfach, eher störend für den Gesamteindruck hingegen die vielen unterschiedlichen Plastikoberflächen im Interieur, was die eigentlich stimmige Einrichtung irgendwie zusammengepuzzelt erscheinen lässt.

Gut gefiel uns das Fahrverhalten des Verso. Im Motorraum des Testwagens werkelt der rundum überarbeitete 2-Liter-Dieselmotor mit 124 PS, ein prima Antreiber für diesen Wagen. Das Geräuschniveau ist erstaunlich niedrig, die Drehfreudigkeit dafür umso größer. Um den Verbrauch zu drosseln, erhielt das Aggregat unter anderem einen neuen Turbolader, eine optimierte Wasserpumpe und Zylinderkopfdeckel, Ölkühler-Halterung und Kühlmittelleitungen aus Kunststoff - das spart immerhin drei Kilogramm Gewicht.

Im Verbund mit dem neu abgestuften Sechsgang-Schaltgetriebe schluckt der Verso 2.0 D-4D (so der volle Name des Modells) laut Werksangabe 4,9 Liter; bei den Testfahrten ermittelten wir einen Durchschnittswert von 5,9 Liter je 100 Kilometer. Das ist eindeutig mehr, geht aber noch in Ordnung.

Genervt hat uns das Navigationssystem. So fordert die Stimme "Verlassen Sie die Autobahn", wenn man in Wahrheit nur auf eine andere Autobahn wechseln soll. Auf den zahlreichen Autobahn-Kreuzen und -Dreiecken des Rhein-Ruhr-Gebiets kann das schon mal zu Irritationen führen. Kurios war auch die Fahrtzeitberechnung. Nach einer zweiminütigen Pinkelpause meldete das Navi plötzlich eine um 25 Minuten spätere Ankunftszeit (nein, es war inzwischen kein neuer Stau gemeldet worden), die allerdings ein paar Kilometer später flugs wieder korrigiert wurde. Ebenso merkwürdig: Das Abbiegen auf einen Parkplatz wirft das System derart aus der Bahn, dass es anfängt, die Route neu zu berechnen.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Toyota Verso ist seit ein paar Wochen im Handel und wird dort in drei Ausstattungsniveaus sowie mit fünf Motorisierungen angeboten. Zur Wahl stehen außer dem von uns gefahrenen Selbstzünder noch zwei 2,2-Liter-Diesel mit 150 und 177 PS sowie zwei Benzinmotoren mit 132 und 147 PS.

Das Kofferraumvolumen schwankt je nach Bestuhlung zwischen 178 Liter (Siebensitzer) und 1740 Liter (Zweisitzer). Das sogenannte Easy-Flat-Siebensitzer-Paket wird nur in den beiden höheren Ausstattungsversionen angeboten und kostet 650 Euro Aufpreis. Die billigste Verso-Variante kostet 21.150 Euro, dafür gibt es den Fünfsitzer mit 132-PS-Benziner.

Das werden wir nicht vergessen: Wie easy das Easy-Flat-Sitzsystem tatsächlich funktioniert. Bei einem Ausflug mit Freunden wollten deren Kinder auf einmal mit unseren Kindern gemeinsam im Auto fahren. Ein paar Handgriffe später saßen dann alle in den Reihen zwei und drei des Verso und waren begeistert. Außerdem hatten sie auf dem Spielplatz was zum Prahlen: "Wir sind mit dem Bus gefahren!"

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Seite 1
fort-perfect 07.06.2013
1. Auch bei dem Verso
Zitat von sysopJürgen PanderDer Toyota Verso gehört nicht zu den Autos, die sich irgendwie aufdrängen. Man muss schon nach einem Kompaktvan suchen, um auf das Modell zu stoßen, das soeben rundum erneuert wurde. Was dem Wagen fehlt, ist ein allzeit einsatzbereiter Fährtensucher. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/toyota-verso-geraeumiger-familienvan-mit-sieben-sitzen-a-903942.html
hat diese unsägliche Designverirrung stattgefunden, die Instrumententafel über der Mittelkonsole zu platzieren. Das ist weder ergonomisch noch optisch ansprechend, sondern sieht einfach nur sch***e aus....
openyourmind 07.06.2013
2. sorry,
aber die Fotos sind eine Katastrophe....das iphone macht doch nicht so schlechte Bilder !!!!
thanks-top-info 07.06.2013
3.
er hat wirklich einen Ölkühler? mir gefällt ja geradezu das der Turbo aus den 2 Litern "nur" 124PS rauskitzelt. das verspricht Haltbarkeit
emantsol 07.06.2013
4. Geschmack
Ich weiss nicht, für welchen Geschmack die aktuellen Fahrzeuge (auch anderer Hersteller) gestaltet werden, aber für meinen mit Sicherheit nicht. Es würde mich mal interessieren, wie viele Autos WEGEN oder TROTZ ihres Aussehens gekauft werden. Das wäre doch mal eine interessante Statistik!? ;-)
artbond 07.06.2013
5. Pragmatisch
wir fahrend das Vorgängermodell seit inzwischen Sieben jahren, auch nach mehr als 100.000 km muss man sagen, zuverlässig, robust, praktisch ohne Allüren. Und mit dem großen Diesel auch für zügige Langstrecken gut... perfekt für Familien mit bis zu zwei Kindern, danach wirds aber auch im Verso eng....
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