Toyota Yaris Hybrid Das kleine e

Wie lange wird es Diesel-Kleinwagen noch geben? Bei Toyota vermutlich nicht mehr lange. Überflüssig ist es schon jetzt, denn mit dem Yaris Hybrid hat die Marke ein Auto im Angebot, das alles besser kann.

Matthias Kriegel

Von Jürgen Pander


Normalerweise funktioniert die Autoindustrie so: Neue Technik oder feine Ausstattungsdetails werden zuerst in teuren Oberklassemodellen angeboten, später dann, nach und nach auch in billigeren Baureihen; Fachleute sprechen vom "Trickle-down-Effekt" (trickle heißt im Englischen "sickern"). Beim Hybridantrieb müsste es eigentlich umgekehrt sein, damit diese Spritspartechnik sich dort etablieren kann, wo sie sinnvoll ist: in kleinen Autos, die überwiegend oder nur im Stadtverkehr bewegt werden. Zumindest Toyota versucht genau das, denn mit dem Yaris hat die japanische Marke aktuell den einzigen Kleinwagen mit Hybridantrieb im Angebot.

Der Fünftürer mit knapp vier Meter Länge wird mit zwei Benzinern, einem Dieselmotor und eben Hybridantrieb angeboten. Letzterer ist wie gemacht für das Auto (obwohl er teilweise aus dem Modell Prius stammt), denn der Yaris ist ein klassisches Mobil für Kurzstrecken und Stadtverkehr, also genau das Fahrprofil, in dem ein Parallel-Hybrid seine Vorteile ausspielen kann. Und zwar deshalb, weil bei dieser Fahrerei ständig beschleunigt und abgebremst wird. Und beim Ausrollen oder Bremsen wird der Akku aufgeladen, beim anschließenden Beschleunigen kann dann die soeben gewonnene elektrische Energie gleich wieder eingesetzt werden. Man kann sich das vorstellen wie regelmäßiges Ein- und Ausatmen, der elektrische Part des Antriebs tut dies im Rhythmus des Innerorts-Stakkatos.

Nutzt man den Yaris also kleinwagentypisch, kann der Hybridantrieb machen, wozu er erfunden wurde: Sprit sparen, Abgase vermeiden und dabei für passablen Vortrieb sorgen - vor allem wegen des Drehmoments des Elektromotors.

Matthias Kriegel

Soweit die Theorie. In der Praxis fühlt es sich dann nicht ganz so perfekt an. Was aber nicht etwa an unzureichender Technik liegt, sondern zumindest anfangs an mangelnder Erfahrung. Man muss sich mit einem Hybridauto erst einmal bekannt machen und anfreunden - Kollege Michail Hengstenberg hat das kürzlich in seinem Fahrbericht des Toyota Prius exemplarisch beschrieben. Für den Yaris gilt das Gleiche.

Eigentlich ein ganz normaler Kleinwagen

Das Beschleunigungsgefühl ist nämlich etwas zäh, und die Geräusche aus dem Motorraum sind ungewohnt. Beim Anfahren hört man erst einmal gar nichts (herrlich), beim stärkeren Gasgeben dagegen wird es laut, doch es fehlt die erwartete Beschleunigung. Mit der Zeit allerdings kapiert man den adäquaten Umgang mit der Doppelmotorisierung aus Benzin- und E-Motor und entwickelt ganz automatisch den Drang, so weit und so viel wie möglich elektrisch zu fahren. Weil es so wunderbar leise ist und die Beschleunigung daher umso unvermittelter einsetzt.

Um aber elektrisch fahren zu können, muss der Akku gefüllt sein. Und weil es beim Yaris keinen externen Anschluss fürs Laden der Batterie gibt, geschieht dies ausschließlich durch Rekuperieren, also die Umwandlung von Bewegungsenergie in elektrische Energie im Schubbetrieb, oder indem das gerade nicht benötigte Drehmoment des Verbrenners in den Generator abgezweigt wird, um Strom zu produzieren. Davon bekommt man nichts mit - es sei denn, man holt sich die grafische Darstellung dieser Vorgänge via "Energiemonitor" auf den zentralen Bildschirm. Tut man das, wird Yaris-Hybrid-Fahren zu einer befriedigenden Beschäftigung.

Auf der Jagd nach acht grünen Balken

Weil man bestrebt ist, etwa durch rechtzeitiges Ausrollen lassen des Autos vor einer roten Ampel oder einem Stop-Schild, so viel Strom zu erzeugen wie nur möglich. Es stellt sich ein Glücksgefühl ein, wenn alle acht grünen Balken der Akkuladeanzeige leuchten. Und die Freude hält an, wenn man im Anschluss nahezu lautlos beschleunigt, bis die Motorelektronik den Benziner startet. Das kostet zwar elektrische Energie und zwei oder drei grüne Balken in der Akku-Anzeige erlöschen, doch die nächste Ampel kommt bestimmt.

So ändert sich, während man mit dem Yaris Hybrid unterwegs ist, nach und nach das eigene Fahrverhalten. Man schlüpft sozusagen hinein in diese etwas andere Art der Fortbewegung wie in einen Handschuh - und es fühlt sich gut an. Was man gleich dazu sagen muss: Die elektrischen Dosen, die man als Yaris-Fahrer verabreicht bekommt, sind gering. Der Akku hat eine Speicherkapazität von 0,94 kWh, die Energie würde vielleicht für rund zwei Kilometer Fahrt reichen.

Doch so darf man nicht rechnen, denn der Witz des Antriebs ist ja nicht so sehr das elektrische Fahren (das auch), sondern vielmehr das Zurückgewinnen von überschüssiger kinetischer Energie, die sich sonst in nutzloser Reibungshitze an den Bremsscheiben verflüchtigen würde. So aber hilft sie beim Spritsparen und beim Abgasvermeiden.

Die Hybridversion macht den Diesel überflüssig

Vom Antrieb abgesehen ist der Yaris ein Durchschnitts-Kleinwagen: ordentlich eingerichtet, mit bequem geformten Sitzen, sogenannten Soft-Touch-Plastikoberflächen, die passabel aussehen und sich angenehm anfühlen und einer wohltuend reduzierten sowie zugleich hübsch arrangierten Bedieneinheit am Armaturenbrett. Ab dem - empfehlenswerten - zweiten Ausstattungsniveau "Comfort" ist neben Lederlenkrad und Zentralverriegelung auch ein Infotainmentsystem inklusive Rückfahrkamera im Auto verbaut. Dessen 6,1-Zoll-Touchscreen dient als zentrale Schnittstelle für Klima- und Musiksteuerung, Navigation, Telefonie. Gegen Aufpreis kann das Gerät mittels Mirror-Link für die App-Nutzung und als Online-Zugang erweitert werden.

Den Normverbrauch des Autos gibt Toyota mit 3,3 Liter je 100 Kilometer an. Das ist, wie immer, viel zu optimistisch. Wir waren im Winter - also fast immer mit Heizung, Licht, Gebläse und Scheibenwischern - unterwegs, und es waren gut 5 Liter. Damit aber dürfte der Yaris Hybrid dem Dieselmodell (Normverbrauch 3,8 Liter) im Realbetrieb ziemlich nahekommen. Übrigens gleichen sich die beiden Typen nicht nur äußerlich, sondern auch das maximale Drehmoment und das Gewicht sind nahezu gleich. Sogar beim Preis geben sich die beiden Antriebsversionen nicht viel: Wählt man die besser ausgestattete "Comfort"-Variante, ist das Hybridmodell lediglich 160 Euro teurer als der Diesel.

Das ist verkraftbar, wenn man dafür ein Auto fährt, dass so gut wie keine Stickoxide und Rußpartikel ausstößt. Auch die meisten Kunden stehen das offenbar so. Im vergangenen Jahr verkaufte Toyota in Deutschland 17.834 Yaris-Modelle; darunter waren 8673 Autos mit Hybridantrieb (so viele wie noch nie zuvor) und 338 Exemplare mit Dieselmotor. Wie man hört, wird letztere Variante ab dem nächsten Jahr gar nicht mehr angeboten.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Yaris Hybrid Comfort
Karosserie: Kleinstwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Planetengetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.497 ccm
Leistung: 100 PS (74 kW)
Leistung (E-Motor): 60 PS (45 kW)
Drehmoment: 111 Nm
Drehmoment (E-Motor): 169 Nm
Von 0 auf 100: 11,8 s
Höchstgeschw.: 165 km/h
Verbrauch (ECE): 3,3 Liter
CO2-Ausstoß: 75 g/km
Kofferraum: 286 Liter
Gewicht: 1.085 kg
Maße: 3950 / 1695 / 1510
Preis: 18.400 EUR
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insgesamt 252 Beiträge
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Seite 1
jj2005 13.02.2017
1. Witzlos
"der Witz des Antriebs ist ja nicht so sehr das elektrische Fahren (das auch), sondern vielmehr das Zurückgewinnen von überschüssiger kinetischer Energie, die sich sonst in nutzloser Reibungshitze an den Bremsscheiben verflüchtigen würde" - und genau deswegen ist der Antrieb ziemlich witzlos für Fahrer mit etwas Uebung im Spritsparen: Wer 100m vorausdenken kann, seine Ampelphasen kennt und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer aus Erfahrung einschätzen kann, der BREMST NICHT, und kann deswegen auch einen fetten Golf Diesel (z.B.) mit unter 5L/100 km im Stadtverkehr fahren.
dirk.wiederholt 13.02.2017
2. Eelektrische Reichweite
Beim Test eines solchen Autos ist mir zuvorderst die reine elektrische Reichweite wichtig, wird aber selten erwähnt. Vermutlich gibt's also keine rein elektrische Fahrt beim Yaris, aber auch das gehört erwähnt. Nur 30 elektrische Kilometer und ich wäre meiner Mobilitätssorgen ledig und das Auto käme in Frage. Bitte nachtragen. thx
DerBlicker 13.02.2017
3. das ist kein Plug-In Hybrid
Zitat von dirk.wiederholtBeim Test eines solchen Autos ist mir zuvorderst die reine elektrische Reichweite wichtig, wird aber selten erwähnt. Vermutlich gibt's also keine rein elektrische Fahrt beim Yaris, aber auch das gehört erwähnt. Nur 30 elektrische Kilometer und ich wäre meiner Mobilitätssorgen ledig und das Auto käme in Frage. Bitte nachtragen. thx
Also hat das Auto keine elektrische Reichweite. Der Wagen soll nur wenig Sprit verbrauchen, was er in der Stadt wohl auch tut. Man fragt sich allerdings, wo die 100 PS des Benziners und die 60 PS des E-Motors abbleiben, denn die Fahrleistungen schafft jeder Kleinwagen mi 80 PS Benziner.
alleksz 13.02.2017
4. In der Praxis sehr enttäuscht...
...wurden wir vom Yaris Hybrid im letzten Sommer: Wir fuhren als sechsköpfige Reisegruppe in zwei Autos (mit je drei Insassen) gut 1000km über die norwegischen Lofoten. Praktisch immer direkt hintereinander fahrend (in abwechselnder Reihenfolge) und im Prinzip mit identischem Fahrprofil (Beschleunigen, Bremsen...). Die Straßen dort sind ausgesprochen kurvig, erfordern regelmäßiges Bremsen und Beschleunigen und erlauben sehr häufig nicht mehr als 60km/h (und nie mehr als 80km/h). Dem Stadtverkehr also recht ähnlich. Das (an der Tankstelle gemessene) Ergebnis dieses unbeabsichtigten Vergleichs: Der Yaris verbrauchte 6 Liter Super auf 100km, der VW Golf keine 5 Liter Diesel - und letzterer machte beim Fahren und Beifahren viel mehr Spaß. Warum dann Hybrid fahren?
touri 13.02.2017
5.
Zitat von dirk.wiederholtBeim Test eines solchen Autos ist mir zuvorderst die reine elektrische Reichweite wichtig, wird aber selten erwähnt. Vermutlich gibt's also keine rein elektrische Fahrt beim Yaris, aber auch das gehört erwähnt. Nur 30 elektrische Kilometer und ich wäre meiner Mobilitätssorgen ledig und das Auto käme in Frage. Bitte nachtragen. thx
Steht doch im Artikel drinnen: "Der Akku hat eine Speicherkapazität von 0,94 kWh, die Energie würde vielleicht für rund zwei Kilometer Fahrt reichen."
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