Volvo C30 Drive: Schwedischer Sparplan

Von Tom Grünweg

Mittelfristig plant auch der schwedische Hersteller Volvo mit Hybrid- und Elektroautos. Mit dem Spritsparen soll aber möglichst sofort begonnen werden. Also kommt unter anderem die Start-Stopp-Technik zum Einsatz - zum Beispiel im Kompaktmodell Volvo C30.

Eeva-Lisa Book hat ambitionierte Ziele. "Im Jahr 2030 werden unsere Dieselmodelle im Schnitt nur noch 2,5 Liter verbrauchen. Und für die Benziner gilt ein Ziel von 2,7 Litern", sagt die Umweltspezialisten von Volvo. Mit konventioneller Technik allerdings sei das kaum zu schaffen. "Da müssen wir uns schon mehr einfallen lassen." Die Entwickler favorisieren derzeit folgende Lösung: Ein Plug-In-Hybrid-Auto mit Lithium-Ionen-Akku, das 2012 auf den Markt kommen soll, bis zu 50 Kilometer mit Strom aus der Steckdose fährt und auf weiteren Strecken einen sparsamen Dieselmotor anwirft. So soll der Wagen im Format des Kombi V70 im besten Fall auf einen Verbrauch von 1,9 Litern kommen.

All das ist noch Zukunftsmusik. Doch die Schweden haben auch kurzfristige Lösungen: Für das nächstes Jahr plant Volvo eine Generation neuer Benzin-Direkteinspritzer, die ihren Einstand in der Neuauflage der Mittelklasse-Limousine S60 geben werden. Sie sind so potent, dass vier statt der bislang fünf Zylinder mit entsprechend weniger Hubraum für gleichwertige Fahrdaten ausreichen. Allein dadurch können Verbrauch und CO2-Ausstoß nach Volvo-Angaben um 20 bis 30 Prozent gedrückt werden.

Dass man für nennenswerte Einsparungen nicht erst auf einen Generationswechsel warten muss, beweist die schwedische Marke jetzt in den anderen Modellreihen, in denen zum Sommer neue Sparversionen Einzug halten. Sie tragen das Kürzel Drive und machen die Fahrzeug-Palette nach den Worten von Volvo-Deutschlandchef Thomas Viehweg zu "einer der umweltschonendsten und verbrauchsgünstigsten Modellreihen" im gehobenen Preissegment.

Dafür brachen die Ingenieure auch gewissen Tabus. Den Geländewagen XC60 und den Offroad-Kombi XC70 etwa gibt es künftig auch als Fronttriebler, womit der Verbrauch des immerhin 175 PS starken 2,4-Liter-Dieselmotors auf 6,0 Liter (CO2-Ausstoß: 159 g/km) sinkt. Und in den schweren Schwedenhappen V70 und S80 tut künftig ein vergleichsweise schmalbrüstiger Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 109 PS Dienst. Auf spontane Sprints muss man so vermutlich verzichten, doch werden Kombi und Limousine bei einem Verbrauch von 4,9 Litern zu Sparfahrzeugen, die lediglich 129 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Neue Sparmöglichkeit bei den Modellen C30, S40 und V50

Vor allem aber fokussieren sich die Sparanstrengungen auf die Drive-Varianten von C30, S40 und V50. Schon mit konventionellen Mitteln wurden in diesen Autos im vergangenen Jahr der Verbrauch um rund zehn Prozent gedrückt. Die Gründe: Länger übersetzte Getriebe, Leichtlaufreifen und eine Schaltempfehlung im Cockpit. Der Löwenanteil geht allerdings auf die Aerodynamik. Volvo-Ingenieur Tim Walker und sein Team senkten den Luftwiderstand durch verkleidete Unterböden, glattere Kühlergrills, weitgehend geschlossenen Felgen, einen größeren Spoiler und Windabweiser vor den Rädern. "Allein damit haben wir den Verbrauch des C30 um 0,12 Liter gedrückt. Dafür hätte man sonst zum Beispiel 80 Kilogramm Gewicht aus dem Wagen nehmen müssen."

Jetzt legt Volvo noch einmal nach und bietet die drei Sparer-Modelle auf Wunsch auch mit einer Start-Stopp-Automatik an. Ähnlich wie bei BMW, VW oder Audi geht der Motor dann von alleine aus, wenn man etwa am Bahnübergang den Gang herausnimmt und die Kupplung löst. Sobald man allerdings das Gaspedal berührt oder die Kupplung wieder tritt, meldet sich der Diesel umgehend zurück. Dass der 1,6-Liter-Motor dabei ein wenig lauter und rauer klingt als die jüngsten Common-Rail-Aggregate der Konkurrenz schadet in diesem Fall ausnahmsweise nicht - so hört man wenigstens, dass die Maschine wieder läuft.

Nicht nur Start-Stopp, sondern auch Rekuperation

In Kombination mit der Start-Stopp-Automatik führt Volvo gleich auch noch ein neues Batteriesystem ein. Statt eines Akkus gibt es nun zwei, die haltbarer sein sollen und zusammen mehr Kapazität bieten. So springt Motor schneller und weicher an, außerdem wird die Hauptbatterie so weit entlastet, dass nun bis zu 175.000 Zyklen möglich sind. Und auch die Ladelogik der Batterie wurde geändert: Jetzt arbeitet der Generator nur beim Bremsen oder im Leerlauf. Weil das Start-Stopp-System fünf und die so genannte Rekuperation weitere zwei bis drei Prozent Ersparnis bringen, gehen im Volvo C30 Drive der Verbrauch auf 3,9 Liter und der CO2-Ausstoß auf 104 g/km zurück.

Keine Veränderung merkt man dagegen beim Fahren. Der 109-PS-Motor ist zwar kein Renner, doch weil der Selbstzünder ein maximales Drehmoment von 240 Nm erreicht, hat der C30 einen durchaus flotten Antritt. Allerdings geht dem Vierzylinder bereits früh die Puste aus, so dass er bis Tempo 100 mindestens 11,3 Sekunden braucht. Mit etwas Schwung jedoch schafft er 190 Sachen. Das Manko: Volvo lässt sich die neue Öko-Technik teuer bezahlen und verlangt 350 Euro Aufpreis für Rekuperation und Start-Stopp-Automatik. Wer nicht allein wegen des Gewissens wechselt, muss deshalb viel fahren, bis er tatsächlich spart.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Volvo
Typ: C30 Drive
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.560 ccm
Leistung: 109 PS (80 kW)
Drehmoment: 240 Nm
Von 0 auf 100: 11,3 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 3,9 Liter
CO2-Ausstoß: 104 g/km
Kofferraum: 251 Liter
Versicherung: 16 (HP) / 22 (TK) / 20 (VK)
Preis: 22.140 EUR

Fotostrecke
Volvo C30 Drive: Starten, stoppen, sparen

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