Autogramm Toyota Yaris Hybrid Mehr Sein als Schein

Der Toyota Yaris ist einzigartig: Kein anderer Kleinwagen außer ihm hat bisher einen vollwertigen Hybridantrieb. Ansonsten ist er allerdings ziemlich dröge. Ein millionenschweres Facelift soll das jetzt ändern - nur an wenigen Stellen ist es nicht gelungen.

Von

Toyota

Der erste Eindruck: Was bei Zorro das "Z" war, ist bei Toyota neuerdings das "X". Denn genau wie bei seinem kleinen Bruder Aygo durchkreuzen jetzt auch beim überarbeiten Toyota Yaris zwei markante Linien wie die Schnitte eines Degens den Kühlergrill und verpassen dem Kleinwagen einen verwegenen Look.

Das sagt der Hersteller: Frecher, frischer, fröhlicher - das sind die Attribute, mit denen Toyota den aufgefrischten Yaris auf den Weg bringt. "Denn mit einem vernünftigen Preis, sparsamen Motoren, guter Ausstattung und hohem Werterhalt konnte der Yaris Kopfmenschen schon bislang überzeugen", sagt Pressesprecher Henning Meyer. "Aber jetzt gibt's auch was fürs Herz."

Das hat sich Toyota einiges kosten lassen: "Wir haben 85 Millionen Euro und über 600.000 Entwicklungsstunden in das Facelift gesteckt und dabei viel mehr geändert als sonst", sagt Projektleiter Serkan Karaman. Den Aufwand rechtfertigt er mit der Ausnahmestellung des Kleinwagens: Bei knapp 100.000 Europa-Zulassungen im ersten Halbjahr steht er für ein Fünftel aller Toyota-Verkäufe. Außerdem ist der Yaris als einziger Kleinwagen mit vollwertigem Hybridantrieb auf dem Markt der beste Beleg für den Erfolg dieser Technologie - 40 Prozent aller Yaris-Käufer in Deutschland wählen die Variante mit elektrischem Hilfsmotor.

Das ist uns aufgefallen: Herzerfrischend neu wirkt der Yaris trotz des großen Aufwands nicht gerade. Viel eher macht der Kleinwagen nach der Modellpflege einen gereiften, erwachseneren Eindruck.

Das liegt vor allem am komplett neuen Armaturenbrett, das nun mit sogenannten Soft-Touch-Lacken behandelt wird und sich entsprechend weich und wertig anfühlt. Dazu gibt's ein paar funkelnde Zierleisten aus Chrom und praktische Ablagen, in denen zum Beispiel oben links vom Lenkrad mühelos das Handy verschwindet. Der Clou ist aber der große Touchscreen, auf dem man über das Mobiltelefon auch online gehen kann. Dann zeigt er nicht nur das Bild der Rückfahrkamera oder den Bordcomputer, sondern auch E-Mails und SMS, eine Online-Navigation und Sonderziele von Google. Und wem das nicht reicht, der kann sich mit dem System Mirrorlink gleich die komplette Benutzeroberfläche seines Smartphones auf das Display holen.

Während die Designer bemüht sind, den Yaris weniger alltäglich und unauffällig zu machen, wollen die Techniker genau das beibehalten: Denn in dem Kleinwagen funktioniert der Hybridantrieb längst so gut, dass man ihn nach dem Einsteigen schon wieder vergessen hat. Das liegt auch daran, dass Toyota daraus keine große Show macht - weil der Mischbetrieb viel effizienter ist, fährt der Yaris nur auf ganz kurzen Strecken im Stop-and-go-Verkehr rein elektrisch. Wer weiter stromern will, braucht neben einem vollen Akku vor allem viel Gefühl im Fuß und Geduld. Denn sobald man das Gaspedal auch nur ein bisschen fester drückt, schaltet sich der 1,5 Liter große Benziner wieder zu.

Dass man in einem Hybriden sitzt, merkt man deshalb eigentlich nur an den Drehzahlorgien, zu denen das stufenlose Getriebe den Vierzylinder bei den seltenen Vollgasfahrten auf der Autobahn zwingt - oder bei den noch selteneren Besuchen an der Tankstelle. Schließlich sinkt der Verbrauch weiter und liegt nun bei 3,3 Litern im Normzyklus.

Das muss man wissen: So viel die Japaner bei der Modellpflege auch verändert haben: Die Preise bleiben annähernd gleich und beginnen künftig bei 11.990 Euro für den Drei- oder 12.690 Euro für den Fünftürer.

Dafür gibt es zum Verkaufsstart Ende August allerdings nur einen Dreizylinderbenziner mit 69 PS, dessen Verbrauch um 0,7 auf 4,1 Liter sinkt. Als zweiten Benziner bietet Toyota den unveränderten 1,3-Liter-Motor mit 99 PS (ab 15.990 Euro) an. Wer sich partout nicht für den 17.300 Euro teuren Hybriden erwärmen kann, dem bleibt noch der 1,5-Liter-Diesel für mindestens 15.240 Euro. Dessen Motor leistet 90 PS und steht mit 3,8 Litern Verbrauch in der Liste.

Das werden wir nicht vergessen: Außen frech und unter der Haube fortschrittlich - nur innen ist auch der neue Yaris den noblen Materialien zum Trotz noch immer ein altbackenes Auto. Denn wo andere Kleinwagen mittlerweile bunt und poppig daherkommen, wirkt er leider immer noch ziemlich farblos.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
H-Vollmilch 28.07.2014
1. Titel
Zitat von sysopToyotaDer Toyota Yaris ist einzigartig: Kein anderer Kleinwagen außer ihm hat bisher einen vollwertigen Hybridantrieb. Ansonsten ist er allerdings ziemlich dröge. Ein millionenschweres Facelift soll das jetzt ändern - nur an wenigen Stellen ist es nicht gelungen. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/toyota-yaris-hybrid-facelift-fuer-den-kleinwagen-mit-hybridantrieb-a-982283.html
Das merke ich mir bis zum nächsten Vorstellung aus Wolfsburg....dort wo man Langeweile quasi erfunden hat.
bigfraggle007 28.07.2014
2.
Schon erstaunlich... In einem Toyota-Artikel geht es im ersten Beitrag über angeblich langweilige VWs. Die Befindlichkeiten mancher Foristen muss man nicht verstehen, oder?
möwe99 28.07.2014
3. klasse
selbst in schwarz ist das Cockpit bunter als das eines jeden VAG Fahrzeugs
H-Vollmilch 28.07.2014
4. Muss man nicht.
Zitat von bigfraggle007Schon erstaunlich... In einem Toyota-Artikel geht es im ersten Beitrag über angeblich langweilige VWs. Die Befindlichkeiten mancher Foristen muss man nicht verstehen, oder?
Tut man aber, wenn man diverse Artikel zu VWs als Vergleich heranzieht.
Philip J. Fry 28.07.2014
5. Bunt und poppig?
---Zitat--- Denn wo andere Kleinwagen mittlerweile bunt und poppig daherkommen, wirkt er leider immer noch ziemlich farblos. ---Zitatende--- Der eine findet's langweilig-farblos, der andere klassisch-gediegen. Zum Glück sind die Geschmäcker verschieden. Dass Toyota, genau wie VW, nicht auf den Bonbon-Optik-Zug aufspringt, was den Innenbereich angeht, ist meiner Ansicht nach eine sehr, sehr gute Nachricht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.