Autogramm Toyota Yaris Saugreflex

Unter den Kleinwagen herrscht heftige Konkurrenz. Deshalb hat Toyota das Modell Yaris umfassend erneuert. Vor allem gibt es einen neuen Vierzylinder, der eine Trendumkehr bei den Benzinmotoren einleiten könnte.

Toyota

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: Ein Auto mit schlechter Laune. Die Frontpartie wurde komplett erneuert, Toyota nennt das Design mit den hängenden Mundwinkeln "Katamaran-Look".

Das sagt der Hersteller: Die dritte Generation des Kleinwagens Yaris ist seit 2011 auf dem Markt, jetzt wurden 90 Millionen Euro investiert und mehr als 900 Bauteile erneuert, um das Auto wieder auf den Stand zu bringen. "Mit dem überarbeiteten Yaris hat die europäische Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Toyota erstmals ein Projekt für den Weltmarkt verantwortet", sagt Serkan Karaman, der für den neuen Yaris verantwortliche Manager.

Im vergangenen Jahr sei der Yaris, der im Werk Valenciennes produziert wird, das meistgebaute Auto in Frankreich gewesen. Das runderneuerte Modell soll den positiven Trend fortsetzen: Toyota plant mit einer Produktionszahl von mehr als 200.0000 in diesem Jahr, davon 45 Prozent mit Hybridantrieb.

Das ist uns aufgefallen: Auch wenn die dritte Generation des Yaris bereits seit 2011 auf dem Markt ist, das jetzt aufgefrischte Auto wirkt rundum auf der Höhe der Zeit. Etliche Bauteile, die unmittelbar ins Auge springen, sind neu: Scheinwerfer und Rückleuchten, die Heckklappe, das Kombiinstrument und das Lenkrad, die Sitze, Sitzbezüge, Dekorleisten sowie Lüftungsdüsen. Außerdem gibt es jetzt mehrere Zweifarb-Lackierungen für die Karosserie mit einem jeweils farblich darauf abgestimmtem Interieur. Wer mag, kann auch die Außenspiegelgehäuse in Bonbonfarben bestellen. Die Möglichkeit der Individualisierung, bislang kein Thema bei Toyota, ist damit auch beim Yaris - zumindest in milder Form - angekommen.

Jürgen Pander

Das Auto wirkt nicht nur oberflächlich neu, auch die Substanz wurde verbessert. So gibt es in allen Yaris-Varianten ab sofort serienmäßig das Sicherheitspaket "Toyota Safety Sense", das einen Notbremsfunktion sowie einen Fernlicht- und Spurhalteassistenten umfasst; zudem sich jetzt auch die Sicherheitsgurte im Fond mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern ausgestattet.

Das Alleinstellungsmerkmal des Yaris bleibt weiterhin der Antrieb. Denn nach wie vor ist das Modell der einzige Kleinwagen, der mit Hybridantrieb angeboten wird. Weil sich immer wieder Kunden über das aufdringliche Geräusch des prinzipbedingt hochdrehenden Motors beschwert haben, änderten die Entwickler jetzt die Motorhalterungen, die Drehmomentstütze und den Ansaugtrakt und verpassten dem Abgasstrang einen zusätzlichen Schalldämpfer. Natürlich dreht der Motor nach wie vor hoch, wenn der Fahrer Leistung abruft, doch es klingt jetzt dezenter.

Komplett neu ist jedoch ein 1,5-Liter-Benziner, der das bisherigen 1,3-Liter-Aggregat ablöst. Die neue Maschine ist zugleich stärker und sparsamer, vor allem aber erfüllt sie die ab September diesen Jahres in Kraft tretende Abgasnorm Euro-6c. In unserem Testauto gab der neue Motor eine prima Vorstellung; er ist elastisch, drehfreudig und flott. Leider ist er auch ziemlich laut, wenn man eilig anfährt. Andererseits: In einem Kleinwagen geht das völlig in Ordnung, und mitunter ist es ganz hilfreich, wenn man akustisch mitbekommt, dass es ordentlich vorwärts geht.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Yaris wird ab 24. April bei den Händlern stehen. Die billigste Variante mit drei Türen und 1-Liter-Dreizylinder-Benziner kostet 12.540 Euro; alle anderen Versionen werden als Fünftürer ausgeliefert. Die Varianten mit dem neuen 1,5-Liter-Benziner kosten ab 14.240 Euro, der Yaris-Hybrid ab 17.990 Euro (wobei man die 3000 Euro "Hybridprämie" gleich wieder abziehen kann). Ein Dieselmodell ist nicht mehr im Angebot.

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Autogramm Toyota Yaris: Einfach reifer

Mit dem neuen Benziner, einem klassischen Vierzylinder-Saugmotor, setzt sich Toyota einmal mehr vom Motoren-Mainstream ab, der gegenwärtig Turbomotoren mit Direkteinspritzung und geringem Hubraum favorisiert. Die japanischen Ingenieure gehen damit auch dem Kardinalprolem der Turbo-Direkteinspritzer aus dem Weg: den Partikelemissionen. Einmal mehr wählt Toyota damit einen Sonderweg, der auf den ersten Blick eigensinnig erscheinen mag, sich jedoch erneut als vorausschauend erweisen könnte. Mazda verfolgt mit den Skyactive-Motoren übrigens eine ähnliche Strategie.

Das komplett neue Vierzylinderaggregat setzt also wieder auf Hubraum, nämlich auf 1,5 Liter und erzielt einen thermischen Wirkungsgrad von 38,5 Prozent, was ein Spitzenwert für Benzinmotoren ist. Zu den Besonderheiten der Maschine gehören das hohe Verdichtungsverhältnis von 13,5:1, eine gekühlte Abgasrückführung und eine variable Ventilsteuerung.

Letztere macht es möglich, den Motor je nach Anforderung binnen Sekundenbruchteilen zwischen der Funktion nach Otto-Zyklus oder Atkinson-Zyklus umzuschalten. Kurz gesagt: Beide Zyklen unterscheiden sich vor allem durch den Zeitpunkt, zu dem die Einlassventile geschlossen werden. Ein früheres Schließen der Einlassventile (Otto-Zyklus) erhöht die Leistung, ein späteres Schließen (Atkinson-Zyklus) minimiert die Pumpverluste und steigert die Effizienz. Um wiederum bei Konstantfahrt auf der Autobahn möglichst wenig Sprit zu verbrauchen, erhielt der neue Motor zudem einen flüssigkeitsgekühlten Ansaugkrümmer.

Das werden wir nicht vergessen: Das hübsche Bild, das die neuen Lüftungsdüsen beim Öffnen und Schließen abgeben. Die schwarzen Plastikelemente, die sich hinter dem runden Gitter ein- oder ausfalten sehen aus wie Blütenblätter. Eine Marginalie, gewiss, doch für die ultra-pragmatische Marke Toyota ein deutliches Zeichen der Erkenntnis, dass ein Auto mehr benötigt als beeindruckende Zahlen auf dem Datenblatt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Yaris 1.5 Benziner
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.497 ccm
Leistung: 111 PS (82 kW)
Drehmoment: 136 Nm
Von 0 auf 100: 11,0 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 112 g/km
Gewicht: 1.040 kg
Maße: 3945 / 1695 / 1510
Preis: 14.240 EUR
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insgesamt 90 Beiträge
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Seite 1
planet335 02.05.2017
1.
Furchtbare Front, war beim alten schon grauslich und ist jetzt noch hässlicher und aggressiver. So etwas kommt heraus, wenn Designer krampfhaft um Originalität bemüht sind. Zusammen mit Mercedes (Bananen mit Schießscharten) hat Toyota im Augenblick die furchtbarste Formensprache, dem Käufer scheint es aber anscheinend zu gefallen.
pirx64 02.05.2017
2. Endlich
Endlich mal ein Ende der permanenten Verkleinerung des Hubraum. Seit Jahren immer weniger Hubraum und Zylinder, was der Kilometer Laufzeit wenig gut getan hat.
mikaiser 02.05.2017
3. Unklar
Im Text liest sich das, als hätte der Hybrid diesen neuen Motor. Der hatte aber schon immer einen 1,5-Liter Nicht-Turbo mit Saugrohreinspritzung und Atkinson-Emulation per Ventilsteuerung. Toyota macht hier alles richtig - abgesehen von der gräßlichen Front. Und jetzt gibt es diesen Motor also auch ohne Hybrid?
udo88 02.05.2017
4. Lesen Sie mal genau durch.
Zitat von mikaiserIm Text liest sich das, als hätte der Hybrid diesen neuen Motor. Der hatte aber schon immer einen 1,5-Liter Nicht-Turbo mit Saugrohreinspritzung und Atkinson-Emulation per Ventilsteuerung. Toyota macht hier alles richtig - abgesehen von der gräßlichen Front. Und jetzt gibt es diesen Motor also auch ohne Hybrid?
Der 1,5 Liter Motor ist eine Neuentwicklung welche das bisherige 1,3 Liter Aggregat ablöst.
markroger 02.05.2017
5. Endlich sichtbar: Europa unwichtig
Mazda und Toyota sind 2 Hersteller, die es offen zeigen: Der europäische Automarkt ist weltweit betracht ziemlich unwichtig geworden. Nirgendwo sonst wird diesem Turbowahn mit Rasenmähermotoren gehuldigt, nur um ein paar dubiose Schadstoffe einzusparen. Wozu also für einen mäßig dynamischen Markt einen speziellen Motor erfinden? Umso schöner, wenn nun sogar die deutschen Journalisten endlich wieder den Saugmotor als exzellenten Antrieb zu würdigen wissen.
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