Triumph Street Twin im Test Ziemlich beste Freundin

Dieses Motorrad hat beste Cruising-Qualitäten, einen niedrigen Sitz, viel Sicherheit: Die Triumph Street Twin kommt besonders bei Frauen gut an. Das hat Gründe, die auch Männer mögen.

Triumph Motorcycles Deutschland

Der erste Eindruck: Klassische Linien, Tropfentank. Stimmige Proportionen. Mit der Street Twin zeigt man sich gern.

Das sagt der Hersteller: Vor ein paar Jahren hat Triumph die Modellschiene "Modern Classics" neu ausgerichtet. Am unteren Ende der Palette hat sich die Street Twin mit dem flüssigkeitsgekühlten 900-ccm-Motor zu einem Verkaufsschlager der Briten entwickelt. Die schlüssige Trilogie aus sicherem Fahrvergnügen, Look und Preis - der Kunde hat sie honoriert.

"Die Street Twin ist das meistverkaufte Modell unter unseren Klassikern", sagt Natalie Kavafyan, seit September 2016 Geschäftsführerin von Triumph Deutschland. Mehr als 17.500 Fahrzeuge hat der englische Hersteller seit 2016 weltweit abgesetzt. Auch auf dem deutschen Markt ist das Mittelklasse-Bike ein Renner, mehr als tausend Stück sind hierzulande unterwegs.

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Triumph Street Twin: Schwester Bonnie

Unter weiblichen Triumph-Fans ist die "kleine Bonnie" nach der Herstellerstatistik mit Abstand der Bestseller. "Da spielen mehrere Aspekte eine Rolle", erklärt Kavafyan. "Leichtes Handling, ein relativ niedriges Gewicht und natürlich die angenehme Sitzhöhe. Hinzu kommt, dass man die Street Twin als Fahranfänger auch in der auf 48 PS reduzierten A2-Variante kriegen kann."

Das ist uns aufgefallen: Das "Major Update", das Triumph mit dem Modell 2019 fährt, gibt dem bisher drehzahlfaulen Motor eine deutliche Leistungsspritze. 65 PS bringt die Street Twin jetzt mit, zehn PS mehr als bisher, und das macht sich sofort positiv bemerkbar: Der Zweizylinder hängt freudig am elektronischen Ride-by-Wire-Gas. Er dreht viel agiler aus dem tiefen Drehzahlbereich und orgelt sich hoch bis auf 8500 U/min. Das maximale Drehmoment von 80 Nm liegt jetzt schon bei entspannten 3800 U/min.

In diesem unteren Drehzahlbereich, wo sich das Aggregat auch akustisch nicht quält, sondern einen beruhigenden Takt schlägt, liegt eindeutig die Stärke der Street Twin. Da kann sie ausspielen, was sie zur allerbesten Freundin (ABF) mit ABS macht: 1A-Cruising-Qualitäten durch klasse Ergonomie, erreicht durch die 670 mm niedrige, aber bequeme Sitzbank und den breiten Lenker. Mit der Street Twin lässt man Blicke und Gedanken schweifen, während der Motor vor sich hin brabbelt und vorandrängt. Die Sicherheitstechnik ist im Hintergrund voll präsent: eine neue, sensibel ansprechende Gabel, eine bessere Bremsanlage von Brembo und neuerdings zwei Fahrmodi: "Rain" und "Street" sind sehr harmonisch abgestimmt.

Man könnte den bisherigen Verkaufserfolg dadurch erklären, dass die Street Twin stets ein einfach zu beherrschendes und vertrauenerweckendes Motorrad war. Die Optik tut das ihre dazu: Das Bike hat ein fast perfektes "Packaging", wie die Fahrzeugentwickler sagen: Kein unnötiges Verkleidungsteil, kein überflüssiges Kabel stört das Gesamtbild. So versteckt sich die Katalysatorbox unter dem Zweizylinder zwischen den Auspuffrohren. Die ragen exakt so nach hinten weg, wie es die klassische Form vorschreibt.

Einziges Designmanko: Das runde Cockpitinstrument passt zwar nahtlos in den Vorbau mit Rundlampe und Alu-Halterung, hat aber unterhalb der klassischen Nadel einen sinnlosen, weil zu kleinen Digitalbereich.

Das muss man wissen: 9300 Euro für die Basisversion in der Farbe Jet Black sind ein guter Preis. Aber jedes Add-on danach wird verflucht teuer: Schon für eine Matt-Ironstone-Lackierung verlangt Triumph 175 Euro, Karosi Red kostet 300 Euro extra.

Eine Belastung für den Geldbeutel kann die Street Twin werden, wenn man sich einmal auf den Zubehörkatalog eingelassen hat, der mit über 140 Teilen wie Taschen, Sitzbänken und Alu-Accessoires prall gefüllt ist.

Das werden wir nicht vergessen: Um Kunden, die ihre Street Twin personalisieren wollen, wirbt Triumph mit fast unlauteren Mitteln.

Aktuell haben die Engländer für das 2019er Modell das Urban Ride-Kit für 1160 Euro und das Café Custom-Kit für 2486 Euro im Angebot. Beworben werden beide Kits mit coolen Designer-Tanks - die es aber nicht zu kaufen gibt. Es sind Einzelstücke für Werbezwecke. Faktisch kauft der Kit-Kunde eine konfektionierte Kiste mit Zubehörteilen, die dann gegen Stundenlohn on top beim Händler angeschraubt werden. We are not amused.

Fahrzeugschein
Hersteller: Triumph Motorcycles
Typ: Street Twin
Karosserie: Motorrad
Motor: Zweizylindermotor
Getriebe: Fünfganggetriebe
Hubraum: 900 ccm
Leistung: 65 PS (48 kW)
Drehmoment: 80 Nm
Höchstgeschw.: 169 km/h
Gewicht: 215 kg
Preis: 9.300 EUR


insgesamt 51 Beiträge
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don_spon 05.02.2019
1. Normal
Retro ist hip. Leistung ist bäh. Wer ne niedrige Sitzhöhe braucht, für den ist die Triumph sicher ne Option. Triumphs generell sind schon schön gemacht. Die Zubehörtpolitik ist glaube ich bei allen Herstellern gleich. Retrokunden sind eher alt und wohlhabend, da kann man es nehmen. Das dürfte bei dem BMW Äquivalent nicht anders sein.Aber auch bei den nicht Retromodellen kann man ohne Ende Geld ausgeben. Für optische Gimmiks aber auch für Software. Bei KTM müssen z.B. alle möglichen Funktionen per Laptop für reichlich Geld freigeschaltet werden. Das ist eigentlich nicht anders als bei den Autos. Mit ein bisschen Zubehör ist man dann bei einem Moped das nur zum Fahren zum nächsten Treff reicht bei 20 Mille. Wer es braucht.
chilibär 05.02.2019
2. Du bist so einzigartig
Was soll das Gemecker und Gewundere darüber, dass Farben extra kosten? In Zeiten der Individualisierung mag doch kaum noch jemand Standardware. Da kostet es nun mal ein paar Peseten, sich im Glauben zu wiegen, sich von der Masse zu unterscheiden.
fly12 05.02.2019
3. Pr
Schöner PR Artikel und schönes Motorrad. Dass Frau und Mann ( was in D unter Frauenmotorrad verkauft wird, finden anderswo Frauen mit einem Mann drauf sexy)aber für ähnliches Geld eine wunderschöne, min. 20kg leichtere, dank Kardan und 21l Tank dann auch noch reisetaugliche Moto Guzzi bekommen können, sollte einfach mal erwähnt werden.
krustentier120 05.02.2019
4. Hübsch ist sie ja
Aber gefühlsmäßig kriegt man bei Yamahas XSR das weitaus bessere Preis /Leistungsverhältnis. Die 700er hat 75 PS, ebenfalls im Drehmomentkeller entspannten Motor, und kostet 2000 Eu weniger. Das Design muss man allerdings mögen.
fatherted98 05.02.2019
5. völlig Unverständlich....
...warum dieses Motorrad als "Frauen-Bike" bezeichnet wird. Klarer Fall für den Diskriminierungsbeauftragten bei SPON.
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